Vergangenheitsplay » 17

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Alice
Gelöschter Benutzer

Re: Vergangenheitsplay » 17

von Alice am 05.10.2018 22:38

Lexies blonder Haarschopf war so schnell durch die offene Tür verschwunden, dass es schon fast an Lichtgeschwindigkeit gegrenzt hatte. Eilends klaubte ich meine Handtasche von dem kühlen Steinboden und versuchte der Ravenclaw und den anderen Erlesenen, wie Lexie und ich sie immer scherzhaft nannten, nach zu kommen- doch zu spät. "Hat Ihnen der Nachtisch geschmeckt, Miss Prewett?". Natürlich hatte er das, es hatte einen überdimensionalen Eisbecher gegeben, am liebsten hätte ich noch einen zweiten verdrückt. Es konnte derzeit gar nicht genug Süßkram sein... 
Als der Professor mein langsames zur Tür schreiten endlich richtig deutete und mir im behäbigen Tempo folgte, nutzte ich die Chance aus dem dunklen Kerker zu schlüpfen, wo meine beste Freundin endlich zu meiner Rettung eingriff. "War es. Es ging um- Eiscreme!", gab ich bewusst gelangweilt zurück, "Seine Lieblingssorte ist übrigens Butternut Toffee!". Lange konnte ich nicht an meinem monotonen Gesichtsausdruck festhalten, meine Mundwinkel zuckten bereits amüsiert nach oben. "Wäre er nicht so dieser knuddelige Teddy-Typ, ich schwöre es dir, ich hätte ihn schon oft genug in seinen Sermonen sitzen lassen. Würde ihm sicher nicht mal gleich auffallen, wenn man einfach aufstehen und gehen würde! Aber dieser Nachtisch... war er nicht einfach himmlisch?". Der Geschmack der cremigen Sahne lag mir immer noch auf der Zunge. Ich blieb kurz stehen und hielt auch durch den dadurch entstandenen Ruck Lexie zum Stehen an. Mit fragendem Blick wandte die Blondine sich zu mir um, ich hielt mich nur kommentarlos an ihrer Schulter fest und streifte mir seufzend die hohen Schuhe von den schmerzenden Füßen; die ich dann in der freien Hand weitertrug, die andere hatte sich wiedef bei Lexie eingehakt. Jetzt war ich zwar noch kleiner als die Ravenclaw, aber ich war froh das Teufelswerkzeug endlich los zu sein. "Wir wurden eben beim Dinner unterbrochen! Was wolltest du mir erzählen?", fragte ich und blickte interessiert zu ihr auf. Sie wollte gerade ansetzten mir weiter über ihre Unentschlossenheit mit Chester zu erzählen, als Professor Slughorn seine "kleine" Ansprache gehalten hatte und das Essen serviert wurde. Danach waren die Blonde und ich durchgehend in andere Gespräche verwickelt worden.

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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Lexie am 06.10.2018 00:01

"Hmmm, ja.", schwärmte ich und schloss genießerisch die Augen, während ich auf meiner Zunge fast noch einmal den leckeren Eisbecher schmeckte, den ich eben zum Nachtisch verputzt hatte. "Die Hauselfen übertreffen sich bei dem Nachtisch aber auch jedes mal wieder aufs Neue! Schade, dass es die beim Essen in der Großen Halle nicht so gibt ... obwohl ..." Ich rieb mir über meinen vollgestopften Bauch und seufzte. "Vielleicht ist das auch besser so. Sonst müsstest du mich demnächst die Treppen zum Unterricht hochrollen." Bei dem Gedanken musste ich kichern. Als sie plötzlich stehen blieb musste ich einen Moment lang mit meinem Gleichgewicht kämpfen; dass ich auf beiden Beinen stehen blieb war auch nur der Tatsache zu verdanken, dass ich mich noch immer an Alice festhielt. Fragend sah ich sie an, nickte aber sofort verständnisvoll, als sie begann die hohen Schuhe von ihren Füßen zu streifen. Ich hatte auf meine heute mal wieder verzichtet und war stattdessen in ein Paar rosane Ballerinas geschlüpft. Besonders groß war ich zwar nicht, aber mit meinen linken Füßen war es nie eine gute Idee, auf Absätzen herum zu laufen. Es endete ohnehin jedes Mal in blauen Flecken und lauter Blasen, weshalb ich liebend gerne darauf verzichtete. 
"Beim Dinner? ... Oh ... oh ja!", machte ich und wurde bei dem Gedanken daran augenblicklich rot. Ich hatte ihr grade von der Zugfahrt am ersten September erzählen wollen, als Slughorn mit seiner Ansprache begonnen hatte. Wohl zu meinem Glück: Beim Essen war die Gefahr sowieso zu hoch, dass einer unserer Mitschüler unser Gespräch verfolgen konnte. Chester durfte einfach nicht erfahren, was ich mir in letzter Zeit für Gedanken um ihn machte. "Naja, allzu spannend war es eigentlich nicht ... Wir haben uns die gesamte Zugfahrt über ein Abteil geteilt. Und ich habe mich vermutlich wieder wie die größte Idiotin verhalten." Theatralisch legte ich mir den Handrücken vor die Stirn und seufzte laut. In Alice' Gegenwart neigte ich häufiger dazu alles zu dramatisieren. Nicht, dass es auch nur einen von uns störte. 
"Gibt es denn keinen Gegentrank gegen sowas?", beschwerte ich mich und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. "Das wäre doch mal ein Thema, über das man sich mit Slughorn unterhalten kann!" Liebend gerne würde ich mich mal wieder mit Chester unterhalten, ohne bei jedem Wort von ihm dieses Kribbeln in meinem Bauch zu spüren. Das war bloß eine harmlose Schwärmerei - zumindest redete ich mir das selbst immer wieder ein -, aber ich hatte riesige Angst davor, dass dieses Gefühl nicht mehr weggehen würde. Oder noch schlimmer, dass Chester davon erfahren könnte. Himmel. 


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Alice
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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Alice am 06.10.2018 00:31

Grinsend sah ich zu meiner besten Freundin. "Quatsch würdest du nicht! Ich würde dich einfach zum Joggen gehen zwingen!". Ich hatte oft versucht die Blondine davon zu überzeugen, mich bei meinen Runden um den schwarzen See zu begleiten. Sogar nachdem ich, dank ihrer angeborenen Tollpatschigkeit, im Wasser gelandet war, weil Lexie über ihre eigenen Füße gestolpert und in mich reingekracht war. Als ich auftauchte, wusste ich nicht genau was stärker war, das Bibbern meiner Zähne oder mein lautes Lachen. Blondie hatte es natürlich geschafft sich halbwegs grazil abzurollen und auf ihrem Hosenboden mitten auf dem Weg sitzen zu bleiben- ebenfalls lachend versteht sich.
"Keine Ahnung, warum ich mir das jedes Mal wieder antue!", murmelte ich, die Pumps in meiner Hand unterstreichend schwingend. Wahrscheinlich um mein Größendefizit etwas kleiner zu halten, was ich natürlich bis auf's Blut abstreiten würde. Aber zu besonderen Anlässen kramte ich die Dinger eben aus der hintersten Ecke meines Schrankes; besondere Anlässe häuften sich nur leider mit der Mitgliedschaft im Slug-Club. Semicool für ein Sneakers-Mädchen.
Mir ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen könnend, betrachtete ich Lexies dramatische Geste. "Du hast dich sicher nicht verhalten wie die größte Idiotin", beschwichtigte ich, mir meiner Worte auch völlig sicher. Lexie war keines dieser albernen, kichernden Mädchen, deren IQ auf das einer Amöbe sank, wenn es mit einem Jungen sprach. Sie war eben heftig verguckt in Chester, um das Ganze milde zu benennen. Einmal hatte ich in dem Zusammenhang das L-Wort fallen lassen und war froh, dass sie in dem Moment nicht mehr hatte als ein Kissen was sie nach mir werfen konnte. "Was glaubst du denn Schlimmes gemacht zu haben?", wollte ich weiter wissen, den Griff um den zierlichen Arm meiner Freundin etwas verstärkend, um unbemerkt einen anderen Weg einschlagen zu können. Streng genommen einen Umweg. Aber der Direkteweg war auf der Liste der ausge-x-ten! Gefangen in ihrer Geschichte, war ich mir sicher, dass sie mein kleines Manöver nicht gemerkt hatte, denn ich knüpfte quasi ohne wirkliche Pause an meinen vorherigen Satz an. "Oder hast du dich etwa wieder an Traumdeutungen versucht?", mein skeptischer Blick von der Seite dürfte ihr nicht unbemerkt geblieben sein. "Sollte es diesen Trank geben, dann werde ich nicht eher ruhen, bis ich das Zeug perfektioniert habe!", stimmte ich ebenfalls in einem  Anflug aus Theatralik zu, teils ironisch angehaucht, doch mehr aus tiefstem Interesse. "Wir werden es definitiv beim nächsten Treffen, wenn wir Slugi alleine abpassen erfragen. Aus rein wissenschaftlichen Gründen versteht sich, falls er fragt!". Natürlich, aus was auch sonst...

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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Lexie am 06.10.2018 23:32

Mit meinem typischen unmotivierten Gesichtsausdruck - den sie mittlerweile in- und auswendig kennen müsste, weil ich ihn jedes Mal aufsetzte, wenn sie das Thema 'Sport' erwähnte - sah ich sie von der Seite an, bevor ich mit einem Seufzen sagte: "Wenn du mir ein Fläschen Felix Felicis besorgst, damit ich nicht wieder über jedes einzelne Steinchen auf dem Weg stolpere ... dann komme ich gerne mal wieder mit. Aber für die Allgemeinheit ist es vermutlich besser, wenn ich mir so einen Eisbecher besorge und mich damit in meinen Schlafsaal verziehe ..." Mit einem seeligen Grinsen richtete ich meinen Blick von Alice ab und stattdessen auf den Gang vor uns, um nicht womöglich schon wieder über meine Füße zu stolpern. Woher sie die Motivation nahm eine ganze Runde um diesen riesigen See zu laufen, blieb mir ohnehin ein Rätsel. Selbst wenn ich nicht zwei linke Füße hätte, würde ich meinem Bett jeglicher Art von Sport immer vorziehen. Vielleicht konnte ich ja Alice dazu überreden, statt ihrer Joggingrunde mit mir in der Küche ein paar Eisbecher abzuholen ... die Hauselfen lasen einem doch jeden Wunsch von den Augen ab ...
Ich war mir nicht ganz sicher, ob Alice grade wirklich der Überzeugung war, dass ich mich nicht wie eine Idiotin aufgeführt hatte, oder ob sie grade versuchte ihrem Job als Beste Freundin alle Ehre zu machen und versuchte, mich zu beschwichtigen. "Ich bin auf ihn drauf gefallen", antwortete ich kleinlaut und spürte, wie mir die Röte in die Wangen schoss. Beim Grund für Alice' Beruhigungsversuch tippte ich jetzt auf die zweite Variante. "Ich wollte nur was aus meinem Koffer holen ... also, ich bin eher etwas geflüchtet, weil er meine Hand gehalten hat und ..." Ich bemerkte selbst, dass sich mein Sprachtempo mindestens verdoppelt hatte und musste mich selbst unterbrechen, um einmal Luft zu holen. "- jedenfalls hat der Zug in dem Moment ... keine Ahnung, was das war, aber der Zug hat in dem Moment geruckelt, und da bin ich gefallen ... auf Chester."  
Wieder schüttelte ich den Kopf und sah Alice peinlich berührt an. "Und jetzt sag mir nicht, dass ich mich damit nicht komplett zum blamiert habe. Es kommt mir vor, als hätte sich mein Gleichgewichtssinn komplett von mir verabschiedet, seit diese ganze Sache mit ihm angefangen hat" 
Meinem frustrierten Stöhnen folgte eine kurze, aber sehr gespenstische Stille im Gang. Jetzt erst bemerkte ich, dass wir einen anderen Weg eingeschlagen hatten, ohne dass ich etwas davon mitbekommen hatte. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich Alice an. "Du willst wirklich lieber einen kompletten Umweg nehmen, anstatt da her zu laufen, obwohl es sowieso schon viel zu spät ist, um noch irgendjemanden zu treffen?", fragte ich verwundert, machte aber keine Anstalten sie zum Umdrehen zu bewegen. Nicht, dass ich darauf bestanden hätte einen anderen Weg einzuschlagen, aber wenn Alice das sowieso wollte würde ich mich nicht beschweren. Meinetwegen konnten wir gerne einen weiten Bogen um den Gemeinschaftsraum des anderen Hauses machen ... "Hast du noch nicht mit ihm gesprochen?", hakte ich fragend nach. Als sie mir von der Trennung erzählt hatte war ich überrascht gewesen; damit gerechnet hatte ich nicht, aber ich war natürlich ohne lästiges Nachfragen sofort auf ihrer Seite gewesen. Aber da die Schule grade erst wieder richtig losgegangen war, hatten wir kaum richtig Zeit gehabt, um über alles zu reden.
"Vielleicht müssen wir ihn ja ein bisschen mit Feuerwhiskey abfüllen, damit er uns das erzählt", überlegte ich laut. "Ich meine, es es gab immerhin auch schon jemanden, der einen Liebestrank erfunden hat, dann wir es den passenden Gegentrank dafür ja wohl auch geben." Meine Überlegung fand ich plausibel. Bestimmt kannte Slughorn wirklich das Rezept für so einen Trank, aber aus irgendeinem Grund durften - oder wollten - die Lehrer uns das nicht beibringen. Obwohl ich mich dann doch fragte, was an dem Trank so viel schlimmer war als an dem 'Trank der lebenden Toten' ...


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Alice
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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Alice am 07.10.2018 14:38

Automatisch verzogen sich meine Lippen zu einem breiten Grinsen, ohne dass ich den Blick meiner besten Freundin zu wenden musste. Ich kannte den Blick welchen sie mir gerade schenkte, schließlich hatte ich mich schon oft genug darüber amüsiert. "Wenn du mir versicherst, dass du dann definitiv in deinen Laufschuhen neben mir auf den Weg trittst, brau ich dir den eigenhändig!", gab ich trocken, aber immer noch lächelnd, zurück. Nicht dass ich mir einen Trank dieser Schwierigkeitsstärke wirklich zutraute, ganz gleich wie gut meine Noten in Zaubertränke waren. "Joggen schließt den Jumbo-Eisbecher ja nicht aus, da dürfte ich doch als Paradebeispiel dienen!". Zu meinem Geburtstag im Sommer hatte die Ravenclaw mir immerhin einen Eis-Gutschein geschenkt, der postwendend am selben Tag auf den Kopf gehauen wurde. 
Aufmerksam lauschte ich der offensichtlich spannenden Zugfahrt meiner Freundin, an ihr beachtliches Sprechtempo war ich mittlerweile gewohnt. Immer wenn Lexie nervös war, verdoppelte sich die Anzahl der Worte pro Minute. Anfangs hatte auch ich da meine Schwierigkeiten mit gehabt, aber wor waren immerhin nicht erst seit gestern befreundet. "Moment, Moment, Moment", klinkte ich mich, die Augen leicht zusammenkneifend und den Kopfschüttelnd, "Was soll das heißen, er hat deine Hand gehalten? Einfach so? Wieso erzählst du das wie beiläufig??? Ich brauch mehr Infos!". Schließlich sollte ich doch bei der Analyse behilflich sein, da konnte sie mir doch unmöglich solche wichtigen Details vorenthalten. Abgesehen davon, dass doch gerade die so spannend waren. Lexies Wangen hatten mittlerweile die Farbe von sonnengereiften Tomaten, was ich aus Rücksicht nicht ansprach. Wer wurde schon gerne auf seine Verlegenheit angesprochen- das machte es schließlich nur noch schlimmer. "Na schön, du bist gefallen. Na und? Sofern du ihm nicht die Nase gebrochen hast, ist doch nichts dabei", meinte ich lässig, dabei untermalend die Schultern zuckend, hauptsächlich um ihr über die von ihr empfundene Peinlichkeit hinweg zu helfen, "Damit hast du wenigstens einen bleibenden Eindruck hinterlassen, so gehst du ihm sicher nicht mehr aus dem Kopf. Außerdem konntest du ja nicht wirklich was für, der Zug war es schuld!". Kurz schwieg ich und ließ meine Worte wirken, bevor mir noch was einfiel. "Du hast doch nichts Peinliches gestammelt oder?".
Die Fackeln an der Wand tauchten den Gang in ein unheimliches Licht, aber irgendwie passte es zu Lexies Frage, die sehr wohl mein Manöver enttarnt hatte. Verdammt. "Eine extra Runde schadet uns nach dem kalorienbeladenem Abendessen sicher nicht!", murmelte ich ausweichend. Sie hatte recht. Natürlich hatte sie das. Ich handelte in der Sache absolut irrational. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir jetzt noch einen Dachs außerhalb des Gemeinschaftsraumes treffen würden war gering, Slugclub-Mitglieder mal außen vor. Dennoch war ich nicht bereit das Risiko einzugehen. Ich schüttelte den Kopf, Lexies Blick gekonnt ausweichend. "Nein und um ehrlich zu sein, fehlt mir dazu auch der Antrieb. Wer gibt schon gerne zu, dass man sich wie eine Idiotin verhalten hat!". Abgesehen davon war ich mir noch nicht sicher, in wie weit ich meine Gefühle Emrys gegenüber schon unter Kontrolle hatte. Denn zusätzlich zum Einräumen eigener Fehler in Tränen aus zu brechen, war für mich ausgeschlossen. Irgendwie hatte ich dazu auch keinen Grund, außer dass mein übertriebenes Theater eine wirklich schöne Beziehung auf dem Gewissen hatte. Streng genommen war das wohl auch Grund genug...
"Dann müssten wir erst in die Küche einbrechen, dort eine Flasche Whiskey klauen, die Umkorken und ihm dann als Geschenk anpreisen", stieg ich ulkend in Lexies Gedankengang ein. "Aber es gibt doch einen Gegentrank auf einen Liebestrank! Der bewirkt aber nur, dass du diese chemisch herbeigeführte Verliebtheit, die ja kein echtes Gefühl ist, wieder verlierst! Das was wir empfinden ist nicht durch irgendeinen Hokus Pokus entstanden. Wir bräuchten folglich einen Trank der reale Verliebtheit ausknipst!", grübelte ich, "Und da wäre dann die Frage der Wirkung! Ist die temporär oder dauerhaft? Weil nie mehr Verliebt sein wäre auch mist!". Aktuell würde mir auch ein Anti-Liebeskummer-Trank oder Zauber oder irgendein Kraut mehr als genügen.

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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Lexie am 07.10.2018 16:15

"Versichern kann ich dir das nicht. Wenn du den Trank selbst braust muss ich wohl auf dein Talent in Zaubertränke vertrauen.", antwortete ich kichernd, dann seufzte ich nochmals dramatisch. "Vielleicht bin ich auch ein so hoffnungsloser Fall, dass mir nicht einmal mehr der Glückstrank helfen kann?" 
Joggen und dann der Eisbecher? Ich seufzte. "Aber wenn ich nach einer Runde um den See diesen riesigen Eisbecher verdrücke bekomme ich ein schlechtes Gewissen ... Weil das Joggen dann ja fast umsonst war. Aber wenn ich gar nicht erst los gehe ..." Ich zuckte mit den Schultern. "Das macht vielleicht nicht unbedingt Sinn, aber für mich ist das logisch. Lexie-Logik.", fügte ich mit einem leisen Kichern hinzu. 
Ihr Interesse an dem Händchen-Halten mit Chester winkte ich nur mit einer kurzen Handbewegung ab. "So spektakulär war das nicht. Naja, für ihn nicht.", ergänzte ich. "Ich habe ihn zu meinem 'Fliegen im Zug' gezwungen, und er ist dann nach seinem ersten Versuch aufgestanden und hat sich neben mich gesetzt und meine Hand gehalten ... Wegen des Fliegens, natürlich." Alice kannte mich besser als sonst jemand in diesem riesigen Schloss, und sie hatte mich schon oft genug dabei beobachten können, wie ich im Zug die Augen schloss und mir vorstellte, stattdessen zu fliegen. Zumindest war dieses Gefühl das Nächste, was ans Fliegen heran kam, was für eine Person wie mich (die schon über ihre eigenen Füße stolperte) möglich war. Das mit dem Fliegen auf einem Besen hatte ich versucht, aber da war ich schon oft genug durch eine Schusseligkeit runter gepurzelt. 
Hatte ich etwas Peinliches gestammelt? Genau daran erinnern konnte ich mich nicht mehr, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt gewesen war, von Chesters Schoß aufzuspringen. Aber wir sprachen hier von mir, von daher ... "Ich, ähm ... nein", antwortete ich peinlich berührt und mied ihren Blick. Da wir grade um die nächste Ecke bogen, musste ich mich sowieso darauf achten meine Füße richtig voreinander zu setzen. 
Ein kleiner Spaziergang nach dem Abendessen war vermutlich wirklich nicht die schlechteste Idee. Professor Slughorn liebte es, uns jedes mal mit dem riesigen Buffett zu verwöhnen. "Ich tue das, aber nur dir gegenüber", erwiderte ich seufzend und tätschelte besänftigend ihre Schulter. "Scheint so als hätten wir zwei Möglichkeiten: Entweder ich rede dir jetzt ein, dass es keinen Sinn macht, dem Problem länger aus dem Weg zu gehen oder ... ich unterstütze dich dabei und warte mit dir, dass Gras über die Sache wächst. Mir gefällt Letzteres eindeutig besser ... vorallem weil ich momentan auch nicht der größte Freund der Hufflepuffs bin ...", nuschelte ich und zuckte mit den Schultern, bevor ich Alice anlächelte. Letztes Jahr war alles noch so viel einfacher gewesen. Wie hatten wir es geschafft gleichzeitig in so einem Schlamassel zu landen?
"Hm", machte ich nachdenklich. Die Fähigkeit mich zu verlieben wollte ich auf gar keinen Fall verlieren. Irgendwann einmal, in ein paar Jahren vielleicht, wollte ich das komplette Paket haben, von dem kleine Mädchenherzen höher schlugen: Mann, Heirat, Kinder. Ganz viele Kinder. Aber wenn ich wegen so einer dämlichen Schwärmerei diese Zukunft aufs Spiel setzte ... "Mir würde es auch reichen, wenn es zeitlich begrenzt wäre. Ein Jahr wäre genug." Danach würde ich ihn vermutlich nicht mehr wiedersehen. Oder doch, bei unserem geplanten Campingsausflug. Sofern der denn stattfinden würde. "Oder sagen wir bis zum Ende der nächsten Sommerferien ...", fügte ich hinzu. Was Chester nach der Schule plante wusste ich nicht, aber wenn er es mit dem Ausflug ans Meer ernst gemeint hatte wäre ich auf jeden Fall dabei. Wobei es natürlich hilfreicher war, wenn ich dann nicht jedes Mal Herzrasen bekommen würde, wenn er ausversehen meine Hand streifte ...


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Alice
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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Alice am 07.10.2018 17:40

Mit erhobenen Brauen warf ich ihr einen dieser als ob- Blicke zu. Lexie war eines dieser glücklichen Mädchen, die Essen konnten was und wie viel sie wollten, ohne auch nur einen Gramm Fett anzusetzen. Dazu brauchte sie also keinen Sport. "Leuchtet mir schon ein. Das ist immerhin die Logik mit der ich groß geworden bin", meinte ich schmunzelnd und stieß sie während des Gehens sachte an, "Wobei groß in meinem Fall wohl eher relativ ist!". 
Mit einem knappen Abwinken wollte sie die Sache wieder geringfügiger machen als sie es war. Mit schräg gelegtem Kopf beobachtete ich die Blondine, ihr meinen Blick uneingeschränkt zugewendet. Was wiederum hieß, dass ich aktuell unsere Unversehrtheit in Lexies Hände legte. Zwei linke Hände, gekoppelt mit zwei linken Füßen. Aber ich war zu sehr in ihre Erzählung vertieft, als dass ich mich wirklich auf unser Vorankommen konzentrieren konnte. Ich war selbst schon oft genug mit Lexie in einem Zugabteil gewesen und kannte ihre Leidenschaft für dieses Gefühl nur zu gut. Wenn man nur ein bisschen Vorstellungskraft hatte und den Kontakt zum Sitz möglichst gering hielt, kam das Gefühl mit geschlossenen Augen wirklich dem eines Besenflugs gleich. Auch wenn der eigentliche Ritt auf einem Besen mit nichts zu vergleichen war. Aber Blondie hier neben mir war auf dem Boden schon stark unfallgefährtdet, in der Luft wurde die Wahrscheinlichkeit Gefahr für Leib und Leben zu laufen nicht geringer. "Das weißt du nicht", sagte ich entschieden, "Vielleicht ist er auch einfach nur unsicher und für ihn war es auch was Spektakuläres! Ich meine, immerhin hat er sich auf deinen 'Flug' eingelassen, hätte er sicher nicht, bei jeder gemacht!". Meinen Blick doch kurz von Lexie abwenden sah ich den leeren Gang hinauf. Chester und sie würden ein süßes Paar abgeben, mal ganz davon zu schweigen, dass sich die Blonde das bisschen Glück verdient hatte. "Lexie", seufzte ich dann theatralisch, den Kopf in den Nacken werfend, "Wenn du schon nicht den Typen kriegen kannst den du willst, was machen dann wir normalsterblichen Mädels?". Ich wusste nicht, wieso Lexie so verunsichert war, sie hatte ein Gesicht das sich viele Mädchen nur wünschem konnten.
Wieder sah ich das Mädchen neben mir an. "Du weißt es nicht mehr, stimmt's?", grinste ich wissend, "Also ich würde es generell als gutes Zeichen deuten, dass er sich auf deine Träumereien eingelassen und mitgemacht hat!". Ich legte eine kurze dramaturgische Pause ein, unsere tanzenden Schatten auf dem Steinboden musternd. "Du solltest nicht so ein Hasenfuß sein und ihn mal fragen ob ihr was machen wollt. Wahlweise könntest du es auch so angehen, dass du ihm öfter mal über den Weg läufst, ganz zufällig versteht sich, und ihn in Gespräche verwickeln. Dann dürftest du eine solide Grundlage bis Dezember gebildet haben und kannst ihn dann fragen, ob er dich zu Slughorns Weihnachtsparty begleiten will. Das ist unverfänglich und wirkt nicht verzweifelt!". Ich für meinen Teil fand den Plan meisterhaft und idiotensicher. 
Schweigend knabberte ich auf meiner Unterlippe rum, wie immer wenn ich nicht recht wusste was ich sagen sollte. "Ich bin auch für die Option mit dem Gras!", meinte ich leise, gleichwohl ich wusste, dass das keine Lösung war, "Ich meine, das Schloss ist gross genug ich kann ich kann ihm locker aus dem Weg gehen... und den Duellierclub schwänz ich einfach!". Genialer Plan, Alice, nein wirklich. "Erinnerst du dich noch an unser erstes Schuljahr, als wir gar nicht schnell genug 'erwachsen' werden konnten? Wir wollten unbedingt in der 7. sein! Aber keiner hat uns erzählt, dass 'erwachsen sein' scheiße ist. Heute wäre ich einfach gerne wieder 11 und fänd Jungs  wieder doof!". Irgendwann in der Ersten hatten Lexie und ich uns angefreundet, weil wir in verschiedenen Fächern nebeneinander gesessen hatten. Kaum zu glauben, dass das schon sechs Jahre her war. 
Immer noch auf meiner Lippe kauend, zuckte ich nachdenklich die Schultern. "Ich glaube ich will die Fähigkeit gar nicht einbüßen. Es fühlt sich zwar mies an, aber irgendwie gehört es zum Verliebt sein dazu. Irgendwie ist es auch realistischer, als dieses rosarote Brille happy-ever-after-Ding! Sind wir doch mal ehrlich, wie hoch ist die Scheidungsrate in Großbritannien aktuell?". Wie konnte man nur so theatralisch sein... 

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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Lexie am 08.10.2018 21:53

Über die Anspielung auf ihre Größe musste ich kurz lachen, allerdings setzte ich dann schnell wieder einen ernsten Gesichtsausdruck auf. Naja, ich versuchte es zumindest. In Wahrheit zuckten meine Lippen durchgängig, weil ich mir bei Alice' Worten ein breites Lächeln verkneifen musste. "Chester kennt mich schon fast so lange wie du. Ich glaube nicht, dass das für ihn etwas Besonderes war. Ich meine ... ich hab ihn schon zu seltsameren Sachen gezwungen.", entgegnete ich und seufzte. Chester starrten die Mädchen alle reihenweise hinterher. Warum sollte er nach all den Jahren also auf einmal etwas anderes als Freundschaft für mich empfinden, wenn er quasi jedes Mädchen in der Schule haben konnte. 
Bei Alice' nächsten Worten verdrehte ich die Augen. "Du tust ja so, als ob ich vom Himmel gefallen wäre", antwortete ich und schüttelte den Kopf. "Dabei würden genug Mädchen in dieser Schule töten, um mal einen Tag mit dir zu tauschen. Mal abgesehen davon, dass du bei den Jungs auch sehr viel erfolgreicher bist als ich." Was eventuell auch daran lag, dass Alice normal mit ihnen sprechen konnte, während mein dummes Gehirn mich in eine kichernde Zwölfjährige verwandelte, sobald ich einen Anflug von Gefühlen für mein Gegenüber hegte. Das beste Beispiel dafür war ja die Sache mit Chester. 
Mein Erinnerungsvermögen war so eine Sache. Ich hatte ein fotografischen Gedächtnis, was mir oft genug zu meinen guten Noten verhalf, aber es leistete irgendwie nur halbe Arbeit - auch wenn das zum Großteil meine Schuld war. Ich konnte die Situation im Zug wie einen Film vor meinen Augen abspielen, aber ich hatte keine Ahnung, was für einen Mist ich vor mich hingestottert hatte, weil ich viel zu konzentriert auf Chester gewesen war. Alice kannte diese kleine Panne meinerseits auch schon gut genug; ich hatte oft verpeilt, meine Aufmerksamkeit (kurz bevor sie zusammen gekommen waren) auf Emrys zu richten, um ihr nachher detailliert zu erzählen, was er seinen Freunden über sie erzählte. Mittlerweile versuchte ich ein wenig mehr auf solche Dinge zu achten, aber in diesem Abteil hatte meine Aufmerksamkeit eben nur auf Chester gelegen. 
"Ich weiß ja nicht ...", murmelte ich und seufzte wieder. Alice' Plan hörte sich vielversprechend an, aber ich würde es früher oder später ohnehin vermasseln. Was, wenn Chester nichts weiter außer Freundschaft für mich übrig hatte und ich ihn damit total vor den Kopf stieß? "Ich würde ihm lieber aus dem Weg gehen, bis sich diese Unruhe in mir endlich mal legt ...", gab ich dann zu und sah sie von der Seite aus an. Ja, ich war ein kleiner Feigling. Aber vielleicht rannte ich ja demnächst einem dieser neuen Austauschschüler über den Weg, verliebte mich und konnte meine Freundschaft mit Chester fortführen, ohne sie durch unerwiderte Gefühle zu belasten?
"Wir könnten auch einen Pakt schließen, dass wir uns von gewissen Hufflepuffs fernhalten", schlug ich zögerlich vor und grinste Alice leicht an. "Und uns dazu noch versprechen, uns gegenseitig aus Situationen zu retten, falls wir doch mal auf sie treffen sollten." Chester für eine Weile aus dem Weg zu gehen schien für mich wirklich die beste Lösung zu sein. Vielleicht nicht die einfachste (für mich), aber mit Sicherheit die wirksamste. Wie ein kalter Entzug. Nur dass das bei Menschen vermutlich nicht das gleiche war ...
Lächelnd seufzte ich. "Ja, ich erinnere mich", meinte ich und konnte wirklich vor meinen Augen zwei sehr viel jüngere Version von uns sehen, die zusammen in einem leeren Klassenzimmer saßen und darüber fantasierten, wie toll es wohl wäre, endlich volljährig zu sein. Das war am Anfang des zweiten Schuljahrs gewesen, kurz nach den Sommerferien, und wir hatten uns darüber geärgert, dass wir Zuhause nicht selbst zaubern durften, solange wir die Spur auf uns hatten. Heute würde ich die Spur liebend gerne wieder zurück nehmen, wenn ich dafür die ganzen Probleme los wäre, die ich mit 11 Jahren noch nicht gehabt hatte. 
Ein freches Grinsen schlich sich auf mein Gesicht. "Obwohl du dich ja in den letzten Jahren zumindest von der Größte her kaum verändert hast", fügte ich hinzu und streckte ihr neckend die Zunge heraus. 
"Manchmal will ich es eintauschen und wie ein Gefühlsklotz durch die Gegend laufen, aber an anderen Tagen würde ich mich für den bloßen Gedanken selbst auslachen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was heute für ein Tag ist", antwortete ich nachdenklich, dann schüttelte ich den Kopf. "Es wird irgendwann ohnehin damit enden, dass wir irgendwann zu zweit in einer Wohnung mit ganz vielen Katzen wohnen. Oder zusammen im Altersheim sitzen, und die ganzen anderen Leute mit Kuchen bewerfen." Der Gedanke brachte mich zum Lachen. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich mal wieder keine Ahnung hatte, wo wir uns mittlerweile befanden. Im Dunkeln sahen diese Kerkergänge alle gleich aus, und da wir noch nicht einmal den normalen Weg gegangen waren hatte ich die Orientierung komplett verloren. Ich vertraute darauf, dass Alice schon wusste, wohin wir gingen. Wenn ich ohne sie hier wäre würde ich vermutlich niemals den Weg in meinen Schlafsaal finden ...


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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Alice am 10.10.2018 19:59

Das absichtlich frustrierte Seufzen ließ ich nicht ungehört und es vermischte sich mit dem rhythmischen Klackern der aneinander stossenden Absätzen meiner Schuhe. "Du stehst doch auch nicht schon seit der 1.Klasse auf ihn und plötzlich ist doch alles besonders. Wer sagt, dass es ihm nicht auch so gehen kann", meinte ich, meine durch die Feinstrumpfhose lackierten Zehennägel betrachtend. "Vielleicht, aber du bist immerhin keine 11 mehr, viel komischer als dein Flug hierher wird es wohl nicht mehr werden! Außerdem machen deine Flausen dich liebenswert!". Jedenfalls wenn man mich fragte. 
Bei Lexies übertriebenen Augenrollen musste ich herzlich lachen, was mich zwangsläufig den Griff um ihren Arm verstärken ließ. "Für mich bist du das auch. Voll karacho auf den Hosenboden- natürlich- vor meine Füße!", witzelte ich schleimend und nicht ohne ihre Tollpatschigkeit zu erwähnen, mit den Brauen wackelnd. Meiner übertrieben Lobeshymne auf meine beste Freundin folgte ein gequältes Seufzen. "Die wollten vielleicht mit mir tauschen, als ich noch mit einem lässigen Huffelpuff mit Grübchen zusammen war!". Und da war sie wieder- die Eifersucht, die dieser Beziehung den Rest gegeben hatte. Und die laut ihm völlig unbegründet gewesen war, was sie nur leider nicht geschmälert hatte. "Erfolgreicher?", schnaubte ich in einer Mischung aus Verachtung und Belustigung, "Wo bin ich denn bitte erfolgreicher als du? Du müsstest vielleicht mal aufhören permanent zu denken und verlegen zu kichern wenn du mit Jungs redest, klappt mit mir und anderen Mädels doch auch!". Wie unser vorheriges Gespräch doch wohl deutlich zeigte. 
Ich konnte förmlich hören wie die Blondine neben mir dachte und Szene für Szene der Zugfahrt in ihrem Köpfchen revue passieren ließ- ohne wirklich den Faden wieder zu finden. Stattdessen verweilte sie wahrscheinlich gedanklich einen Moment zu lange bei schönen dunklen Augen. "Ich würde dir ja jetzt gerne sowas sagen wie, dass aus dem Weg gehen nicht die richtige Lösung des Problems ist, aber ich darf wohl aktuell keine Ratschläge auf dem Gebiet rationaler Strategien geben!". Immerhin schwänzte ich den Duellierclub aus besagtem Grund. 
Von unten aufblickend erwiderte ich das zögerliche Lächeln der Ravenclaw. "Das klingt nach dem besten Pakt den wir Zwei jemals geschlossen haben!". Nicht unbedingt der reifste, aber das war ein anderes Thema. "Ich versprech dir jedenfalls es zu versuchen... auch wenn das zwangsläufig heißt, dass du mich noch seltener los wirst als eh schon!". Grinsend streckte ich ihr die Zunge raus, sie während des Gehens leicht anstubsend; was sich bei meiner tollpatschigen besten Freundin gleich als Fehler herausstellte, da wir stark ins Taumeln gerieten und fast der Länge nach auf die Nase gelegt hätten. Wenigstens hatte dies wieder ein erheitertes und um die Uhrzeit wahrscheinlich viel zu lautes Lachen zur Folge hatte. 
"Nein, wohl wahr. Damit hab ich in etwa in der Zweiten aufgehört!", grinste ich. Lexie war wahrscheinlich neben meinem Dad und Emrys die Einzige, die meine Größe überhaupt ansprechen durften und sogar in der Königsdisziplin darüber witzeln durften. "Dafür hat sich mein Style verbessert! Erinnerst du dich an den grausigen orangefarbenen Wollpulli den ich hatte?". Unwillkürlich schüttelte ich mich mit angewidert verzogenem Mund. Was mich damals auch immer geritten hatte im Laden unbedingt den zu wollen!
Grinsend passten Lexie und ich unsere Schritte einander an, wie wir es früher auch immer getan hatten. Einige Dinge würden sich wohl nie ändern. "Ach komm schon, cutie, du willst doch deine Gefühle generell nicht einbüßen. Was wäre denn Lexie ohne das Grinsen im Gesicht!", meinte ich lächelnd. Es war schon fast ein Markenzeichen der Blondine. "Ohh herrlich, was für ein wundervoll verrückter Gedanke! Wir wären sooo coole Grannys, egal ob im Altersheim oder als Cat-Lady-WG und in meinem Testament würde ich dir alle meine gefärbten Turm-Perrücken und meine bunten fake Perlen vermachen!". Trotz der eigentlich düsteren Stimmung, die diesen Irrsinn gefördert hatte, lachten wir doch erstaunlich viel. Wieder ein Punkt auf der Contra-Liste, meine Gefühle auf zu geben- ich würde diese unbeschwerten Gespräche und das Lachen bis man Bauchschmerzen bekam mit dem Mädchen neben mir nicht kampflos hergeben wollen. Mein Lachen wurde nur noch lauter, als Lexie- völlig orientierungslos- in Richtung des Verwandlungsklassenzimmers stapfen wollte- welches entgegengesetzt zum Ravenclaw-Turm lag. "Wo willst du denn hin? Na komm schon Blondie, ich bring dich heim", lachte ich, meine Hand mit den Pumps auf meinen ziehenden Bauch drückend. 

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Lexie

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Re: Vergangenheitsplay » 17

von Lexie am 14.10.2018 19:14

"Ja, schon ...", erwiderte ich auf Alice' Worte hin, seufzte dann aber erneut. "Aber es ist Chester." Das hörte sich ein bisschen so an, als würde ich hier nicht über einen sehr guten Freund, sondern über irgendein Alien sprechen, das nicht so dachte wie wir. Ich schüttelte den Kopf und ruderte zurück: "Ich meine, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es bei ihm auch so sein könnte. Zumindest war das bis jetzt noch nie so, und bei mir ... na ja, schon öfter mal." Chester war nicht der erste Freund, für den ich plötzlich anfing Gefühle zu hegen. Bei ihm waren es vielleicht bisher die stärksten, aber es gab bisher schon ein paar Freundschaften, die deswegen hatten leiden müssen. Und die arme Alice hatte sich mein Rumgeheule darüber die ganzen letzten Jahre über anhören müssen. 
"Wenn ich vom Himmel gefallen wäre, hätte ich es wahrscheinlich noch geschafft dabei im See zu landen oder so.", erwiderte ich und musste bei der Vorstellung kichern. Bei ihren nächsten Worten schnaubte ich nur. "Das ist leichter gesagt als getan. Das ist ungefähr das gleiche, als wenn du mir sagen würdest, dass einfaches Gradeauslaufen ohne zu stolpern doch gar nicht so schwierig ist. Unmöglich."
Alice stupste mich an, wodurch ich meinen grade gefunden Gehrhythmus verlor und wieder einmal über meine eigenen Füße stolperte. Da ich mich an ihrem Arm festhielt gerieten wir beide ins Straucheln, allerdings war das auch der Grund dafür, dass ich nicht der Nase lang hinfiel. Als ich mich wieder einigermaßen sicher auf meinen Beinen fühlte (obwohl das bei mir ja nie so ganz der Fall war) begann ich laut zu lachen und hörte, wie Alice in mein Gelächter einstimmte. Manchmal fragte ich mich in solchen Momenten, was wohl die Lehrer von uns denken würden, wenn sie uns jetzt lautstark lachend in diesem dunklen Kerkergang antreffen würden. Nach sechs bereits vergagenen Jahren in Hogwarts wahrscheinlich nicht mehr allzu viel neues. 
"Oh ja, ich erinnere mich. Obwohl es nicht einmal das schlimmste Outfit war, dass ich je bei einem anderen Schüler gesehen habe.", antwortete ich, etwas atemlos durch den ungeplanten Lachanfall. Alice hatte mit dem orangenen Wollpulli ausgesehen wie eine Karotte auf zwei Beinen, was aber vorallem daran lag, dass der Pulli ihr etwas zu groß gewesen war. 
"Ungefähr das gleiche wie Lexie mit einem gesunden Gleichgewichtssinn.", erwiderte ich mit meinen gewöhnlichen breiten Grinsen auf dem Gesicht. Sie hatte ja Recht, das hatte sie ja eigentlich immer. Trotzdem hielt ich es nicht für falsch, Chester erst einmal aus dem Weg zu gehen um diese Gefühle wieder loszuwerden. Immerhin wollte ich nicht, dass ich unsere Freundschaft damit irgendwie komplizierter machte, als sie sein müsste. Wir waren ja auch nicht im gleichen Haus, da würde es hoffentlich gar nicht so auffallen, dass ich ihm aus dem Weg ging ...
"Irgendwann spuken wir noch gemeinsam hier im Schloss und erschrecken die Erstklässler, die sich hier unten verirren, während wir hier unsere Geister-Teeparties veranstalten ..." Der Gedanke brachte mich wieder zum Lachen. Ich war immer schon ein sehr fröhlicher Mensch gewesen und so gut wie immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht anzutreffen, aber es gab keine Person mit der ich so viel lachte wie mit Alice. Für nichts in der Welt würde ich meine beste Freundin je wieder hergeben.
Verwirrt sah ich vom dunklen Gang, den ich angepeilt hatte, wieder zu Alice und zuckte dann mit den Schultern. "Bitte lass mich niemals alleine durch diese Gänge irren ...", beklagte ich mich mit einem Seufzen und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Eigentlich sollte ich mich ja nach sechs Jahren langsam mal zurecht finden, aber ich fürchte dass ich soweit niemals kommen werde ...", fügte ich hinzu und ließ mich von Alice in die offensichtlich richtige Richtung ziehen. Ich hatte nicht einmal eine Ahnung, wie weit es von hier aus noch zu unseren Gemeinschaftsräumen war. Wir hätten uns auch schon längst in den Gemäuern unter dem See befinden können, ich hätte es nicht gemerkt.


w e   a r e   k i n d r e d   s p i r i t s
forged in different fires but kindred

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