Vergangenheitsplay » 25
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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 07:45 PMSeine Worte brachen mir fast das Herz. Es war nicht fair, dass ich ihn einfach so im Regen stehen ließ, nur weil er sich nicht daran erinnern konnte, was er zu mir gesagt hatte. Seine flehenden Worte sorgten diesmal wirklich fast dafür, dass ich mit allem rausplatzte. "Du ... du ...", murmelte ich und schüttelte den Kopf. Seine Hand hinterließ ein Brennen auf meiner Haut, das mein Herz einen ganzen Takt schneller schlagen ließ. Würde es jemals möglich sein, alles hinter mir zu lassen, was mit ihm passiert war? Vergessen war ja leider keine Option ...
"Was du tun kannst?", wiederholte ich und blinzelte. Vielleicht lag es am Alkohol, vielleicht auch an seiner Hand auf meiner Schulter, dass ich tief Luft holte und ihm das an den Kopf knallte, was mir die ganzen letzten Wochen im Kopf herumgespukt war. "Wie - Wie wär's wenn du selbst mit der Sprache rausrückst? Mit dem, was du selbst zu verbergen versuchst? Ich laufe seit Wochen - Monaten! - mit diesem Gefühl herum, dass du irgendetwas geheim hälst, dagegen ist das von dem Abend, den du nicht mehr weißst ... ein Witz!" Ich schluckte. Das war es ganz und gar nicht. Aber ich wollte ihn doch davon ablenken ... "Seit Wochen habe ich das Gefühl, dass ich komplett verrückt werde oder den Verstand verliere, weil ich in deiner Gegenwart ... solche ..." Visionen habe. Ich verstummte, ohne den Satz zu beenden. Das konnte es nicht sein, aber Einbildung war es definitiv auch nicht gewesen. Vielleicht wurde ich ja tatsächlich verrückt? Ich lachte frustriert auf und schüttelte seine Hand ab, die noch auf meiner Schulter lag. "Du hast an dem Abend nichts gemacht. Garnichts, hörst du mich? Und das hast du vergessen. Das war's. Also bitte hör auf zu denken, dass der Abend irgendwie ..." Ich schüttelte den Kopf und trat einen Schritt von ihm weg, weil mein Herz immer noch im Marathon gegen meine Rippen schlug, während ich ihm so nah war. "Vergiss es einfach, okay?"

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 08:45 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 09:10 PMEine Art Erleichterung durchströmte mich, als sein Gesichtsausdruck ihn verriet. Ich hatte also doch Recht gehabt. Dieser Nebel hatte doch bedeutet, dass er etwas verheimlichte, und nicht, dass ich verrückt wurde. Gut, vielleicht wurde ich ja auch verrückt UND er hatte etwas zu verheimlich ...
Seine Worte jagten mir ein bisschen Angst ein. Was genau er vor allen verborgen hielt wusste ich nicht, aber anscheinend war ich wirklich dabei, ein dunkles Geheimnis aufzudecken. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen zumindest. Ich schluckte. Was, wenn ich ihn damit zwang, etwas wirklich, wirklich Schlimmes zu erzählen? Jeder hatte dunkle Geheimnisse, oder? Mein war meiner Schwester ... und davon wusste er auch nichts. Niemand wusste davon. War es fair, sein Geheimnis zu erfahren und meins zu behalten? Ich hatte ihn nur von dem Abend mit der Party ablenken wollen ...
Trotzdem nickte ich. Vielleicht würde dieser Nebel dann ja verschwinden? Momentan fühlte sich mein Magen durch seine Anwesenheit immer noch so an, als wäre ich grade fünmal in einer Achterbahn mitgefahren. Ich wollte dieses Gefühl nicht mehr haben. Allerdings war es auch das einzige, was mich davon abhielt ihm sofort die Arme um den Hals zu schlingen und alles zu erzählen, was ich ihm verschwiegen hatte. Nervös zupfte ich an dem Kleid, das Alice mir geliehen hatte und schaute über meine Schulter zu den anderen Partygästen. Sie würde bestimmt sauer sein, wenn ich sie hier alleine ließ. Andererseits war sie vermutlich froh, wenn ich anscheinend die Sache mit Chester klärte .... Ich wandte mich wieder ihm zu und nickte noch einmal. "Okay", flüsterte ich. Was er für den richtigen Ort hielt, um mit der Sprache rauszurücken wusste ich nicht, deswegen wartete ich darauf, dass er sich in Bewegung setzte.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 09:40 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 10:20 PMOhne ein weiteres Wort zu sagen folgte ich ihm. Ich hatte Angst, dass ein Wort, dass die Stille durchreißen würde, ihn dazu brachte, jetzt schon mit der Sprache rauszuplatzen. Ohne, dass er bereit dafür war und ohne, dass er den richtigen Ort dafür gefunden hatte. Wenn es beides dafür denn überhaupt gab ... Sein Weg führte ihn aus dem Schloss raus zu den Ländereien. Ich versuchte konzentriert, nicht über meine eigenen Füße zu fallen, während ich hinter ihm durch das Gras lief. Ich stolperte sogar nur zwei Mal, konnte mich aber grade packen, bevor ich wirklich der Nase lang hinfiel. Das würde die Ernsthaftigkeit dieser Situation doch sehr untergraben.
Ich staunte nicht schlecht, als er gradewegs die zwei Schaukeln ansteuerte, die an einem Ast der riesigen Weide hingen. Ich erinnerte mich daran, wie ich mit Alice im letzten Sommer hier gesessen und über ihren neuen Freund geredet hatte. Das schien nach den Sommerferien schon Jahre her zu sein. Mit Chester war ich auch schon das eine oder andere Mal hier gewesen; ob nun zum Lernen oder einfach, um unbeschwert zu Reden, so wie wir es früher immer getan hatten. Früher. Der Gedanke versetzte mir einen Stich.
Vorsichtig setzte ich mich auf die rechte Schaukel und starrte auf den See, der in der Ferne zu sehen war. Die Sonne war schon längst unter gegangen, aber durch das Mondlicht war es immernoch sehr hell draußen. Der Mond war fast komplett voll.
Und dann lauschte ich Chesters Worten. Und versuchte, den Worten einen Sinn zu geben, die grade mein ganzes Bild von ihm völlig auf den Kopf stellten und nicht kompatibel mit den Erinnerungen waren, die ich bisher von ihm hatte. Mein Kopf spulte Erinnerungen ab, in denen er mir beiläufig etwas von seiner Familie und seiner Kindheit erzählt hatte. Mir wäre nie im Leben eingefallen, dass das gelogen sein könnte.
Ich sah ihn von der Seite an und war froh, dass er meinen entgeisterten Gesichtsausdruck grade nicht sehen konnte. Er starrte in die Ferne, als würde er mich jetzt nicht ansehen wollen. Einen langen Moment lang starrte ich ihn einfach nur an, bevor ich seinem Blick folgte. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", flüsterte ich überfordert und krallte mich mit den Händen in die Seile der Schaukel. War alles, was ich über ihn wusste, eine Lüge? Er hatte gesagt, dass das im Grunde nichts ändern würde ... aber ich hatte ja nicht einmal seinen richtigen Namen gekannt. Vielleicht war es doch die richtige Entscheidung gewesen, ihm den Abend der Party zu verheimlichen. Wenn nichts davon wahr war ...
Ich schüttelte den Kopf und vergrub das Gesicht in den Händen. Merlin, das war zu viel. Zu viele Erinnerungen, die auf mich einströmten und zu viele Worte, die anscheinend nicht der Wahrheit entsprochen hatten.
Es hätten Stunden, Minuten oder auch nur Sekunden vergangen sein können, ich konnte es nicht sagen, als ich den Kopf hob und ihn ansah. "Du ... du wirst jetzt aber nicht deine Sachen packen und über Nacht verschwinden, nur weil ich Bescheid weiß, oder?", fragte ich schließlich mit rauer Stimme. Ich hätte ihn nicht zwingen sollen, es mir zu erzählen. Wenn er jetzt meinetwegen irgendwelche Schwierigkeiten bekam ...
"Du ... Du hast mir an dem Abend nichts darüber erzählt", stellte ich leise klar und lachte auf. "Sogar sturzbetrunken kannst du sowas für dich behalten ..." Ich schüttelte den Kopf. "Ich bin wirklich beeindruckt, ich meine - all die Jahre lang die Lügerei ... das muss ... anstrengend gewesen sein ... ich weiß, wie das ist, das ist ...", flüsterte ich und verstummte augenblicklich als ich bemerkte, dass ich dabei war ihm jetzt von dem Geheimnis zu erzählen, das meine Familie seit Jahren hütete. Aber war das nicht fair, wenn er mir auch von seinem Geheimnis erzählt hatte?

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 10:42 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/16/2019 11:13 PMIch biss mir auf die Lippe. Damit nichts mehr zwischen uns steht. Er war so ehrlich gewesen, und ich ... ich ... ich log ihn an. Immernoch, und immer wieder. "Der Nebel ist weg", ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich laut gesprochen hatte. Meine Wangen liefen sofort hochrot an. Das hätte ich liebend gerne noch vor ihm verheimlicht ... obwohl es mir immer noch Angst machte. Vielleicht sollte ich doch noch einmal zum Krankenflügel gehen und das abchecken lassen ...
Ich überlegte grade, wie ich am besten anfangen sollte, bis er nachfragte. Und weil ich Idiotin mich verhaspelt hatte, würde er mich vermutlich hassen. Oder eher meine Familie. Bei seinen Worten lachte ich auf. Frustriert. Kalt. "In meiner Familie ... wird das Lügen groß geschrieben", erwiderte ich leise und schüttelte den Kopf. Dann sah ich ihn an. "Ich erzähle es dir, aber du ... du musst mir versprechen, dass du nicht anders über mich denken wirst, in Ordnung? Dann ... dann wird nichts mehr zwischen uns stehen, und dann sind wir quitt. Auch wenn das Risiko hoch ist, dass du mich hassen wirst ..."
Ich wartete einen Moment, damit er antworten konnte, aber ich hätte wohl so oder so angefangen. Ich wippte ein bisschen mit der Schaukel hin und her, um sie in Bewegung zu setzen, weil ich nicht still sitzen konnte. Nicht jetzt. "Mein Dad ... er ... gehört zu den Todessern. Ich habe das nie jemandem erzählt, weil es einfach ... furchtbar ist. Aber es ist nicht so, dass er es freiwillig macht. Also ... das hat er nicht immer.", meine Stimme wurde wieder unnatürlich schnell, so wie sie immer, wenn ich furchtbar nervös war. Ich holte tief Luft und setzte neu an. "Am Anfang ist er einfach mit darein gerutscht, weil meine Großeltern ein Teil des Ganzen sind. Die Averys ... die perfekten Gefolgsleute des dunklen Lords", flüsterte ich spöttisch und schloss die Augen. "Als ich noch klein war, hat es da Aufstände gegeben. Von meinen Eltern gegen all die Machenschaften, in die sie hineingezogen wurden. Mein Dad wollte das nicht, aber er ... er konnte nichts dagegen tun" Ich wischte mir vorsichtig eine Träne von der Wange, die sich aus meinem Augenwinkel gestohlen hatte. Die Bilder tanzten wieder so lebendig vor meinen Augen, als wäre ich wieder an diesem Ort und als könnte ich die Stimme meiner Schwester wieder neben mir hören. Die letzten Worte, die ich von ihr gehört hatte. "Ich ... ich habe eine Schwester. Also, hatte", ergänzte ich und lächelte schwach. "Wir wurden von den anderen Todessern entführt, quasi als Druckmittel gegen meinen Dad, damit er tat, was sie von ihm wollten. Mich haben sie da raus geholt, aber meine Schwester ..." Ich presste die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf. Den Satz ließ ich unbeendet. Chester würde auch so wissen, was mit ihr passiert war. "Meine Familie hat sie komplett verschwiegen. Mein Bruder und ich sollten immer so tun, als ob sie nie existiert hätte und als ob die Machenschaften von meinem Dad meinen Bruder nicht auch langsam mit in diese ... diese Sekte ziehen würden. Aber das tun sie. Und das weiß niemand. Außer dir jetzt" Ich schniefte einmal und lächelte schwach. "Bitte hass mich nicht", fügte ich hinzu.
Ich hopste von meiner Schaukel und landete wie durch ein Wunder auf beiden Füßen, ohne wegzuknicken. Vielleicht hatte dieses Geheimnis ja all die Jahre lang meinen Gleichgewichtssinn behindert? Ich schaute zu Chester und presste die Lippen zusammen. "An dem Abend von der Party hast du ... du hast mir erzählt, warum du angefangen hast dich zu prügeln. Dass du eifersüchtig warst, weil ich mit einem der Austauschschüler gesprochen habe. Wir haben ... geredet. Und zwar darüber, dass wir beide ziemlich große Idioten sind." Ich starrte auf den See und lächelte schwach. Nicht weit von hier war die Wiese, auf der wir an dem Abend gesessen hatten. "Du ... du hast gesagt, das du mich nicht küssen wolltest, falls du dich am nächsten Morgen nicht mehr ganz genau daran erinnern würdest. Da hast du also richtig entschieden."
Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn flehend an. "Es tut mir leid, dass ich dir nichts erzählt habe. Ich dachte nur ... irgendein Teil von mir dachte, dass ich mir das alles nur eingebildet habe, weil du dich nicht daran erinnern konntest. Oder dass da nur der Alkohol aus dir gesprochen hat und du es gar nicht so meinst. Es tut mir leid. Bitte hass mich nicht", fügte ich hinzu. Ich hatte das Gefühl, als hätte mir grade jemand meinen letzten Schutz geraubt. Ich hatte ihm alles erzählt, alles, was ich jemals vor ihm verborgen hatte. Es stand nichts mehr zwischen uns. Und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass all das zu viel für unsere Freundschaft sein könnte ...

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/16/2019 11:59 PM

Re: Vergangenheitsplay » 25
from Lexie on 01/17/2019 12:24 AM"Es ist ... seltsam", gab ich zu und legte den Kopf schief. "Vielleicht werde ich auch einfach komplett verrückt, wer weiß. Aber in den letzten Wochen, da ... da habe ich um dich herum immer so einen merkwürdigen Nebel gesehen. Als würde mir jemand mitteilen wollen, dass du etwas zu verbergen hast. Ich weiß nicht mehr, wann das genau angefangen. Nach dem Abend auf der Party auf jeden Fall. Wegen diesem Nebel ist mir immer fürchterlich schwindelig geworden und ... naja ... ich war in den letzten Wochen quasi Stammgast im Krankenflügel. Die Heilerin muss mittlerweile glauben, dass ich von irgendetwas abhängig bin oder so" Ich kicherte leise und schüttelte den Kopf. Dass ich in sein Gesicht sehen konnte, ohne dass die Bilder auftauchten, beflügelte mich. Ich hatte in den letzten Wochen viel zu viel Zeit damit verbracht, ihm aus dem Weg zu gehen, und jetzt konnte ich mich an seinem Gesicht gar nicht mehr satt sehen. "Jetzt ist es jedenfalls weg. Vielleicht habe ich es mir ja doch nur eingebildet ...", ich zuckte mit den Schultern.
Der Spitzname, den er mir verpasst hatte, löste ein Kribbeln in meinem ganzen Körper aus. Als hätte er damit einen Schalter umgelegt, der mein Herz schneller schlagen ließ. Wie hatte ich jemals daran glauben können, über ihn hinweg zu kommen? Es genügte ja schon ein einziges Wort und ich war Wachs in seinen Händen.
Mein Herz schlug sogar noch einen Satz schneller, als Chester auch von der Schaukel aufstand und zu mir kam. Seine Finger hinterließen eine brennende Spur auf meiner Wange, das gleichzeitig ein warmes Gefühl in meinem Bauch auslöste. Als hätte jemand in meinem Inneren eine Kerze angemacht, die mich von innen wärmte. Bei seinen Worten konnte ich gar nicht anders, als ihn strahlend anzulächeln. Mein altbekanntes, sonniges Lexie-Lächeln. "Aber nur wenn du dich morgen auch noch daran erinnerst.", flüsterte ich. Mein Blick huschte von seinen Augen zu seinen Lippen. Ich legte eine Hand an seine Wange und strich leicht mit dem Daumen über seine weiche Haut.

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Re: Vergangenheitsplay » 25
from Chester on 01/17/2019 12:09 PM


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