Vergangenheitsplay » 25
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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 14.01.2019 00:01Ich runzelte die Stirn, als er Alice erwähnte. "Ja", erwiderte ich - meine Stimme klang patzig, weil er immer noch meinen Becher von mir weg hielt. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, dem sein Lieblingsspielzeug weggenommen wurde. Warum wollte er sich so vergewissern, dass ich mit Alice hier war? Damit jemand da war, der mich später in den Schlafsaal brachte, damit er mich nicht mit schlechtem Gewissen alleine ließ? Wie eine Revanche für die Party am See, wo ich - "wir" - ihn zurück in den Schlafsaal gebracht hatte?
Ich presste unzufrieden die Lippen zusammen, als er den Becher schon wieder von mir wegzog. "Traust du mir nicht zu, dass ich einen Becher alleine durch einen Raum trage?", lachte ich und schüttelte den Kopf. "Ja, tatsächlich gibt es Mädchen, die sich den Becher teilen. Vier Augen passen besser auf, dass dir nicht irgendetwas in den Trank gemischt wird. Aber was interessiert es dich überhaupt?" Ich versuchte wieder, nach dem Becher in seiner Hand zu greifen. Erfolglos.
"Bist du denn nicht mit Freunden hier? Ich wette, die vermissen dich. Bring ihnen doch den Becher mit, dann bringe ich Alice einen neuen mit." Ich wandte mich dem Tisch mit dem Getränken zu, um mir einen neuen Becher zu schnappen. Konnte er nicht einfach wieder gehen und das tun, was er die letzten Wochen auch getan hatte? Wenn ich noch länger in sein Gesicht sehen musste, würde ich vermutlich nicht mehr damit aufhören können und damit rausplatzen, was ich ihm verheimlichte ....

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Chester am 13.01.2019 23:42

Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 13.01.2019 13:16Ich konnte gar nicht schnell genug gucken, da hatte Chester mir schon meinen Becher weggenommen. "Hey!", protestierte ich und schnappte danach, aber er hielt ihn mit seinem langen Arm so weit weg, dass ich ihn nicht erreichen konnte. Meine Augenbrauen zogen sich verärgert zusammen, aber ich setzte fast augenblicklich wieder einen neutralen Gesichtsausdruck auf und verschränkte stattdessen die Arme vor der Brust. Ich wollte ihm irgendein Kommentar an den Kopf hauen, irgendetwas in der Richtung, dass er der letzte war, der mir vorzuschreiben hatte, wie viel ich trinken durfte. Aber dann zuckte ich bei seinen Worten leicht zusammen, weil sich vor meinen Augen wieder die Szene abspielte, in der Chester sich mit dem anderen Jungen am Boden rangelte und der Gedanke sich in meinem Kopf ausbreitete, warum es überhaupt soweit gekommen war. Ich schluckte und suchte fieberhaft nach etwas, das ich sagen konnte, ohne zu viel von dem preis zu geben, was ich die letzten Wochen über vor ihm geheim gehalten hatte. Ich schluckte. "Ich würde niemals eine Schlägerei anfangen", antwortete ich lahm und starrte auf meinen Becher in seiner Hand. Mein Herz zog sich ein bisschen zusammen, als ich bemerkte, dass ich nach Worten suchte die ihn verletzen würden, damit er mich wieder alleine ließ. Damit er sich von mir entfernte und diesen unheimliche Nebel mitnahm, der langsam begann mir wirklich Angst zu machen. Ich merkte, wie er mir näher kam und trat automatisch einen kleinen Stück nach hinten, wodurch ich eine Person hinter mir anrempelte. Erschrocken drehte ich mich um, entschuldigte mich schnell und sah Chester dann für einen kurzen Moment in die Augen. "Wenn du mir ... bitte meinen Becher wieder geben könntest? Ich wollte nämlich eigentlich etwas zu trinken holen, für, äh, Alice und mich. Und sie wartet dahinten auf mich." Ich deutete zur Menschenmasse hinter ihm, in der er Alice niemals erkennen würde, weil sie von den ganzen anderen Schülern überragt wurde. "Also dann ..." Ich schluckte kurz, hielt ihm meine Hand hin, damit er mir meinen Becher wieder gab und setzte mein bestes Fake-Lächeln auf.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Chester am 12.01.2019 21:58

Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 08.01.2019 22:33Ich nippte nur gedankenverloren an meinem Becher und starrte ein paar Leute auf der Tanzfläche an, als mich wieder dieses merkwürdige Gefühl überkam, das ich mittlerweile nur allzu gut kannte. Ich musste gar nicht aufsehen, um zu wissen, wer da neben mir stand. Mein Herz zog sich ein schmerzhaft zusammen, aber ich setzte ein Lächeln auf. "Hi", erwiderte ich und wandte meinen Blick beinahe sofort von seinem Gesicht ab, weil dieser merkwürdige Nebel wieder um ihn herum schwirrte. Ein sehr großer Teil von mir hatte so darauf gehofft, dass Chester irgendwann einfach auf mich zukommen würde, aber jetzt schnürte seine Anwesenheit mir nur wieder die Luft ab, genauso wie das letzte Mal, als ich ein wirkliches Gespräch mit ihm geführt hatte.
Ohne groß darüber nachzudenken hob ich meinen fast noch vollen Becher mit Feuerwhiskey und leerte ihn innerhalb von ein paar Sekunden. Der Alkohol brannte sich den Weg durch meine Speiseröhre und hinterließ ein Kratzen in meinem Hals. Ich konnte mich jetzt nicht auf dem Absatz umdrehen und verschwinden, so wie ich es in letzter Zeit häufig gemacht hatte, also griff ich stattdessen nach einer der Flaschen auf dem Tisch und füllte meinen Becher wieder auf. "Gute Party, oder?", fragte ich, ohne ihn anzusehen und hob demonstrativ meinen Becher einmal in die Höhe. Dieses Gespräch wollte ich so kurz wie möglich halten - hoffentlich wollte er sich nur versichern, dass ich noch mit ihm sprach. Was ich ja noch tat, irgendwie ...

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Chester am 08.01.2019 21:56

Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 07.01.2019 23:55Ich hatte mir in den letzten Wochen nichts sehnlicher gewünscht, als zu vergessen. Mein blödes Gedächtnis abzuschalten, von vorne anzufangen. Normalerweise war ich sehr dankbar für mein fotografisches Gedächtnis - immerhin konnte ich mir so einige Stunden intensives Lernen ersparen -, aber im Bezug auf Chester war es ein Fluch. Ich erinnerte mich an jedes winzige Gefühl, das ich an dem Abend gehabt hatte, jedes Wort, dass über seine Lippen gekommen war. Ich wünschte mir fast schon, dass er mich an dem Abend wenigstens geküsst hatte, dann hätte ich wenigstens die Erinnerung gehabt, an die ich mich klammern konnte - aber irgendetwas sagte mir, dass das es vermutlich nur noch schlimmer machen würde.
Selbst die letzten Wochen hatte ich ohne Alice und mindestens 10 Kilo Eiscreme kaum überstanden, wie sollte das bis zu unserem Abschluss funktionieren? Wenn ich bis dahin noch in meinen Schulumhang passen wollte, müsste ich mir so langsam mal eine andere Alternative überlegen.
Dazu kam, dass ich in letzter Zeit seltsame Träume hatte. Nicht nur Nachts, sondern auch tagsüber, wenn ich im Unterricht ein bisschen vor mich hin döste und meine Augen fest auf Chesters Rücken richtete, weil das der einzige Moment war, in dem ich mir gestattete ihn anzustarren - im Unterricht, wenn er vor mir saß und alle anderen dachten, dass ich bloß dem Unterricht folgte. Dann fing mein Kopf an, ihn in seltsamen dunklen Nebel zu packen und vor meinen Augen merkwürdige Bilder abzuspielen, die für mich keinen Sinn ergaben. Zuerst hatte ich es für dumme Fantasien gehalten, aber da mir dabei meisten furchtbar übel wurde und ich einmal Angst hatte, mich auf Professor Flitwick zu übergeben, hatte ich doch irgendwann den Krankenflügel aufgesucht. Von meinem Liebeskummer hatte ich natürlich nichts erzählt, deshalb bekam ich nur etwas gegen die Übelkeit. Der seltsame Nebel um Chester herum blieb und löste in mir ein ganz merkwürdiges, unwohles Gefühl aus. Ein Grund für mich, ihm aus dem Weg zu gehen, obwohl das nicht mal der Hauptgrund war.
An diesem Abend fand wieder eine der Parties statt, für die Hogwarts indirekt so berühmt war (unter den Schülern zumindest). Ein leerstehendes Klassenzimmer war magisch vergrößert zur Tanzfläche samt Bar umgewandelt worden, während ein Zauberspruch auf dem Flur vor Lehrern warnte und den Raum vor ihren Augen tarnte. Alice hatte mich etwas überreden müssen, auf die Party zu gehen. Eigentlich willigte ich nur ein, weil sie sich schon seit Wochen mein Geheule anhören musste - wir hatten zwar geschworen, später zusammen ein magisches Altersheim auf den Kopf zu stellen, aber das war keine Garantie dafür, dass ich ihr nicht doch irgendwann zu sehr auf den Keks ging und sie sich nettere Freunde suchte.
Wir hatten heute sogar unsere Kleidung getauscht; naja, ich trug ein Kleid, dass Alice von irgendeinem Verwandten geschickt bekommen hatte und dass ihr mindestens zwei Nummern zu groß war, während sie einen Pullover von mir als Kleid umfunktioniert hatte. Sie schleppte mich auf die Tanzfläche, aber ich bedeutete ihr mit einer Bewegung, dass ich lieber erst etwas zu trinken brauchte. Sie verdrehte die Augen, ließ mich aber abziehen. Ohne Alkohol würde ich mit vermutlich auch sofort wieder in meinen Schlafsaal verziehen ...

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Chester am 07.01.2019 23:34*Zeitsprung*
Die letzten Wochen waren trostlos gewesen. Die Tage wurden immer kürzer und kälter, ich war so ernüchtert wie noch nie. Lexie sah ich irgendwie nur noch sehr selten, wobei ich nicht sicher war, ob das beabsichtigt war oder nur ein Zufall... Ich stürzte mich ein bisschen sehr in die Schularbeit und entschuldigte mich aufrichtig bei Sam und seiner Freundin. Ich hätte den Vorfall vermutlich schon längst wieder vergessen, genau wie alle anderen. Doch das mit Lexie ließ mich einfach nicht los. Ich wollte nichts sehnlicher haben als einen Zeitumkehrer um das alles irgendwie verhindern zu können... Aber das war wohl einfach nicht möglich...

Re: Vergangenheitsplay » 25
von Lexie am 07.01.2019 22:44Zu sehen, wie Chester versuchte sich den gestrigen Abend doch noch irgendwie zu rekonztruieren, wäre beinahe lustig gewesen, wenn da nicht dieses drückende Gefühl in meiner Brust wäre. Normalerweise hatte ich nie ein Problem damit, meine Emotionen anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringe. Ich war dafür bekannt, immer mit einem Lächeln auf den Lippen angetroffen zu werden. Aber jetzt vor Chester alle meine Emotionen zu verbergen und ihn anzulächeln, während mir eigentlich nach Heulen zumute war, das war schwer. Ich hatte mich schon lange nicht mehr vor irgendjemandem verbiegen und meine Gefühle verstecken müssen. Nicht mehr, seit ich klein war und das mit meiner Schwester passiert war ...
"Richte ich ihr aus", erwiderte ich und versuchte, weder in seine Augen, noch auf seine Lippen zu starren. Merlin, ich kam mir echt erbärmlich vor, aber ich konnte nicht einfach über meine Schatten springen und das alles vergessen. Dafür hatte Chester schon ein viel zu großes Stück meines Herzens für sich eingenommen. "Apropos Alice ... ich, ähm, hab sie eigentlich gesucht ... sie, ähm, sie wollte etwas wegen Zaubertränke nachfragen, aber ich befürchte, dass ich sie verpasst habe, alsoo ...", sponn ich mir zusammen, nur um möglichst schnell hier wegzukommen. Chesters Worte hatten die Sonne untergehen lassen und seine Anwesenheit schnürte mir die Luft ab. "Wir, ähm, wir sehen uns beim Essen, ja?", sagte ich, hob kurz die Hand und winkte ungeschickt, um mich dann auf dem Absatz umzudrehen und wieder in die Richtung zu verschwinden, aus der ich gekommen war. Naja, nicht ganz. Diesmal steuerte ich eher den Gryffindorturm an, um meine beste Freundin aus ihrem Bett zu schmeißen und ihr von meinem verpatzten Beinahe-Kuss zu berichten, während mir ein paar winzige Tränchen über die Wangen liefen.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
von Chester am 07.01.2019 22:32


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