Wartezimmer für Besucher

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Wyatt
Gelöschter Benutzer

Re: Wartezimmer für Besucher

von Wyatt am 02.07.2017 01:58

Womit ich genau gerechnet hatte, war mir nicht bewusst. Nur nicht mit so etwas. Ich hörte Gabriella so gut es ging zu, doch ein Teil in meinem Innern protestierte stark. Vertrauen war Nichts, was ich leicht verschenkte. Selbst meinem eigenen Bruder vertraute ich vieles nicht an. Da gab es Echo, dem ich mein Leben anvertrauen würde und Gwen, die mehr über mich wusste als kein anderer. Aber das war es auch schon. Diese zwei Menschen waren die einzige die wirklich wussten, was bei mir zu Hause abging. Sie wussten, weshalb ich es nicht wagte von zu Hause abzuhauen und sie wussten wie sehr ich den Reinblutwahn verabscheute. Zugegeben, bei Gabriella konnte ich meine übliche Show nicht abziehen und ich hatte ihr schon mehr offenbart als meinen normalen Freunden... Und dennoch konnte ich ihr keine Ehrlichkeit versprechen. So sehr ich auch wollte. Ich hatte immer noch das Gefühl, dass diese Verlobung ebenfalls scheitern würde, so wie die anderen Male auch. Und falls sie nicht scheiterte... Konnte ich ihr überhaupt vertrauen? Ich wusste wenig über sie. Ich wusste kaum etwas über ihre Familie. Manchmal hatte ich das Gefühl in einem riesigen Test verwickelt zu sein, die meine Loyalität auf die Probe stellte! Ich war bis zum Äußersten paranoid geworden.
Ich wand mich auf meinem Stuhl und mied Gabriellas Blick. "Gabriella..." murmelte ich leise und verzog leicht gequält das Gesicht. "Ich kann dir nichts versprechen. Ich versuche dich nicht anzulügen, aber ich kann dir auch nicht über alles die Wahrheit erzählen...Jetzt noch nicht. Vielleicht nie..." ich blickte mich in der näheren Umgebung um und atmtete tief durch. Ich wollte noch etwas hinzufügen, doch ich wusste nicht was. Doch unwillkürlich empfand ich so etwas wie Bewunderung für das Mädchen neben mir. Beziehungsweise die Frau neben mir. Denn genau wie ich, musste sie auch viel schneller erwachsen werden. Nur erschien sie mir als viel stärker.
Ich stützte mein Gesicht in meine Hände und seufzte tief. Ich hatte geglaubt, es würde erst nach der Hochzeit zu solchen ernsteren Themen kommen. Aber was machte es eigentlich für einen Unterschied? Früher oder später musste sie zwangsläufig die Fluchnarben und andere Narben auf meinem Körper zu Gesicht bekommen. Und damit wäre schon mein Leben beschrieben werden. Wenn ich mich dazu überwinden könnte... dann wäre es schon der erste Vertrauensbeweis oder nicht? Aber was würde sie davon halten? Würde sie denken ich wäre schwach? Vielleicht würde sie ihre Familie anbetteln, mit jemand anderem verlobt zu werden. Vielleicht würde sie aber auch Angst vor meiner Familie bekommen. Beides fände ich durchaus verständlich.
Ich rang ein paar Sekunden mit mir und kam schließlich zu dem Schluss, dass ich ihr es nicht vorenthalten durfte. Sie sollte eine Chance bekommen zu erfahren, in welche Verhältnisse sie einheiraten würde. Natürlich würde ihr nichts passieren. Das würde ich nicht zulassen können.
Schließlich stand ich auf und ging zu der Rezeption. Ich schilderte die Sachlage, dass wir wegen einer Patientin wohl über Nacht bleiben würden und ob denn ein Zimmer für Gäste frei wäre. Sie nickte und meinte, die Schule habe alles geklärt. Super organisiert, dass musste ich der Leitung schon anrechnen.
Ich bekam Schlüssel und Zimmernummer und zog dann Gabriella wortlos mit mir.
Die Zimmer lagen im selben Stockwerk, der Station in der Hazel sich befand. Das war gut, so waren sie nicht allzu weit voneinander entfernt. Ich schloss die Zimmertür auf und ließ Gabriella den Vortritt. Recht groß war es nicht. Es gab ein großes Fenster, eine kleine Kommode, ein Waschbecken, ein winziges Badezimmer und ein Bett.
Ich wollte nicht lange warten, sonst hätte ich mich vielleicht noch umentschieden. Kurzerhand schloss ich die Vorhänge des Fensters und schloss die Tür ab. Zugegeben, das wirkte alles sehr zwielichtig.
Zögernd sah ich Gabriella an. "Mir fällt das nicht leicht... Bitte lach nicht oder so." vielleicht sah sie mich ja wirklich als Jammerlappen. Als jemanden, der sich nicht verteidigen konnte. Und irgendwie war es ja auch so. Ich wagte nicht einmal mich zu verteidigen. In erster Linie wollte ich meinen Bruder schützen. Manchmal musste man Prioritäten setzen. Ich wusste nicht ob sie das verstand.
Ich atmete tief ein und zog mir dann in einer schnellen Handbewegung mein Shirt über den Kopf. Zuerst würde ihr wohl das Todesser Mal ins Auge fallen. Ich wandte mich halb ab. Einerseits, damit ich ihr nicht ins Gesicht sehen brauchte. Andererseits, damit sie möglichst schnell die Narben sehen konnte. So lange wollte ich nicht so entblößt dastehen.

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Gabriella
Gelöschter Benutzer

Re: Wartezimmer für Besucher

von Gabriella am 02.07.2017 01:13

Ich hatte irgendwie das Gefühl, Wyatt würde eine ganze Weile brauchen, bis er den Kaffee geholt hatte und gleichzeitig hatte ich keine Ahnung, wie viel Zeit überhaupt verstrichen war, so sehr war ich mit meinen Gedanken beschäftigt. Ich schoss die Augen und fragte mich, ob es Hazel gerade gut ging. Ich hoffte die Ärzte würden ihr nicht weh tun und ich hoffte, sie würden sie gesund machen, denn sonst würde ich ihnen weh tun! Sofern ich die Möglichkeiten dazu besaß zumindest.
Und dann wanderten meine Gedanken zurück zu dem Ring, den ich immer noch mit meiner Hand umschlossen hielt. Als Wyatt ihn mir zu Anfang gegeben hatte, hatte ich nichts damit verbunden. Er hatte keinerlei Bedeutung für mich, bis auf ein Schmuckstück das der Anfang einer Bindung zu einem Jungen war, den ich nicht kannte und der mich schrecklich behandelte. Ich hatte das Monate lang geglaubt. Ich meine... Ich hatte regelrecht ANgst vor Wyatt gehabt und davor mit ihm zusammen zu leben und dennoch habe ich nichts gesagt. Als ich Hazel kennen gelernt habe, habe ich niemandem davon erzählt, wo sie her kommt und auch nicht, wo unsere Mutter her kommt. Mein ganzes Leben lang hatte ich geglaubt, sie wäre ein Reinblut. Genauso wie mein Vater. Sie würden die Ansichten von meiner Tante und meinem Onkel vertreten und dass sie stolz auf mich wären, wenn sie mich sehen würden und dann hatte ich Hazel getroffen und mehr darüber in Erfahrung gebracht und mittlerweile hatte ich nur noch das Gefühl, eine Enttäuschung für alle zu sein. Aber diese Lügen... dieses Vorgaukeln... das schaffte mich. Warum konnte nie jemand Klartext reden? Das würde es alles so viel einfacher machen.
Ich öffnete wieder die Augen, als Wyatt zu mir kam. Meine Tasche nahm ich wieder von dem Stuhl, damit er sich setzen konnte und nahm dann den Kaffee an mich. Ich wollte einen Schluck trinken, nippte jedoch nur an dem Kaffee. Heiß. Den würde ich erst einmal abkühlen lassen, sonst verbrannte ich mir am Ende noch die Zunge.
Wyatts Frage überraschte mich ein wenig. Vielleicht war das seine Art Smalltalk zu führen. Vielleicht interessierte es ihn auch wirklich.
Ich war drauf und dran ihm so etwas zu sagen, wie 'Was meine Freunde gerade in Hogwarts ohne mich machen.' oder 'Wie lange die wohl mit Hazel brauchen werden?' aber gerade eben hatte ich mich noch damit auseinander gesetzt, wie sehr mir diese Lügen auf die Nerven gingen, da konnte ich jetzt nicht damit anfangen.
"Ich würde dich gern um etwas bitten.", murmelte ich schließlich. Es war nicht ganz das, woran ich gedacht hatte, aber das, woran ich in diesem Moment dachte. Das ging ja irgendwie mit sich einher. "Ich hab das Gefühl, mein halbes Leben wurde nur auf irgendwelchen Lügen aufgebaut. Mein Blutstatus, der Tod meiner Eltern, meine Zwillingsschwester, von der mir nie jemand erzählt hat..." Ich seufzte leise. "Wyatt... Ich hab mir immer vorgestellt... wenn ich einmal heirate, dann jemanden, dem ich vertrauen kann. Weißt du, eine Person, mit der ich meine Probleme teilen kann und anders herum, ohne dass es merkwürdig ist. Jemand, vor dem ich mich nicht verstecken muss.", murmelte ich leise. "Ich will nicht, dass wir heiraten und unsere Ehe dann auf Lügen aufgebaut ist, auch wenn wir so oder so heiraten müssen." Ich wusste, dass ich nichts dagegen tun könnte. Aber dennoch... "Ich weiß, dass diese Art von Vertrauen nicht von heute auf morgen entsteht, aber vielleich tist es ein Anfang, wenn wir von vorn herein einfach ehrlich miteinander umgehen." Ich hatte selbst keine Ahnung, ob mir das gelingen würde. Ich hatte das Gefühl, dass ich Wyatt jetzt schon mehr anvertraute, als ich sonst jemandem von mir erzählte. Dabei hatten wir so viel noch gar nicht miteinander geredet.

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Wyatt
Gelöschter Benutzer

Re: Wartezimmer für Besucher

von Wyatt am 02.07.2017 00:19

Ich nickte nur und erhob mich. Ich mochte Krankenhäuser nicht besonders. Noch mehr elend konnte ich wirklich nicht ertragen. Ich ließ mir Zeit um durch die Flure zu streichen, auf der Suche nach etwas zu trinken. Konnte beim beste Willen aber nichts finden. Ich versuchte es in den höheren Stockwerken. Schließlich blieb ich bei einem der Fenster stehen und blickte Minutenland hinaus. Mir kam die Frage auf, seit wann mein Leben so kompliziert war. Doch dann dachte ich, dass mein Leben eigentlich schon die ganze Zeit kompliziert war. Die Fragewar dann nur noch, wann sich das endlich ändern würde!...
Ich wandte mich um, um zu gehen und stieß fast in ein Mädchen hinein, konnte aber gerade noch so ausweichen. Ich blickte ihr hinterher. Sie schien es eilig zu haben. An irgendjemanden erinnert sie mich, doch ich kam nicht drauf. Ihre hellen Haare verschwanden schließlich wehend um die Ecke.
Wie lange ich suchte wusste ich nicht, doch letztendlich kam ich mit einem Kaffe bei Gabriella an. Ich ließ mich neben sie fallen und strich mir übers Gesicht. Dann wandte ich den Blick zu Gabriella. "Was denkst du gerade?.." murmelte ich leise, nachdem ich sie einige Momente lang gemustert hatte. Ich nahm an, dass sie über ihre Schwester nachdachte. Meine Augen wanderten langsam zu ihern Lippen, die sich leicht spitzten, als sie von dem Kaffee trank. Ich würde sie gerne wieder küssen. Doch es war wohl nicht der beste Moment.

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Gabriella
Gelöschter Benutzer

Re: Wartezimmer für Besucher

von Gabriella am 01.07.2017 23:20

Viel zu schnell für meinen Geschmack kamen wir im St. Mungo an. Ich hatte Hazel noch irgendwas sagen wollen, wie... Keine Ahnung... Dass ich hoffte, dass es ihr bald besser ging, dass ich mir Sorgen um sie machte, aber fest daran glaubte, dass alles gut gehen würde, aber ich brachte keinen Ton über die Lippen. Stattdessen murmelte ich nur noch ein. "Wir sehen uns nachher." und dann wurde sie schon in ein anderen Zimer geführt, während Wyatt und ich Wartezimmer zurück blieb. Ich hatte keine Ahnung, wie das jetzt ablaufen würde, aber ich bevorzugte es erst einmal hier sitzen zu bleiben. Ich hatte Hazel nicht mehr groß erkärt, weswegen Wyatt mit kam, nur dass er mit kam, für mehr hatte ich keine Zeit mehr und so richtig wusste ich auch nicht, wie ich ihr das hatte sagen sollen.
Als Wyatt fragte, ob er mir einen Kaffee bringen sollte, schüttelte ich den Kopf. Dann jedoch dachte ich darüber nach, dass ich keine Ahnung hatte, wie lange die Hazel da behielten und wie lange ich wach bleiben müsste, also nickte ich dann doch. "Ja... ja ich schätze ein Kaffee wäre gut.", murmelte ich und platzierte dann die Tasche mit den Wechselsachen auf dem Stuhl neben mir, um Wyatt so einen Platz frei zu halten.
Als er ging lehnte ich meinen Kopf gegen die Wand und versuchte mir nicht allzu sehr Gedanken darum zu machen, wie das hier werden sollte. Stattdessen friemelte ich den Verlobungsring unter meinem Shirt hervor, den ich immer noch an einer Kette trug und spielte gedankenverloren damit herum. Wyatt hatte vorhin ein wenig unbegeistert ausgesehen, sobald sein Blick auf den Ring gefallen war und seither war ich unsicher. Er hatte gesagt, mir würde die Freiheit weggenommen werden, mich zu verlieben. Aber ich hatte irgedwie nicht das Gefühl gehabt, dass er dabei wirklich von mir sprach. Ich hatte eher das Gefühl, dass es ihm dabei so ging. Natürlich war er nicht begeistert davon, mich zu heiraten. Aber dennoch war das nicht unbedingt das, was ich hören wollte oder seine Reaktion die, die ich sehen wollte. Ich hatte mich mit meinem Schicksal irgendwie abgefunden und angefreundet und ich hatte gehofft, diese Abneigung würde sich irgendwie legen. Aber je mehr ich diese Gedanken zerkaute, desto mehr schwand meine Hoffnung dahingehend.

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Wyatt
Gelöschter Benutzer

Wartezimmer für Besucher

von Wyatt am 01.07.2017 21:14

[xxx]


Der Transport vom Schloss ins St. Mungo ging schnell und reibungslos. Gabriellas Schwester Hazel wurde dann sofort auch hinter diese Türen hier gebracht und mir blieb kaum Zeit ihr ein peinlich berührtes 'viel Glück' auszusprechen. Sie hatte mich verwirrt angeguckt und auch ein wenig misstrauisch. Aber darüber würde ich mir später Gedanken machen.
Ein wenig planlos und noch müde, ließ ich mich auf einen der Stühle nieder. Ich fuhr mir über die Augen und blickte dann zu Gabriella. "Soll ich dir einen Kaffee oder so holen?" fragte ich sie ein wenig besorgt. Es war einekomische Situation. Nicht nur, weil wir hier saßen und darauf warteten, dass ihre Schwester untersucht wurde. Auch, weil wir kein Wort über den Kuss von vorhin verloren hatten. Ich wusste nicht sicher, was ich davon halten sollte.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 01.07.2017 21:14.
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