Vergangenheitsplay » 25
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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 10:20 PMOhne ein weiteres Wort zu sagen folgte ich ihm. Ich hatte Angst, dass ein Wort, dass die Stille durchreißen würde, ihn dazu brachte, jetzt schon mit der Sprache rauszuplatzen. Ohne, dass er bereit dafür war und ohne, dass er den richtigen Ort dafür gefunden hatte. Wenn es beides dafür denn überhaupt gab ... Sein Weg führte ihn aus dem Schloss raus zu den Ländereien. Ich versuchte konzentriert, nicht über meine eigenen Füße zu fallen, während ich hinter ihm durch das Gras lief. Ich stolperte sogar nur zwei Mal, konnte mich aber grade packen, bevor ich wirklich der Nase lang hinfiel. Das würde die Ernsthaftigkeit dieser Situation doch sehr untergraben.
Ich staunte nicht schlecht, als er gradewegs die zwei Schaukeln ansteuerte, die an einem Ast der riesigen Weide hingen. Ich erinnerte mich daran, wie ich mit Alice im letzten Sommer hier gesessen und über ihren neuen Freund geredet hatte. Das schien nach den Sommerferien schon Jahre her zu sein. Mit Chester war ich auch schon das eine oder andere Mal hier gewesen; ob nun zum Lernen oder einfach, um unbeschwert zu Reden, so wie wir es früher immer getan hatten. Früher. Der Gedanke versetzte mir einen Stich.
Vorsichtig setzte ich mich auf die rechte Schaukel und starrte auf den See, der in der Ferne zu sehen war. Die Sonne war schon längst unter gegangen, aber durch das Mondlicht war es immernoch sehr hell draußen. Der Mond war fast komplett voll.
Und dann lauschte ich Chesters Worten. Und versuchte, den Worten einen Sinn zu geben, die grade mein ganzes Bild von ihm völlig auf den Kopf stellten und nicht kompatibel mit den Erinnerungen waren, die ich bisher von ihm hatte. Mein Kopf spulte Erinnerungen ab, in denen er mir beiläufig etwas von seiner Familie und seiner Kindheit erzählt hatte. Mir wäre nie im Leben eingefallen, dass das gelogen sein könnte.
Ich sah ihn von der Seite an und war froh, dass er meinen entgeisterten Gesichtsausdruck grade nicht sehen konnte. Er starrte in die Ferne, als würde er mich jetzt nicht ansehen wollen. Einen langen Moment lang starrte ich ihn einfach nur an, bevor ich seinem Blick folgte. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", flüsterte ich überfordert und krallte mich mit den Händen in die Seile der Schaukel. War alles, was ich über ihn wusste, eine Lüge? Er hatte gesagt, dass das im Grunde nichts ändern würde ... aber ich hatte ja nicht einmal seinen richtigen Namen gekannt. Vielleicht war es doch die richtige Entscheidung gewesen, ihm den Abend der Party zu verheimlichen. Wenn nichts davon wahr war ...
Ich schüttelte den Kopf und vergrub das Gesicht in den Händen. Merlin, das war zu viel. Zu viele Erinnerungen, die auf mich einströmten und zu viele Worte, die anscheinend nicht der Wahrheit entsprochen hatten.
Es hätten Stunden, Minuten oder auch nur Sekunden vergangen sein können, ich konnte es nicht sagen, als ich den Kopf hob und ihn ansah. "Du ... du wirst jetzt aber nicht deine Sachen packen und über Nacht verschwinden, nur weil ich Bescheid weiß, oder?", fragte ich schließlich mit rauer Stimme. Ich hätte ihn nicht zwingen sollen, es mir zu erzählen. Wenn er jetzt meinetwegen irgendwelche Schwierigkeiten bekam ...
"Du ... Du hast mir an dem Abend nichts darüber erzählt", stellte ich leise klar und lachte auf. "Sogar sturzbetrunken kannst du sowas für dich behalten ..." Ich schüttelte den Kopf. "Ich bin wirklich beeindruckt, ich meine - all die Jahre lang die Lügerei ... das muss ... anstrengend gewesen sein ... ich weiß, wie das ist, das ist ...", flüsterte ich und verstummte augenblicklich als ich bemerkte, dass ich dabei war ihm jetzt von dem Geheimnis zu erzählen, das meine Familie seit Jahren hütete. Aber war das nicht fair, wenn er mir auch von seinem Geheimnis erzählt hatte?

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 09:40 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 09:10 PMEine Art Erleichterung durchströmte mich, als sein Gesichtsausdruck ihn verriet. Ich hatte also doch Recht gehabt. Dieser Nebel hatte doch bedeutet, dass er etwas verheimlichte, und nicht, dass ich verrückt wurde. Gut, vielleicht wurde ich ja auch verrückt UND er hatte etwas zu verheimlich ...
Seine Worte jagten mir ein bisschen Angst ein. Was genau er vor allen verborgen hielt wusste ich nicht, aber anscheinend war ich wirklich dabei, ein dunkles Geheimnis aufzudecken. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen zumindest. Ich schluckte. Was, wenn ich ihn damit zwang, etwas wirklich, wirklich Schlimmes zu erzählen? Jeder hatte dunkle Geheimnisse, oder? Mein war meiner Schwester ... und davon wusste er auch nichts. Niemand wusste davon. War es fair, sein Geheimnis zu erfahren und meins zu behalten? Ich hatte ihn nur von dem Abend mit der Party ablenken wollen ...
Trotzdem nickte ich. Vielleicht würde dieser Nebel dann ja verschwinden? Momentan fühlte sich mein Magen durch seine Anwesenheit immer noch so an, als wäre ich grade fünmal in einer Achterbahn mitgefahren. Ich wollte dieses Gefühl nicht mehr haben. Allerdings war es auch das einzige, was mich davon abhielt ihm sofort die Arme um den Hals zu schlingen und alles zu erzählen, was ich ihm verschwiegen hatte. Nervös zupfte ich an dem Kleid, das Alice mir geliehen hatte und schaute über meine Schulter zu den anderen Partygästen. Sie würde bestimmt sauer sein, wenn ich sie hier alleine ließ. Andererseits war sie vermutlich froh, wenn ich anscheinend die Sache mit Chester klärte .... Ich wandte mich wieder ihm zu und nickte noch einmal. "Okay", flüsterte ich. Was er für den richtigen Ort hielt, um mit der Sprache rauszurücken wusste ich nicht, deswegen wartete ich darauf, dass er sich in Bewegung setzte.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 08:45 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 07:45 PMSeine Worte brachen mir fast das Herz. Es war nicht fair, dass ich ihn einfach so im Regen stehen ließ, nur weil er sich nicht daran erinnern konnte, was er zu mir gesagt hatte. Seine flehenden Worte sorgten diesmal wirklich fast dafür, dass ich mit allem rausplatzte. "Du ... du ...", murmelte ich und schüttelte den Kopf. Seine Hand hinterließ ein Brennen auf meiner Haut, das mein Herz einen ganzen Takt schneller schlagen ließ. Würde es jemals möglich sein, alles hinter mir zu lassen, was mit ihm passiert war? Vergessen war ja leider keine Option ...
"Was du tun kannst?", wiederholte ich und blinzelte. Vielleicht lag es am Alkohol, vielleicht auch an seiner Hand auf meiner Schulter, dass ich tief Luft holte und ihm das an den Kopf knallte, was mir die ganzen letzten Wochen im Kopf herumgespukt war. "Wie - Wie wär's wenn du selbst mit der Sprache rausrückst? Mit dem, was du selbst zu verbergen versuchst? Ich laufe seit Wochen - Monaten! - mit diesem Gefühl herum, dass du irgendetwas geheim hälst, dagegen ist das von dem Abend, den du nicht mehr weißst ... ein Witz!" Ich schluckte. Das war es ganz und gar nicht. Aber ich wollte ihn doch davon ablenken ... "Seit Wochen habe ich das Gefühl, dass ich komplett verrückt werde oder den Verstand verliere, weil ich in deiner Gegenwart ... solche ..." Visionen habe. Ich verstummte, ohne den Satz zu beenden. Das konnte es nicht sein, aber Einbildung war es definitiv auch nicht gewesen. Vielleicht wurde ich ja tatsächlich verrückt? Ich lachte frustriert auf und schüttelte seine Hand ab, die noch auf meiner Schulter lag. "Du hast an dem Abend nichts gemacht. Garnichts, hörst du mich? Und das hast du vergessen. Das war's. Also bitte hör auf zu denken, dass der Abend irgendwie ..." Ich schüttelte den Kopf und trat einen Schritt von ihm weg, weil mein Herz immer noch im Marathon gegen meine Rippen schlug, während ich ihm so nah war. "Vergiss es einfach, okay?"

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 07:27 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 05:39 PMIch hatte damit gerechnet, dass Ches mir folgen würde. Natürlich tat er das, er gehörte nicht zu den Leuten, die so etwas einfach auf sich sitzen lassen würden. Zumindest schätzte ich ihn so ein. Als er sich vor mir aufbaute blieb ich wie angewurzelt stehen. "Du hast garnichts gemacht, okay?", antwortete ich und biss mir auf die Lippe. Ich war so kurz davor, einfach mit allem rauszuplatzen, dass ich einen Moment lang inne halten musste. "Garnichts", wiederholte ich, ruhiger dieses Mal. Ich wusste, dass mein Verhalten ihm gegenüber nicht fair war, aber wenn ich ihm die Wahrheit erzählen würde ... die Wahrheit über dieses komische Gefühl, das ich in seiner Nähe hatte, den Nebel und die Bilder, die mit ihm auftauchten und über den Abend der Party ... er würde mich für komplett verrückt halten. Und mich vermutlich ohnehin hassen, weil ich ihm das die ganze Zeit verschwiegen hatte.
"Lass mich ... lass mich einfach in Frieden, okay?", sagte ich mit erstickter Stimme und versuchte, mich an ihm vorbei zu schieben.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 05:22 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/14/2019 11:49 PMIch konnte mir nicht erklären warum, aber bei Chesters Worten schien sich um seinen Kopf herum noch mehr von diesem merkwürdigen Nebel zu bilden. Mir wurde ein bisschen schwindelig durch die plötzliche Kälte, aber ich schloss kurz die Augen und atmete tief ein, weil das bei den letzten Malen auch geholfen hatte. Dieses Mal verschwand das Gefühl nicht, aber es sorgte wenigstens dafür, dass sich nicht mehr alles drehte.
"Dagegen spricht, dass ich ... na, dass ich mit Alice hier bin! Mädchenabend, da hast du nichts zu suchen!", protestierte ich kopfschüttelnd, folgte ihm aber. Alice würde schon wissen, wie wir ihn loswurden. Sie hatte sich in den letzten Wochen genug von meiner Jammerei angehört, da würde sie sich bestimmt nicht freiwillig auf mehr einlassen. Allerdings gab es da natürlich noch die Möglichkeit, dass sie mich alleine mit ihm in einen Raum sperrte, um mich zu zwingen, ihm die Wahrheit zu sagen ... Sie wusste ja, dass ich ihn absichtlich angelogen hatte. Ich blieb abrupt stehen. Mir war von dem Nebel immer noch eiskalt, aber durch den vollen Becher Feuerwhisky vorhin breitete sich langsam Hitze in mir aus. Ich schloss noch einmal kurz die Augen, um mich zu sammeln. "Oder weißt du was ... bring du Alice doch den Becher. Ich glaube ... ich ... ich hab was im Schlafsaal vergessen.", stammelte ich und schüttelte den Kopf. Vor meinen Augen spielten sich merkwürdige Bilder ab, die ich noch nie gesehen hatte. Ich wartete gar nicht, ob Chester meine Worte überhaupt gehört hatte, sondern drehte mich auf dem Absatz um und versuchte mich Richtung Ausgang zwischen den anderen Schülern durchzuschieben. Ich wollte einfach nur hier raus und dieses seltsame Gefühl loswerden ...

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/14/2019 11:30 PM


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