Zukunftsplay » 11
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Re: Zukunftsplay » 11
von Ida am 02.09.2018 23:47


Re: Zukunftsplay » 11
von Cody am 02.09.2018 23:24"Hm, ob Sonnenschein unbedingt das Richtige ist ...", murmelte ich nur und schüttelte über ihre Frage nur den Kopf. "Nicht wirklich, ich bin eben viel gereist. Da lernt man zwar viele neue Leute kennen, aber meistens eben nichts Festes. Vor allem, weil ich definitiv nicht auf der Suche bin." Die Einzige, die irgendwie Eindruck bei mir hinterlassen hatte, war das Mädchen aus dem Café in Italien gewesen. Ich hatte in den letzten Tagen öfter bemerkt, dass sich ihr Gesicht mit dem fehlenden Schneidezahn zurück in meine Gedanken schlich und mich über ihren Namen grübeln ließ, den ich leider wieder vergessen hatte. Vielleicht war sie ja heute noch immer an dem Strand, vielleicht aber auch nicht. So wie sich das angehört hatte, wollte sie die ganze weite Welt bereisen. Sie könnte bereits in einem ganz anderen Land sein.
"Ja, verrückt", bestätigte ich heiser. Meine Kehle war auf einmal staubtrocken. Ihre Worte machten das nicht grade besser. Sie weckten wieder diese leise, winzig kleine Hoffnung in mir, dass ich vielleicht wirklich jemanden gefunden hatte, zu dem ich gehörte. Eine Familie.
Einen Moment lang starrte ich nur sprachlos ihre Hand an, die meine festhielt und schüttelte ungläubig den Kopf. "Das ... das wäre ..." Ich presste die Lippen zusammen und holte tief Luft, bevor ich zugab: "Ich bin nicht durch Zufall bei deiner Agentur angefangen. Ich hab dein Bild in einer Muggelzeitung gesehen und ... und mir ist diese Ähnlichkeit aufgefallen. Und ich ... ich hab nicht ernsthaft gedacht, dass da vielleicht etwas dran sein könnte, aber ich war einfach neugierig. Und offensichtlich ... nicht zu Unrecht."
Das konnte doch alles nicht wahr sein. Ich spürte ein Gefühl in meiner Brust aufkeimen, dass mir einerseits die Luft abschnürte und gleichzeitig eine unbändige Freude auslöste. "Wenn du ... wenn du und dein Bruder auch Zauberkräfte habt, dann geht er doch bestimmt nach Hogwarts, oder?", fragte ich vorsichtig und starrte wieder auf das Foto in ihrer Hand. Dass Ida eine Hexe war verstärkte meinen Verdacht noch einmal, aber ich wollte nicht daran glauben. Wenn es doch nicht stimmte, würde die Enttäuschung nur umso größer sein. Ida hätte dann immer noch ihren Bruder. Ich hätte niemanden, nur die weggeworfene Hoffnung auf eine mögliche Familie.


Re: Zukunftsplay » 11
von Ida am 02.09.2018 22:57


Re: Zukunftsplay » 11
von Cody am 01.09.2018 17:28Ich konnte gar nicht anders, als Ida von der Seite aus anzugrinsen. "Ich versuch's", versprach ich ihr und schüttelte dann leicht den Kopf. Wenn es einer schaffen konnte, meine Mauern einzureißen ... dann war das wohl Ida. Zumindest hatte sie einen sehr starken ersten Eindruck bei mir hinterlassen. Es war beinahe so, als würde ich sie schon längst kennen. Merkwürdig.
Ihre Fassungslosigkeit überraschte mich nicht. Die meisten Leute reagierten so, wenn ich denn mal mit meiner 'traurigen' Vergangenheit heraus rückte. Ich schob meine Hände in die großen Taschen meines Pullovers. "Das muss dir nicht leid tun", erwiderte ich schulterzuckend. "Das ist schon sehr lange her, und ... naja, vielleicht war das ja besser so. Für mich, meine ich. Wer weiß schon wie mein Leben ausgesehen hätte, wenn ich bei solchen Menschen aufgewachsen wäre?" Ich hatte mich ja auch mittlerweile damit abgefunden. Irgendwie. Zumindest redete ich mir das ein, auch wenn ich mich oft genug fragte wie meine Eltern wohl gewesen waren. Vielleicht stand Ida ja auch schon einmal vor dem Spiegel und hatte sich gefragt, von welchem Elternteil sie wohl die Augenfarbe oder die Form ihres Kinns geerbt hatte. Ich tat das, auch wenn ich mich schnell abwandte, wenn ich mich selbst dabei erwischte.
Das Hotel, in dem Ida anscheinend im Moment wohnte sah riesig aus. Alleine die Anzahl der Stockwerke haute mich vom Hocker. Ich hatte noch nie in so einem riesigen Hotel übernachtet. Darin gearbeitet, ja, aber danach hatte ich mich meistens in eines der kleinen Zimmer verzogen, die ich meistens bewohnte. Irgendein verlassenes Zimmer, für das sich sonst kaum jemand interessierte. Obwohl das hier auch seinen Reiz hatte ...
Ich ließ mich von Ida in ihr Hotelzimmer führen und biss mir auf die Lippe, damit meine Kinnlade nicht herunter fiel. Das ganze Zimmer war mindestens drei oder vier Mal so groß wie das, in dem ich momentan schlief. Merlin sei Dank hatte Ida eben nicht bemerkt, dass das schäbige Haus vorhin mein derzeitiges Zuhause war. Ich ging hinter ihr her und betrachtete ein paar der herumliegenden Sachen - wobei der Gedanke, dass es hier nicht komplett aufgeräumt war extrem beruhigte, warum auch immer -, bis mein Blick an etwas hängen blieb. Auf einem kleinen Schrank (vielleicht war es ja ein Kleiderschrank? Sie brauchte vermutlich nicht mal einen großen, sie konnte ihre Kleidung ja quasi auf der Arbeit verstauen) lagen ein paar Bücher, Zettel und ein paar Fotos. Ich machte unbewusst einen Schritt darauf zu und betrachtete die Person, die darauf zu sehen war. "Wow ...", entfuhr es mir leise, als ich weiter in das Gesicht starrte. Dass die Person auf dem Foto sich bewegte fiel mir gar nicht auf - ich war es ja gewohnt -, weil die Ähnlichkeit mit meinem eigenen Gesicht viel zu verblüffend war.
Mein Mund musste vor Verblüffung mittlerweile komplett offen stehen. Ich ging noch einen Schritt näher an den Schrank und zog das Foto zwischen den restlichen Papieren und Büchern hervor, um es noch näher zu betrachten. Die Augen waren anders, aber sonst kam es mir vor, als ob ich in einen Spiegel schauen würde. Verrückt.
Ich sah zu Ida und wieder zu dem Foto. Vielleicht war das ja nur ein riesiger Zufall. Je länger ich das Gesicht betrachtete, desto mehr Unterschiede fielen mir auf (oder redetete ich mir ein). Ich setzte ein Grinsen auf und hob mit einem leichten Lachen das Foto hoch. "Hey, der sieht ja aus wie ich", meinte ich leichthin und deutete mit dem Finger auf das Grinsen des anderen Jungen. Vielleicht hatte Ida sich ja nur weiter mit mir unterhalten, weil mein Gesicht ihr bekannt vor kam?
Ich räusperte mich und legte das Foto vorsichtig wieder zu den anderen Sachen, wobei ich feststellte, dass meine Finger zitterten. Vielleicht war das ja irgendein Freund aus der Schule. Oder ihr Verlobter. Obwohl eine winzige Stimme in meinem Hinterkopf mir zuflüsterte, dass diese ganzen Zufälle sich viel zu sehr häuften ...


Re: Zukunftsplay » 11
von Ida am 01.09.2018 14:09


Re: Zukunftsplay » 11
von Cody am 31.08.2018 01:27Der Verdacht, dass sie vorhin wirklich von Hogwarts gesprochen hatte schien sich ja tatsächlich zu bestätigen, als sie von ihrer eigenen Schule erzählte. Vielleicht war Ida ja wirklich eine Hexe, und ihr Bruder ein Zauberer, aber vielleicht malte ich mir auch nur Sachen aus, wie ich sie sehen wollte. So große Zufälle konnte es doch nicht geben, oder?
"Meine Komfortzone ist nicht besonders groß", gab ich zu. "Wobei es ja auch noch nie wirklich jemanden gab, der da durchgebrochen ist, von daher ..." Ich grinste Ida von der Seite aus an. Ich verspürte kaum noch das Bedürfnis nach irgendjemandem, der diese Herausforderung annehmen wollte. Auf ihre nächste Frage schüttelte ich wieder nur mit dem Kopf, konnte aber nicht verhindern, dass ein paar Gesichter vor meinen Augen auftauchten. "Zumindest niemand, der geblieben ist", antwortete ich deshalb. Ich hatte ien Talent dafür, Freundschaften zu verlieren. Mit Ida würde das vermutlich auch so sein, obwohl es sich mit ihr wirklich irgendwie anders anfühlte als mit den anderen Menschen, die ich bisher getroffen hatte. Als hätte ich sie vorher schon gekannt. Aber vielleicht lag das auch einfach daran, dass ich ihr Bild schon vorher in der Zeitschrift gesehen hatte.
"Vielleicht war es ja auch gar nicht zu schlimm. Zumindest für die anderen Kinder nicht, allerdings waren die auch nie das seltsame Kind, das neben einem Wanderweg gefunden wurde", murmelte ich leise vor mich hin und fischte die letzte Pommes aus meiner Tüte, bevor ich sie zerknüllte und in den nächsten Mülleimer saß. Ob Idas leibliche Eltern sich wohl die Mühe gemacht hatten, sie und ihren Bruder irgendwo abzugeben? Bestimmt.
Ich sah sie von der Seite aus an, wandte den Blick dann aber schnell wieder ab. "Ich bin mir nicht sicher, ob man meinen Weg unbedingt teilen möchte", gab ich ehrlich zu. Ich blieb nie lange an einem Ort. Sobald ich ein wenig über Ida heraus gefunden hatte und bemerkte, dass meine ganzen kindischen Hoffnungen kompletter Unfug waren, würde ich meine Zelte hier wieder abbrechen und mir ein neues Ziel suchen. Vielleicht Schweden. Oder Kroatien. Irgendwo, wo ich weit weg von all dem hier sein würde, um nicht dauernd daran denken zu müssen. Irgendwo, wo ich noch nicht war.
Ah, eine große Hochzeit also. Ich betrachtete sie einen langen Moment lang prüfend, bevor ich grinsend den Blick abwende. "Ganz ehrlich? Ich kenne dich ja kaum, aber was anderes hätte ich tatsächlich nicht erwartet.", prustete ich in meinen nicht vorhandenen Bart.
Wir schlenderten jetzt wieder die gleiche Straße hinauf, die wir eben bereits abgelaufen hatten. Ein paar Hotels kamen in Sichtweite, und ich fragte mich unweigerlich ob Idas Zimmer in einem von denen war. "Komfortzone, erinnerst du dich?", meinte ich und tippte mir gegen die Schläfe. "Nicht viele Leute kommen damit klar, wie ich mich... naja, anderen Leuten gegenüber verhalte. Da verliert das ganze für die Meisten schnell ihren Reiz." Nicht, dass ich das nicht irgendwie nachvollziehen könnte. Aber ich hatte bisher ja immer darauf gebaut, so schnell wie möglich meine Ruhe zu bekommen. Kein Wunder, dass Freundschaften da schnell zerbrachen, wenn ich es so darauf anlegte.


Re: Zukunftsplay » 11
von Ida am 31.08.2018 01:03


Re: Zukunftsplay » 11
von Cody am 30.08.2018 23:48Die Anspielung auf meine Augen ließ mich einen Moment lang stutzen. Also war ihr die Ähnlichkeit zu ihren Augen auch aufgefallen? Ich bemerkte gar nicht, dass ich sie ein paar Sekunden lang anstarrte, bis ich den Blick abwandte. "Vielleicht komme ich ja mal darauf zurück, wenn ich nicht weiß was ich sonst machen soll." Erst eine Sekunde später realisierte ich, wie sich das anhörte. "Also, nicht, dass es kein toller Job wäre, nur ... ich arbeite nicht so gerne mit vielen Menschen zusammen, und ich gehe stark davon aus dass du alleine Morgens in der Maske mit mehr Leuten konfrontiert wirst, die in meine Komfortzone passen würden."
Idas offene Art, ihre Gefühle zu zeigen störte mich komischer Weise keineswegs. Irgendwie erinnerte es mich an mich selbst. An ein jüngeres Ich, bevor ich gelernt hatte meine Gefühle vor allen anderen zu verstecken. "Ich bin ja nicht komplett alleine auf der Straße aufgewachsen ...", erwiderte ich schulterzuckend und fügte insgeheim hinzu: Auch wenn ich es oft genug darauf angelegt habe. "Ich habe bis ich vierzehn war in einem Waisenhaus hier in London gelebt, und seit ich da raus bin, bin ich sehr viel glücklicher als vorher. Sehr viel ... freier, als vorher. Weißst du, was ich meine?" Ich zuckte nochmals mit den Schultern. "Außerdem habe ich die letzten zwei Jahre ja überlebt, also war es wohl doch keine so schlechte Entscheidung, meinen eigenen Weg zu gehen."
Ich lauschte dem, was sie mir da über ihren Bruder erzählte. Das hörte sich tatsächlich nach einer sehr komplizierten Geschichte an. "Na gut, das kann ich nachvollziehen ...", gab ich zu und zog die Augenbrauen zusammen. Wenn sie wirklich beinahe seinen Tod verschuldet hatte ... ich war mir nicht sicher, wie ich reagieren würde, aber wahrscheinlich kam meine eigene Ansicht der von Ida sehr nahe. "Aber wow, Zwillinge? Dann hast du ja riesiges Glück gehabt, auch noch zusammen mit deinem Bruder adoptiert zu werden. Es gibt ja genug Kinder, die nicht in die gleiche Familie gebracht werden ..." und es gab genug Kinder, die überhaupt nicht adoptiert wurden. Aber den Gedanken schob ich schnell wieder beiseite.
Überrascht hob ich die Augenbrauen, als sie von ihrem Verlobten erzählte. "Hört sich ja ganz nach einer sehr interessanten Hochzeit an", erwiderte ich und grinste leicht. "Wann ist es denn soweit?"
Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging in die Richtung, aus der wir gekommen waren und in der offensichtlich ihr Hotel lag. "Wirklich nicht? Dann bist du wohl die erste", erwiderte ich grinsend und mit einem Tonfall, von dem man nicht recht auf Sarkasmus oder Wahrheit schließen konnte. Ich stocherte in meiner Tüte herum, um an die letzten Fritten zu kommen und stellte frustriert fest, dass ich mein Abendessen während unseres Gesprächs tatsächlich schon aufgegessen hatte.


Re: Zukunftsplay » 11
von Ida am 30.08.2018 23:14


Re: Zukunftsplay » 11
von Cody am 30.08.2018 22:48Ich warf Ida einen ungläubigen Blick zu und schüttelte dann grinsend den Kopf. "Oh, nein danke", erwiderte ich und hüstelte, um mein Lachen zu verbergen. Ich vor der Kamera? Das wäre ja die pure Ironie. "Ich bleibe lieber dahinter. Da, wo ich nicht unbedingt mit jedem am Set sprechen muss", gab ich zu und kaute nachdenklich auf meiner Fritte. Ida war tatsächlich die einzige Person, mit der ich mich einmal etwas länger unterhalten hatte. Nicht nur hier bei dem Job in London, sondern generell überall, wo ich bisher gearbeitet hatte. Ich hatte es bisher erstaunlich gut geschafft, anderen Menschen aus dem Weg zu gehen.
Einen Moment lang sah ich sie prüfend von der Seite aus an, dann schüttelte ich mit dem Kopf. "Nein, niemanden", bestätigte ich und zuckte dann mit den Schultern. "Aber das stört mich nicht, wirklich. Man - ... Man gewöhnt sich mit der Zeit dran." Sie hatte zumindest ihren Bruder gehabt. Wie es sich wohl anfühlte, wirklich Teil einer Familie zu sein? Die anderen Kinder im Waisenhaus hatten mir nie besonders nah gestanden, zumindest nicht so nah, dass ich sie als meine Familie bezeichnen würde.
Ihr Tonfall ließ mich aufhorchen. "Sie scheint dich ja nicht grade zu begeistern", stellte ich fest und verrenkte die Augen.
"Oder ist das so ein 'Geschwister-Ding', dass du die Freundinnen deines Bruders nicht magst?", ruderte ich zurück. "Ich meine, ich habe keine Geschwister, aber irgendwie ist das das, was ich mir darunter vorgestellt hab. Mag dein Bruder den Typen auch nicht, der dir den Ring da an den Finger gesteckt hat?" Die Frage platzte einfach so aus mir heraus, ohne dass ich groß darüber nachdachte. Die Neugier hatte dann doch gesiegt.
Ich schielte kurz ein weiteres Mal zu dem Fenster hoch. Es zog mich nichts an diesen Ort. Mein Zauberstab lag zwar auf meinem Nachttisch, aber den würde ich nicht unbedingt brauchen, um mich zu verteidigen. Und außerdem war ich viel zu neugierig auf das Mädchen, das vor mir stand. "Okay, also auf eine ganz freundliche, nicht anzügliche Weise ...", begann ich und grinste kurz. "würde ich tatsächlich gerne mit kommen. Wenn dich meine Gesellschaft bis jetzt noch nicht nervt."



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