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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 08.01.2019 22:33Ich nippte nur gedankenverloren an meinem Becher und starrte ein paar Leute auf der Tanzfläche an, als mich wieder dieses merkwürdige Gefühl überkam, das ich mittlerweile nur allzu gut kannte. Ich musste gar nicht aufsehen, um zu wissen, wer da neben mir stand. Mein Herz zog sich ein schmerzhaft zusammen, aber ich setzte ein Lächeln auf. "Hi", erwiderte ich und wandte meinen Blick beinahe sofort von seinem Gesicht ab, weil dieser merkwürdige Nebel wieder um ihn herum schwirrte. Ein sehr großer Teil von mir hatte so darauf gehofft, dass Chester irgendwann einfach auf mich zukommen würde, aber jetzt schnürte seine Anwesenheit mir nur wieder die Luft ab, genauso wie das letzte Mal, als ich ein wirkliches Gespräch mit ihm geführt hatte.
Ohne groß darüber nachzudenken hob ich meinen fast noch vollen Becher mit Feuerwhiskey und leerte ihn innerhalb von ein paar Sekunden. Der Alkohol brannte sich den Weg durch meine Speiseröhre und hinterließ ein Kratzen in meinem Hals. Ich konnte mich jetzt nicht auf dem Absatz umdrehen und verschwinden, so wie ich es in letzter Zeit häufig gemacht hatte, also griff ich stattdessen nach einer der Flaschen auf dem Tisch und füllte meinen Becher wieder auf. "Gute Party, oder?", fragte ich, ohne ihn anzusehen und hob demonstrativ meinen Becher einmal in die Höhe. Dieses Gespräch wollte ich so kurz wie möglich halten - hoffentlich wollte er sich nur versichern, dass ich noch mit ihm sprach. Was ich ja noch tat, irgendwie ...

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 07.01.2019 23:55Ich hatte mir in den letzten Wochen nichts sehnlicher gewünscht, als zu vergessen. Mein blödes Gedächtnis abzuschalten, von vorne anzufangen. Normalerweise war ich sehr dankbar für mein fotografisches Gedächtnis - immerhin konnte ich mir so einige Stunden intensives Lernen ersparen -, aber im Bezug auf Chester war es ein Fluch. Ich erinnerte mich an jedes winzige Gefühl, das ich an dem Abend gehabt hatte, jedes Wort, dass über seine Lippen gekommen war. Ich wünschte mir fast schon, dass er mich an dem Abend wenigstens geküsst hatte, dann hätte ich wenigstens die Erinnerung gehabt, an die ich mich klammern konnte - aber irgendetwas sagte mir, dass das es vermutlich nur noch schlimmer machen würde.
Selbst die letzten Wochen hatte ich ohne Alice und mindestens 10 Kilo Eiscreme kaum überstanden, wie sollte das bis zu unserem Abschluss funktionieren? Wenn ich bis dahin noch in meinen Schulumhang passen wollte, müsste ich mir so langsam mal eine andere Alternative überlegen.
Dazu kam, dass ich in letzter Zeit seltsame Träume hatte. Nicht nur Nachts, sondern auch tagsüber, wenn ich im Unterricht ein bisschen vor mich hin döste und meine Augen fest auf Chesters Rücken richtete, weil das der einzige Moment war, in dem ich mir gestattete ihn anzustarren - im Unterricht, wenn er vor mir saß und alle anderen dachten, dass ich bloß dem Unterricht folgte. Dann fing mein Kopf an, ihn in seltsamen dunklen Nebel zu packen und vor meinen Augen merkwürdige Bilder abzuspielen, die für mich keinen Sinn ergaben. Zuerst hatte ich es für dumme Fantasien gehalten, aber da mir dabei meisten furchtbar übel wurde und ich einmal Angst hatte, mich auf Professor Flitwick zu übergeben, hatte ich doch irgendwann den Krankenflügel aufgesucht. Von meinem Liebeskummer hatte ich natürlich nichts erzählt, deshalb bekam ich nur etwas gegen die Übelkeit. Der seltsame Nebel um Chester herum blieb und löste in mir ein ganz merkwürdiges, unwohles Gefühl aus. Ein Grund für mich, ihm aus dem Weg zu gehen, obwohl das nicht mal der Hauptgrund war.
An diesem Abend fand wieder eine der Parties statt, für die Hogwarts indirekt so berühmt war (unter den Schülern zumindest). Ein leerstehendes Klassenzimmer war magisch vergrößert zur Tanzfläche samt Bar umgewandelt worden, während ein Zauberspruch auf dem Flur vor Lehrern warnte und den Raum vor ihren Augen tarnte. Alice hatte mich etwas überreden müssen, auf die Party zu gehen. Eigentlich willigte ich nur ein, weil sie sich schon seit Wochen mein Geheule anhören musste - wir hatten zwar geschworen, später zusammen ein magisches Altersheim auf den Kopf zu stellen, aber das war keine Garantie dafür, dass ich ihr nicht doch irgendwann zu sehr auf den Keks ging und sie sich nettere Freunde suchte.
Wir hatten heute sogar unsere Kleidung getauscht; naja, ich trug ein Kleid, dass Alice von irgendeinem Verwandten geschickt bekommen hatte und dass ihr mindestens zwei Nummern zu groß war, während sie einen Pullover von mir als Kleid umfunktioniert hatte. Sie schleppte mich auf die Tanzfläche, aber ich bedeutete ihr mit einer Bewegung, dass ich lieber erst etwas zu trinken brauchte. Sie verdrehte die Augen, ließ mich aber abziehen. Ohne Alkohol würde ich mit vermutlich auch sofort wieder in meinen Schlafsaal verziehen ...

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 07.01.2019 22:44Zu sehen, wie Chester versuchte sich den gestrigen Abend doch noch irgendwie zu rekonztruieren, wäre beinahe lustig gewesen, wenn da nicht dieses drückende Gefühl in meiner Brust wäre. Normalerweise hatte ich nie ein Problem damit, meine Emotionen anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringe. Ich war dafür bekannt, immer mit einem Lächeln auf den Lippen angetroffen zu werden. Aber jetzt vor Chester alle meine Emotionen zu verbergen und ihn anzulächeln, während mir eigentlich nach Heulen zumute war, das war schwer. Ich hatte mich schon lange nicht mehr vor irgendjemandem verbiegen und meine Gefühle verstecken müssen. Nicht mehr, seit ich klein war und das mit meiner Schwester passiert war ...
"Richte ich ihr aus", erwiderte ich und versuchte, weder in seine Augen, noch auf seine Lippen zu starren. Merlin, ich kam mir echt erbärmlich vor, aber ich konnte nicht einfach über meine Schatten springen und das alles vergessen. Dafür hatte Chester schon ein viel zu großes Stück meines Herzens für sich eingenommen. "Apropos Alice ... ich, ähm, hab sie eigentlich gesucht ... sie, ähm, sie wollte etwas wegen Zaubertränke nachfragen, aber ich befürchte, dass ich sie verpasst habe, alsoo ...", sponn ich mir zusammen, nur um möglichst schnell hier wegzukommen. Chesters Worte hatten die Sonne untergehen lassen und seine Anwesenheit schnürte mir die Luft ab. "Wir, ähm, wir sehen uns beim Essen, ja?", sagte ich, hob kurz die Hand und winkte ungeschickt, um mich dann auf dem Absatz umzudrehen und wieder in die Richtung zu verschwinden, aus der ich gekommen war. Naja, nicht ganz. Diesmal steuerte ich eher den Gryffindorturm an, um meine beste Freundin aus ihrem Bett zu schmeißen und ihr von meinem verpatzten Beinahe-Kuss zu berichten, während mir ein paar winzige Tränchen über die Wangen liefen.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 07.01.2019 21:51Ich musste gar nicht allzu lange warten und gegenüber ein paar jüngeren Schülern so tun, als würde ich nicht wie ein Stalker vor ihrem Gemeinschaftsraum lungern, als Chester auch schon durch die Tür trat. Auf meinem Gesicht breitete sich automatisch ein Lächeln aus, aber nicht mein normales Lexie-Lächeln, sondern ein ganz besonderes, strahlendes, das nur Chester auslösen konnte. Als würde in mir die Sonne aufgehen, wenn ich ihn sah.
"Hey", begrüßte ich ihn freudig und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die mir in die Stirn fiel. Na super, die ganze Arbeit und schon lösten sich die ersten Strähnen. Vielleicht sollte ich den Zopf doch lieber direkt lösen ...
Mein Gedankengang wurde allerdings ünterbrochen, als Chesters Worte mein Herz augenblicklich schneller schlagen ließen. Er hatte mich gesucht. "Ach ja?", fragte ich mit dem gleichen, strahlenden Lächeln, und ging näher auf ihn zu. Dabei versuchte ich, nicht allzu offensichtlich auszusehen, während ich versuchte, jetzt nicht über meine eigenen Füße zu stolpern. Ich würde gleich zum ersten Mal Chester küssen, und dieser Moment sollte nicht für immer damit versaut werden, dass ich mir ein paar Sekunden davor das Knie aufgeschlagen hatte oder so. Über diesen Moment fantasierte ich schon seit Monaten, und jetzt, jetzt war er da.
Und dann, dann war es wieder seine Stimme, die meine Gedanken unterbracht. Aber diesmal lösten seine Worte ein ganz dumpfes Gefühl in mir aus. Kälte breitete sich da aus, wo eben noch die Sonne aufgegangen war. Fragte er mich das grade ernsthaft? All das, was gestern Abend passiert war ... und er hatte nach der Schlägerei nichts mehr behalten. Nichts.
Mein Lächeln war mittlerweile verschwunden, aber nur für einen kurzen Moment. Ich versuchte, ein halbwegs überzeugendes Grinsen aufzusetzen, als würde mich der Gedanke an gestern Abend amüsieren, anstatt mir einen Stich zu versetzen.
"Oh ja, hast du" Jetzt war ich diejenige, die sich räuspern musste. Meine Stimme klang tonlos, aber besser als der triefende Klang nach Enttäuschung. Vielleicht hatte ich mir das alles ja doch nur eingebildet. Vielleicht hatte er das alles ja nur gesagt, weil er so betrunken war. Er hatte gestern die Freundin von einem Jungen angemacht und ihn dann angegriffen; das war etwas, was Chester niemals tun würde. Also vielleicht gehörten ja noch mehr Sachen auf die Liste mit den Dingen, die er niemals tun oder sagen würde? "Ich - ... wir haben dich ins Schloss zurück gebracht. Alice und ich. Damit du nicht im See ertrinkst, weißt du." Ich zwang mich wieder zu einem Grinsen. Die Lüge ging mir glatt über die Lippen - das erste Mal in meinem Leben, dass ich froh darüber war, dass meine Eltern meinem Bruder und mir schon früh eingetrichtert hatten, dass die Wahrheit nicht immer das beste war, was man einer Person sagen konnte.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 07.01.2019 21:07Zum mindestens zehnten Mal zupfte ich an dem langen geflochtenen Zopf, der über meiner Schulter hing. Normalerweise hatte ich morgens nie die Motivation, meine Lockenpracht irgendwie zu flechten, weil es mich schon genug Nerven kostete sie zu bändigen, um nicht wie ein geplatztes Sofakissen auszusehen. Heute allerdings nicht. Heute morgen war ich zur Abwechslung einmal sofort aus dem Bett gesprungen, um meinen Kleiderschrank zu durchsuchen. Die Erinnerungen an die Party gestern Abend beflügelten mich regelrecht. Gut, nicht der Teil mit der Schlägerei, an der ich ja mehr oder weniger Schuld gewesen war (je nachdem, wie man es betrachtete), aber alles andere, was danach kam. Chesters Worte schwirrten mir immer noch im Kopf herum, als hätten sie sich dort irgendwo eingenistet und Wurzeln geschlagen.
Kein Wunder also, dass meine Füße mich ganz von alleine bis in den Keller trugen, obwohl heute kein Unterricht statt fand. Ich hatte mich doch tatsächlich überwunden und mich in ein Kleid gequetscht, für das es draußen schon fast ein bisschen zu kalt war. Da es aber zu meinem liebsten Kleidungstücken gehörte und ich nur hier war, um mir das abzuholen, was er mir versprochen hatte, spielte das für mich keine Rolle. Ich würde heute sowieso nichts anderes mehr machen, als wie eine Klette an Chester zu kleben. Vielleicht würde ich später Alice suchen, wenn ich mich überwinden konnte, seine Hand wieder los zu lassen. Immerhin musste ich ihr noch erzählen, dass sie mit ihren Vermutungen doch nicht falsch gelegen hatte.

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Re: Vergangenheitsplay » 17
von Lexie am 02.11.2018 23:28"Das heißt aber, dass es im Bereich des Möglichen ist, dass ich Recht habe!", erwiderte ich mit einem Grinsen. Niemand außer Chester würde jemals wissen, wer von uns beiden nun Recht hatte, aber Alice und ich kabbelten uns oft bei kleinen Meinungsverschiedenenheiten darüber, wer nun Recht hatte. Ich argumentierte gerne damit, dass ich doch in Ravenclaw war und es deswegen besser wissen musste, aber uns war beiden klar, dass das nicht mal ansatzweise der Wirklichkeit entsprach. Alice hatte mich schon oft genug auf Dinge hinweisen müssen, die ich verschusselt hatte ... manchmal fragte ich mich wirklich, warum sie nicht in Ravenclaw gelandet war.
Ich seufzte. "Dann hoffen wir mal, dass das schnell wieder vorbei geht.", antwortete ich schulterzuckend und verlor wieder beinahe das Gleichgewicht, als wir um die nächste Kurve bogen. "Jaa, Jungs sind Idioten", stimmte ich ihr brav zu und tätschelte beruhigend ihre Hand, die auf meinem Arm lag, so wie immer, wenn sie sich etwas in Rage redete. Sie hatte ja Recht, aber es kam mir so falsch vor, die Fehler bei den Jungs zu suchen, obwohl es doch eigentlich einzig und allein meine Schuld war, dass ich mich etwas in sie verliebt und damit die Freundschaft kaputt gemacht hatte.
Ihre Idee mit dem Ableben in der Bibliothek gefiel mir. Das hörte sich definitv nach etwas an, was Alice und ich für den Rest unseres Daseins tun würden. Lachend fügte ich hinzu: "Oder wir lassen die ganzen Bücher aus den Regalen fliegen, wenn jemand durch den Gang läuft ... damit treiben wir die Bibliothekarin bestimmt in den Wahnsinn." Mein Begriff um Alice' Arm verstärkte sich ein bisschen. Der Gedanke war lustig, aber das konnte meinetwegen noch mindestens 80 Jahre von uns entfernt werden. Erst einmal stand uns doch noch ein aufregendes Leben bevor, bevor wir daran dachten, wie wir gemeinsam im Jenseits spuken könnten.
Bei dem Gedanken, dass sie mich hier alleine lassen könnte, schüttelte ich mich. "Oh, bitte nicht!", rief ich, sodass meine Stimme in dem dunklen Gang vor uns leicht nachhallte. "Sonst ende ich nachher wie die Maulende Myrte oder so ... Ich würde in diesen Gängen doch keine drei Tage lang alleine überleben", fügte ich theatralisch und diesmal etwas leiser hinzu. Das würde nur damit enden, dass ich für immer hier feststeckte. Nicht einmal Schüler erschrecken könnte ich hier, weil außer Alice und mir (oder eher nur Alice, immerhin war dieser Umweg auf ihrem Mist gewachsen) niemand auf die Idee kam, durch diese vereinsamten Gänge zu laufen.

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Re: Vergangenheitsplay » 17
von Lexie am 14.10.2018 19:14"Ja, schon ...", erwiderte ich auf Alice' Worte hin, seufzte dann aber erneut. "Aber es ist Chester." Das hörte sich ein bisschen so an, als würde ich hier nicht über einen sehr guten Freund, sondern über irgendein Alien sprechen, das nicht so dachte wie wir. Ich schüttelte den Kopf und ruderte zurück: "Ich meine, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es bei ihm auch so sein könnte. Zumindest war das bis jetzt noch nie so, und bei mir ... na ja, schon öfter mal." Chester war nicht der erste Freund, für den ich plötzlich anfing Gefühle zu hegen. Bei ihm waren es vielleicht bisher die stärksten, aber es gab bisher schon ein paar Freundschaften, die deswegen hatten leiden müssen. Und die arme Alice hatte sich mein Rumgeheule darüber die ganzen letzten Jahre über anhören müssen.
"Wenn ich vom Himmel gefallen wäre, hätte ich es wahrscheinlich noch geschafft dabei im See zu landen oder so.", erwiderte ich und musste bei der Vorstellung kichern. Bei ihren nächsten Worten schnaubte ich nur. "Das ist leichter gesagt als getan. Das ist ungefähr das gleiche, als wenn du mir sagen würdest, dass einfaches Gradeauslaufen ohne zu stolpern doch gar nicht so schwierig ist. Unmöglich."
Alice stupste mich an, wodurch ich meinen grade gefunden Gehrhythmus verlor und wieder einmal über meine eigenen Füße stolperte. Da ich mich an ihrem Arm festhielt gerieten wir beide ins Straucheln, allerdings war das auch der Grund dafür, dass ich nicht der Nase lang hinfiel. Als ich mich wieder einigermaßen sicher auf meinen Beinen fühlte (obwohl das bei mir ja nie so ganz der Fall war) begann ich laut zu lachen und hörte, wie Alice in mein Gelächter einstimmte. Manchmal fragte ich mich in solchen Momenten, was wohl die Lehrer von uns denken würden, wenn sie uns jetzt lautstark lachend in diesem dunklen Kerkergang antreffen würden. Nach sechs bereits vergagenen Jahren in Hogwarts wahrscheinlich nicht mehr allzu viel neues.
"Oh ja, ich erinnere mich. Obwohl es nicht einmal das schlimmste Outfit war, dass ich je bei einem anderen Schüler gesehen habe.", antwortete ich, etwas atemlos durch den ungeplanten Lachanfall. Alice hatte mit dem orangenen Wollpulli ausgesehen wie eine Karotte auf zwei Beinen, was aber vorallem daran lag, dass der Pulli ihr etwas zu groß gewesen war.
"Ungefähr das gleiche wie Lexie mit einem gesunden Gleichgewichtssinn.", erwiderte ich mit meinen gewöhnlichen breiten Grinsen auf dem Gesicht. Sie hatte ja Recht, das hatte sie ja eigentlich immer. Trotzdem hielt ich es nicht für falsch, Chester erst einmal aus dem Weg zu gehen um diese Gefühle wieder loszuwerden. Immerhin wollte ich nicht, dass ich unsere Freundschaft damit irgendwie komplizierter machte, als sie sein müsste. Wir waren ja auch nicht im gleichen Haus, da würde es hoffentlich gar nicht so auffallen, dass ich ihm aus dem Weg ging ...
"Irgendwann spuken wir noch gemeinsam hier im Schloss und erschrecken die Erstklässler, die sich hier unten verirren, während wir hier unsere Geister-Teeparties veranstalten ..." Der Gedanke brachte mich wieder zum Lachen. Ich war immer schon ein sehr fröhlicher Mensch gewesen und so gut wie immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht anzutreffen, aber es gab keine Person mit der ich so viel lachte wie mit Alice. Für nichts in der Welt würde ich meine beste Freundin je wieder hergeben.
Verwirrt sah ich vom dunklen Gang, den ich angepeilt hatte, wieder zu Alice und zuckte dann mit den Schultern. "Bitte lass mich niemals alleine durch diese Gänge irren ...", beklagte ich mich mit einem Seufzen und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Eigentlich sollte ich mich ja nach sechs Jahren langsam mal zurecht finden, aber ich fürchte dass ich soweit niemals kommen werde ...", fügte ich hinzu und ließ mich von Alice in die offensichtlich richtige Richtung ziehen. Ich hatte nicht einmal eine Ahnung, wie weit es von hier aus noch zu unseren Gemeinschaftsräumen war. Wir hätten uns auch schon längst in den Gemäuern unter dem See befinden können, ich hätte es nicht gemerkt.

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Re: Vergangenheitsplay » 17
von Lexie am 08.10.2018 21:53Über die Anspielung auf ihre Größe musste ich kurz lachen, allerdings setzte ich dann schnell wieder einen ernsten Gesichtsausdruck auf. Naja, ich versuchte es zumindest. In Wahrheit zuckten meine Lippen durchgängig, weil ich mir bei Alice' Worten ein breites Lächeln verkneifen musste. "Chester kennt mich schon fast so lange wie du. Ich glaube nicht, dass das für ihn etwas Besonderes war. Ich meine ... ich hab ihn schon zu seltsameren Sachen gezwungen.", entgegnete ich und seufzte. Chester starrten die Mädchen alle reihenweise hinterher. Warum sollte er nach all den Jahren also auf einmal etwas anderes als Freundschaft für mich empfinden, wenn er quasi jedes Mädchen in der Schule haben konnte.
Bei Alice' nächsten Worten verdrehte ich die Augen. "Du tust ja so, als ob ich vom Himmel gefallen wäre", antwortete ich und schüttelte den Kopf. "Dabei würden genug Mädchen in dieser Schule töten, um mal einen Tag mit dir zu tauschen. Mal abgesehen davon, dass du bei den Jungs auch sehr viel erfolgreicher bist als ich." Was eventuell auch daran lag, dass Alice normal mit ihnen sprechen konnte, während mein dummes Gehirn mich in eine kichernde Zwölfjährige verwandelte, sobald ich einen Anflug von Gefühlen für mein Gegenüber hegte. Das beste Beispiel dafür war ja die Sache mit Chester.
Mein Erinnerungsvermögen war so eine Sache. Ich hatte ein fotografischen Gedächtnis, was mir oft genug zu meinen guten Noten verhalf, aber es leistete irgendwie nur halbe Arbeit - auch wenn das zum Großteil meine Schuld war. Ich konnte die Situation im Zug wie einen Film vor meinen Augen abspielen, aber ich hatte keine Ahnung, was für einen Mist ich vor mich hingestottert hatte, weil ich viel zu konzentriert auf Chester gewesen war. Alice kannte diese kleine Panne meinerseits auch schon gut genug; ich hatte oft verpeilt, meine Aufmerksamkeit (kurz bevor sie zusammen gekommen waren) auf Emrys zu richten, um ihr nachher detailliert zu erzählen, was er seinen Freunden über sie erzählte. Mittlerweile versuchte ich ein wenig mehr auf solche Dinge zu achten, aber in diesem Abteil hatte meine Aufmerksamkeit eben nur auf Chester gelegen.
"Ich weiß ja nicht ...", murmelte ich und seufzte wieder. Alice' Plan hörte sich vielversprechend an, aber ich würde es früher oder später ohnehin vermasseln. Was, wenn Chester nichts weiter außer Freundschaft für mich übrig hatte und ich ihn damit total vor den Kopf stieß? "Ich würde ihm lieber aus dem Weg gehen, bis sich diese Unruhe in mir endlich mal legt ...", gab ich dann zu und sah sie von der Seite aus an. Ja, ich war ein kleiner Feigling. Aber vielleicht rannte ich ja demnächst einem dieser neuen Austauschschüler über den Weg, verliebte mich und konnte meine Freundschaft mit Chester fortführen, ohne sie durch unerwiderte Gefühle zu belasten?
"Wir könnten auch einen Pakt schließen, dass wir uns von gewissen Hufflepuffs fernhalten", schlug ich zögerlich vor und grinste Alice leicht an. "Und uns dazu noch versprechen, uns gegenseitig aus Situationen zu retten, falls wir doch mal auf sie treffen sollten." Chester für eine Weile aus dem Weg zu gehen schien für mich wirklich die beste Lösung zu sein. Vielleicht nicht die einfachste (für mich), aber mit Sicherheit die wirksamste. Wie ein kalter Entzug. Nur dass das bei Menschen vermutlich nicht das gleiche war ...
Lächelnd seufzte ich. "Ja, ich erinnere mich", meinte ich und konnte wirklich vor meinen Augen zwei sehr viel jüngere Version von uns sehen, die zusammen in einem leeren Klassenzimmer saßen und darüber fantasierten, wie toll es wohl wäre, endlich volljährig zu sein. Das war am Anfang des zweiten Schuljahrs gewesen, kurz nach den Sommerferien, und wir hatten uns darüber geärgert, dass wir Zuhause nicht selbst zaubern durften, solange wir die Spur auf uns hatten. Heute würde ich die Spur liebend gerne wieder zurück nehmen, wenn ich dafür die ganzen Probleme los wäre, die ich mit 11 Jahren noch nicht gehabt hatte.
Ein freches Grinsen schlich sich auf mein Gesicht. "Obwohl du dich ja in den letzten Jahren zumindest von der Größte her kaum verändert hast", fügte ich hinzu und streckte ihr neckend die Zunge heraus.
"Manchmal will ich es eintauschen und wie ein Gefühlsklotz durch die Gegend laufen, aber an anderen Tagen würde ich mich für den bloßen Gedanken selbst auslachen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was heute für ein Tag ist", antwortete ich nachdenklich, dann schüttelte ich den Kopf. "Es wird irgendwann ohnehin damit enden, dass wir irgendwann zu zweit in einer Wohnung mit ganz vielen Katzen wohnen. Oder zusammen im Altersheim sitzen, und die ganzen anderen Leute mit Kuchen bewerfen." Der Gedanke brachte mich zum Lachen. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich mal wieder keine Ahnung hatte, wo wir uns mittlerweile befanden. Im Dunkeln sahen diese Kerkergänge alle gleich aus, und da wir noch nicht einmal den normalen Weg gegangen waren hatte ich die Orientierung komplett verloren. Ich vertraute darauf, dass Alice schon wusste, wohin wir gingen. Wenn ich ohne sie hier wäre würde ich vermutlich niemals den Weg in meinen Schlafsaal finden ...

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Re: Vergangenheitsplay » 17
von Lexie am 07.10.2018 16:15"Versichern kann ich dir das nicht. Wenn du den Trank selbst braust muss ich wohl auf dein Talent in Zaubertränke vertrauen.", antwortete ich kichernd, dann seufzte ich nochmals dramatisch. "Vielleicht bin ich auch ein so hoffnungsloser Fall, dass mir nicht einmal mehr der Glückstrank helfen kann?"
Joggen und dann der Eisbecher? Ich seufzte. "Aber wenn ich nach einer Runde um den See diesen riesigen Eisbecher verdrücke bekomme ich ein schlechtes Gewissen ... Weil das Joggen dann ja fast umsonst war. Aber wenn ich gar nicht erst los gehe ..." Ich zuckte mit den Schultern. "Das macht vielleicht nicht unbedingt Sinn, aber für mich ist das logisch. Lexie-Logik.", fügte ich mit einem leisen Kichern hinzu.
Ihr Interesse an dem Händchen-Halten mit Chester winkte ich nur mit einer kurzen Handbewegung ab. "So spektakulär war das nicht. Naja, für ihn nicht.", ergänzte ich. "Ich habe ihn zu meinem 'Fliegen im Zug' gezwungen, und er ist dann nach seinem ersten Versuch aufgestanden und hat sich neben mich gesetzt und meine Hand gehalten ... Wegen des Fliegens, natürlich." Alice kannte mich besser als sonst jemand in diesem riesigen Schloss, und sie hatte mich schon oft genug dabei beobachten können, wie ich im Zug die Augen schloss und mir vorstellte, stattdessen zu fliegen. Zumindest war dieses Gefühl das Nächste, was ans Fliegen heran kam, was für eine Person wie mich (die schon über ihre eigenen Füße stolperte) möglich war. Das mit dem Fliegen auf einem Besen hatte ich versucht, aber da war ich schon oft genug durch eine Schusseligkeit runter gepurzelt.
Hatte ich etwas Peinliches gestammelt? Genau daran erinnern konnte ich mich nicht mehr, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt gewesen war, von Chesters Schoß aufzuspringen. Aber wir sprachen hier von mir, von daher ... "Ich, ähm ... nein", antwortete ich peinlich berührt und mied ihren Blick. Da wir grade um die nächste Ecke bogen, musste ich mich sowieso darauf achten meine Füße richtig voreinander zu setzen.
Ein kleiner Spaziergang nach dem Abendessen war vermutlich wirklich nicht die schlechteste Idee. Professor Slughorn liebte es, uns jedes mal mit dem riesigen Buffett zu verwöhnen. "Ich tue das, aber nur dir gegenüber", erwiderte ich seufzend und tätschelte besänftigend ihre Schulter. "Scheint so als hätten wir zwei Möglichkeiten: Entweder ich rede dir jetzt ein, dass es keinen Sinn macht, dem Problem länger aus dem Weg zu gehen oder ... ich unterstütze dich dabei und warte mit dir, dass Gras über die Sache wächst. Mir gefällt Letzteres eindeutig besser ... vorallem weil ich momentan auch nicht der größte Freund der Hufflepuffs bin ...", nuschelte ich und zuckte mit den Schultern, bevor ich Alice anlächelte. Letztes Jahr war alles noch so viel einfacher gewesen. Wie hatten wir es geschafft gleichzeitig in so einem Schlamassel zu landen?
"Hm", machte ich nachdenklich. Die Fähigkeit mich zu verlieben wollte ich auf gar keinen Fall verlieren. Irgendwann einmal, in ein paar Jahren vielleicht, wollte ich das komplette Paket haben, von dem kleine Mädchenherzen höher schlugen: Mann, Heirat, Kinder. Ganz viele Kinder. Aber wenn ich wegen so einer dämlichen Schwärmerei diese Zukunft aufs Spiel setzte ... "Mir würde es auch reichen, wenn es zeitlich begrenzt wäre. Ein Jahr wäre genug." Danach würde ich ihn vermutlich nicht mehr wiedersehen. Oder doch, bei unserem geplanten Campingsausflug. Sofern der denn stattfinden würde. "Oder sagen wir bis zum Ende der nächsten Sommerferien ...", fügte ich hinzu. Was Chester nach der Schule plante wusste ich nicht, aber wenn er es mit dem Ausflug ans Meer ernst gemeint hatte wäre ich auf jeden Fall dabei. Wobei es natürlich hilfreicher war, wenn ich dann nicht jedes Mal Herzrasen bekommen würde, wenn er ausversehen meine Hand streifte ...

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Re: Vergangenheitsplay » 17
von Lexie am 06.10.2018 23:32Mit meinem typischen unmotivierten Gesichtsausdruck - den sie mittlerweile in- und auswendig kennen müsste, weil ich ihn jedes Mal aufsetzte, wenn sie das Thema 'Sport' erwähnte - sah ich sie von der Seite an, bevor ich mit einem Seufzen sagte: "Wenn du mir ein Fläschen Felix Felicis besorgst, damit ich nicht wieder über jedes einzelne Steinchen auf dem Weg stolpere ... dann komme ich gerne mal wieder mit. Aber für die Allgemeinheit ist es vermutlich besser, wenn ich mir so einen Eisbecher besorge und mich damit in meinen Schlafsaal verziehe ..." Mit einem seeligen Grinsen richtete ich meinen Blick von Alice ab und stattdessen auf den Gang vor uns, um nicht womöglich schon wieder über meine Füße zu stolpern. Woher sie die Motivation nahm eine ganze Runde um diesen riesigen See zu laufen, blieb mir ohnehin ein Rätsel. Selbst wenn ich nicht zwei linke Füße hätte, würde ich meinem Bett jeglicher Art von Sport immer vorziehen. Vielleicht konnte ich ja Alice dazu überreden, statt ihrer Joggingrunde mit mir in der Küche ein paar Eisbecher abzuholen ... die Hauselfen lasen einem doch jeden Wunsch von den Augen ab ...
Ich war mir nicht ganz sicher, ob Alice grade wirklich der Überzeugung war, dass ich mich nicht wie eine Idiotin aufgeführt hatte, oder ob sie grade versuchte ihrem Job als Beste Freundin alle Ehre zu machen und versuchte, mich zu beschwichtigen. "Ich bin auf ihn drauf gefallen", antwortete ich kleinlaut und spürte, wie mir die Röte in die Wangen schoss. Beim Grund für Alice' Beruhigungsversuch tippte ich jetzt auf die zweite Variante. "Ich wollte nur was aus meinem Koffer holen ... also, ich bin eher etwas geflüchtet, weil er meine Hand gehalten hat und ..." Ich bemerkte selbst, dass sich mein Sprachtempo mindestens verdoppelt hatte und musste mich selbst unterbrechen, um einmal Luft zu holen. "- jedenfalls hat der Zug in dem Moment ... keine Ahnung, was das war, aber der Zug hat in dem Moment geruckelt, und da bin ich gefallen ... auf Chester."
Wieder schüttelte ich den Kopf und sah Alice peinlich berührt an. "Und jetzt sag mir nicht, dass ich mich damit nicht komplett zum blamiert habe. Es kommt mir vor, als hätte sich mein Gleichgewichtssinn komplett von mir verabschiedet, seit diese ganze Sache mit ihm angefangen hat"
Meinem frustrierten Stöhnen folgte eine kurze, aber sehr gespenstische Stille im Gang. Jetzt erst bemerkte ich, dass wir einen anderen Weg eingeschlagen hatten, ohne dass ich etwas davon mitbekommen hatte. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich Alice an. "Du willst wirklich lieber einen kompletten Umweg nehmen, anstatt da her zu laufen, obwohl es sowieso schon viel zu spät ist, um noch irgendjemanden zu treffen?", fragte ich verwundert, machte aber keine Anstalten sie zum Umdrehen zu bewegen. Nicht, dass ich darauf bestanden hätte einen anderen Weg einzuschlagen, aber wenn Alice das sowieso wollte würde ich mich nicht beschweren. Meinetwegen konnten wir gerne einen weiten Bogen um den Gemeinschaftsraum des anderen Hauses machen ... "Hast du noch nicht mit ihm gesprochen?", hakte ich fragend nach. Als sie mir von der Trennung erzählt hatte war ich überrascht gewesen; damit gerechnet hatte ich nicht, aber ich war natürlich ohne lästiges Nachfragen sofort auf ihrer Seite gewesen. Aber da die Schule grade erst wieder richtig losgegangen war, hatten wir kaum richtig Zeit gehabt, um über alles zu reden.
"Vielleicht müssen wir ihn ja ein bisschen mit Feuerwhiskey abfüllen, damit er uns das erzählt", überlegte ich laut. "Ich meine, es es gab immerhin auch schon jemanden, der einen Liebestrank erfunden hat, dann wir es den passenden Gegentrank dafür ja wohl auch geben." Meine Überlegung fand ich plausibel. Bestimmt kannte Slughorn wirklich das Rezept für so einen Trank, aber aus irgendeinem Grund durften - oder wollten - die Lehrer uns das nicht beibringen. Obwohl ich mich dann doch fragte, was an dem Trank so viel schlimmer war als an dem 'Trank der lebenden Toten' ...

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