Vergangenheitsplay » 25
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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/07/2019 08:44 PM- Der Tag danach -

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/07/2019 09:07 PMZum mindestens zehnten Mal zupfte ich an dem langen geflochtenen Zopf, der über meiner Schulter hing. Normalerweise hatte ich morgens nie die Motivation, meine Lockenpracht irgendwie zu flechten, weil es mich schon genug Nerven kostete sie zu bändigen, um nicht wie ein geplatztes Sofakissen auszusehen. Heute allerdings nicht. Heute morgen war ich zur Abwechslung einmal sofort aus dem Bett gesprungen, um meinen Kleiderschrank zu durchsuchen. Die Erinnerungen an die Party gestern Abend beflügelten mich regelrecht. Gut, nicht der Teil mit der Schlägerei, an der ich ja mehr oder weniger Schuld gewesen war (je nachdem, wie man es betrachtete), aber alles andere, was danach kam. Chesters Worte schwirrten mir immer noch im Kopf herum, als hätten sie sich dort irgendwo eingenistet und Wurzeln geschlagen.
Kein Wunder also, dass meine Füße mich ganz von alleine bis in den Keller trugen, obwohl heute kein Unterricht statt fand. Ich hatte mich doch tatsächlich überwunden und mich in ein Kleid gequetscht, für das es draußen schon fast ein bisschen zu kalt war. Da es aber zu meinem liebsten Kleidungstücken gehörte und ich nur hier war, um mir das abzuholen, was er mir versprochen hatte, spielte das für mich keine Rolle. Ich würde heute sowieso nichts anderes mehr machen, als wie eine Klette an Chester zu kleben. Vielleicht würde ich später Alice suchen, wenn ich mich überwinden konnte, seine Hand wieder los zu lassen. Immerhin musste ich ihr noch erzählen, dass sie mit ihren Vermutungen doch nicht falsch gelegen hatte.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/07/2019 09:22 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/07/2019 09:51 PMIch musste gar nicht allzu lange warten und gegenüber ein paar jüngeren Schülern so tun, als würde ich nicht wie ein Stalker vor ihrem Gemeinschaftsraum lungern, als Chester auch schon durch die Tür trat. Auf meinem Gesicht breitete sich automatisch ein Lächeln aus, aber nicht mein normales Lexie-Lächeln, sondern ein ganz besonderes, strahlendes, das nur Chester auslösen konnte. Als würde in mir die Sonne aufgehen, wenn ich ihn sah.
"Hey", begrüßte ich ihn freudig und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die mir in die Stirn fiel. Na super, die ganze Arbeit und schon lösten sich die ersten Strähnen. Vielleicht sollte ich den Zopf doch lieber direkt lösen ...
Mein Gedankengang wurde allerdings ünterbrochen, als Chesters Worte mein Herz augenblicklich schneller schlagen ließen. Er hatte mich gesucht. "Ach ja?", fragte ich mit dem gleichen, strahlenden Lächeln, und ging näher auf ihn zu. Dabei versuchte ich, nicht allzu offensichtlich auszusehen, während ich versuchte, jetzt nicht über meine eigenen Füße zu stolpern. Ich würde gleich zum ersten Mal Chester küssen, und dieser Moment sollte nicht für immer damit versaut werden, dass ich mir ein paar Sekunden davor das Knie aufgeschlagen hatte oder so. Über diesen Moment fantasierte ich schon seit Monaten, und jetzt, jetzt war er da.
Und dann, dann war es wieder seine Stimme, die meine Gedanken unterbracht. Aber diesmal lösten seine Worte ein ganz dumpfes Gefühl in mir aus. Kälte breitete sich da aus, wo eben noch die Sonne aufgegangen war. Fragte er mich das grade ernsthaft? All das, was gestern Abend passiert war ... und er hatte nach der Schlägerei nichts mehr behalten. Nichts.
Mein Lächeln war mittlerweile verschwunden, aber nur für einen kurzen Moment. Ich versuchte, ein halbwegs überzeugendes Grinsen aufzusetzen, als würde mich der Gedanke an gestern Abend amüsieren, anstatt mir einen Stich zu versetzen.
"Oh ja, hast du" Jetzt war ich diejenige, die sich räuspern musste. Meine Stimme klang tonlos, aber besser als der triefende Klang nach Enttäuschung. Vielleicht hatte ich mir das alles ja doch nur eingebildet. Vielleicht hatte er das alles ja nur gesagt, weil er so betrunken war. Er hatte gestern die Freundin von einem Jungen angemacht und ihn dann angegriffen; das war etwas, was Chester niemals tun würde. Also vielleicht gehörten ja noch mehr Sachen auf die Liste mit den Dingen, die er niemals tun oder sagen würde? "Ich - ... wir haben dich ins Schloss zurück gebracht. Alice und ich. Damit du nicht im See ertrinkst, weißt du." Ich zwang mich wieder zu einem Grinsen. Die Lüge ging mir glatt über die Lippen - das erste Mal in meinem Leben, dass ich froh darüber war, dass meine Eltern meinem Bruder und mir schon früh eingetrichtert hatten, dass die Wahrheit nicht immer das beste war, was man einer Person sagen konnte.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/07/2019 10:32 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/07/2019 10:44 PMZu sehen, wie Chester versuchte sich den gestrigen Abend doch noch irgendwie zu rekonztruieren, wäre beinahe lustig gewesen, wenn da nicht dieses drückende Gefühl in meiner Brust wäre. Normalerweise hatte ich nie ein Problem damit, meine Emotionen anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringe. Ich war dafür bekannt, immer mit einem Lächeln auf den Lippen angetroffen zu werden. Aber jetzt vor Chester alle meine Emotionen zu verbergen und ihn anzulächeln, während mir eigentlich nach Heulen zumute war, das war schwer. Ich hatte mich schon lange nicht mehr vor irgendjemandem verbiegen und meine Gefühle verstecken müssen. Nicht mehr, seit ich klein war und das mit meiner Schwester passiert war ...
"Richte ich ihr aus", erwiderte ich und versuchte, weder in seine Augen, noch auf seine Lippen zu starren. Merlin, ich kam mir echt erbärmlich vor, aber ich konnte nicht einfach über meine Schatten springen und das alles vergessen. Dafür hatte Chester schon ein viel zu großes Stück meines Herzens für sich eingenommen. "Apropos Alice ... ich, ähm, hab sie eigentlich gesucht ... sie, ähm, sie wollte etwas wegen Zaubertränke nachfragen, aber ich befürchte, dass ich sie verpasst habe, alsoo ...", sponn ich mir zusammen, nur um möglichst schnell hier wegzukommen. Chesters Worte hatten die Sonne untergehen lassen und seine Anwesenheit schnürte mir die Luft ab. "Wir, ähm, wir sehen uns beim Essen, ja?", sagte ich, hob kurz die Hand und winkte ungeschickt, um mich dann auf dem Absatz umzudrehen und wieder in die Richtung zu verschwinden, aus der ich gekommen war. Naja, nicht ganz. Diesmal steuerte ich eher den Gryffindorturm an, um meine beste Freundin aus ihrem Bett zu schmeißen und ihr von meinem verpatzten Beinahe-Kuss zu berichten, während mir ein paar winzige Tränchen über die Wangen liefen.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/07/2019 11:34 PM*Zeitsprung*
Die letzten Wochen waren trostlos gewesen. Die Tage wurden immer kürzer und kälter, ich war so ernüchtert wie noch nie. Lexie sah ich irgendwie nur noch sehr selten, wobei ich nicht sicher war, ob das beabsichtigt war oder nur ein Zufall... Ich stürzte mich ein bisschen sehr in die Schularbeit und entschuldigte mich aufrichtig bei Sam und seiner Freundin. Ich hätte den Vorfall vermutlich schon längst wieder vergessen, genau wie alle anderen. Doch das mit Lexie ließ mich einfach nicht los. Ich wollte nichts sehnlicher haben als einen Zeitumkehrer um das alles irgendwie verhindern zu können... Aber das war wohl einfach nicht möglich...

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/07/2019 11:55 PMIch hatte mir in den letzten Wochen nichts sehnlicher gewünscht, als zu vergessen. Mein blödes Gedächtnis abzuschalten, von vorne anzufangen. Normalerweise war ich sehr dankbar für mein fotografisches Gedächtnis - immerhin konnte ich mir so einige Stunden intensives Lernen ersparen -, aber im Bezug auf Chester war es ein Fluch. Ich erinnerte mich an jedes winzige Gefühl, das ich an dem Abend gehabt hatte, jedes Wort, dass über seine Lippen gekommen war. Ich wünschte mir fast schon, dass er mich an dem Abend wenigstens geküsst hatte, dann hätte ich wenigstens die Erinnerung gehabt, an die ich mich klammern konnte - aber irgendetwas sagte mir, dass das es vermutlich nur noch schlimmer machen würde.
Selbst die letzten Wochen hatte ich ohne Alice und mindestens 10 Kilo Eiscreme kaum überstanden, wie sollte das bis zu unserem Abschluss funktionieren? Wenn ich bis dahin noch in meinen Schulumhang passen wollte, müsste ich mir so langsam mal eine andere Alternative überlegen.
Dazu kam, dass ich in letzter Zeit seltsame Träume hatte. Nicht nur Nachts, sondern auch tagsüber, wenn ich im Unterricht ein bisschen vor mich hin döste und meine Augen fest auf Chesters Rücken richtete, weil das der einzige Moment war, in dem ich mir gestattete ihn anzustarren - im Unterricht, wenn er vor mir saß und alle anderen dachten, dass ich bloß dem Unterricht folgte. Dann fing mein Kopf an, ihn in seltsamen dunklen Nebel zu packen und vor meinen Augen merkwürdige Bilder abzuspielen, die für mich keinen Sinn ergaben. Zuerst hatte ich es für dumme Fantasien gehalten, aber da mir dabei meisten furchtbar übel wurde und ich einmal Angst hatte, mich auf Professor Flitwick zu übergeben, hatte ich doch irgendwann den Krankenflügel aufgesucht. Von meinem Liebeskummer hatte ich natürlich nichts erzählt, deshalb bekam ich nur etwas gegen die Übelkeit. Der seltsame Nebel um Chester herum blieb und löste in mir ein ganz merkwürdiges, unwohles Gefühl aus. Ein Grund für mich, ihm aus dem Weg zu gehen, obwohl das nicht mal der Hauptgrund war.
An diesem Abend fand wieder eine der Parties statt, für die Hogwarts indirekt so berühmt war (unter den Schülern zumindest). Ein leerstehendes Klassenzimmer war magisch vergrößert zur Tanzfläche samt Bar umgewandelt worden, während ein Zauberspruch auf dem Flur vor Lehrern warnte und den Raum vor ihren Augen tarnte. Alice hatte mich etwas überreden müssen, auf die Party zu gehen. Eigentlich willigte ich nur ein, weil sie sich schon seit Wochen mein Geheule anhören musste - wir hatten zwar geschworen, später zusammen ein magisches Altersheim auf den Kopf zu stellen, aber das war keine Garantie dafür, dass ich ihr nicht doch irgendwann zu sehr auf den Keks ging und sie sich nettere Freunde suchte.
Wir hatten heute sogar unsere Kleidung getauscht; naja, ich trug ein Kleid, dass Alice von irgendeinem Verwandten geschickt bekommen hatte und dass ihr mindestens zwei Nummern zu groß war, während sie einen Pullover von mir als Kleid umfunktioniert hatte. Sie schleppte mich auf die Tanzfläche, aber ich bedeutete ihr mit einer Bewegung, dass ich lieber erst etwas zu trinken brauchte. Sie verdrehte die Augen, ließ mich aber abziehen. Ohne Alkohol würde ich mit vermutlich auch sofort wieder in meinen Schlafsaal verziehen ...

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/08/2019 09:56 PM




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