Astronomieturm

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Athena
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Athena am 14.10.2017 22:01

Momentan schien mir die Zeit zu langsam zu vergehen. Ich hatte das Gefühl, dass sie absichtlich so langsam voran schritt um mich zu ärgern. Die Heilerin im Krankenflügel hatte ich abblitzen lassen, als sie mehr von dem Vorfall hatte wissen wollen. Wann verstanden die Menschen um mich herum, dass ich darüber einfach nicht reden konnte? Wenn jemand das Thema ansprach fing ich sofort an zu schwitzen, verkrampfte mich und wollte einfach nur weg von der entsprechenden Person. Diesen Fluchtinstinkt kannte ich von Dante. Mir schien als ob ich ihn dadurch besser verstand. Zwar hatte ich für ihn schon immer Verständnis gezeigt und mochte seine Art und doch schien unsere Verbundenheit noch stärker geworden zu sein. Ich wusste nicht recht, ob ich ihn als meinen heimlichen Helden bezeichnet sollte, oder ob das kindisch war. Retter passte da besser. Mein kühler Retter. Dieser Gedanke sorgte dafür, dass sich meine Lippen zu einem kleinen, kaum merklichen, Lächeln verzogen. Es war nun Wochen her, seit dem ich diese Bewegung gespürt hatte und sie tat mir gut. Da es nichts brachte ihm in sein Essen reinzureden beließ ich es dabei. Man musste wissen wann man aufzuhören hatte. Immer und in jeder Situation. Ich wollte unter keinen Umständen, dass er sich vor mir zurück zog. 
Ich kam wieder aus meiner Gedankenwelt hervor, als ich seine Finger auf meinen spürte. Noch vor ein paar Wochen hätte ich zurück gezuckt, doch so langsam ließ ich Berührungen wieder zu und von ihm erst recht. Der Moment, in dem ich einfach nur in seinen Armen lag ließ mein Herzschlag wieder langsamer werden. Mit dieser Umarmung hatte er mich vor einer Panikattacke bewahrt und mir wieder Halt gegeben, als ich im Taumeln gewesen war. Dass er jetzt in dieser Zeit bei mir war würde ich ihm nie vergessen, egal was die Zeit für uns bereit halten würde. Vor allem bedeutete es mir viel, dass er die Distanz für mich durchbrach. Zwar fühlte sich sein Körper kalt an, doch ich genoss es ein wenig. Es war ein anderer Reiz und war wohltuend. Für wenige Sekunden schloss ich einfach meine Augen und lehnte mich an ihn. 
"Auch nicht, wenn ich dir sage, dass ich dir helfe? Das nennt man Beschäftigungstherapie, oder sowas. Ich hab alles aufgeholt was ich am Anfang noch verpasst hatte und weiß gerade nicht mehr was ich noch lernen soll", fragte ich nach und sah ihn wieder an. Da wir gerade noch nah beieinander standen musste ich zu ihm aufblicken. Wir waren so verschieden und doch fühlten wir uns in der Gegenwart des jeweils anderen wohl. Manchmal fragte ich mich, ob unsere Unterschiede das waren was uns schon als Kind näher gebracht hatten. Ich war immer die Fleißige gewesen, die alles Wissen in sich aufsog, was sie zu fassen bekam und gleichzeitig für jeden da sein wollte und auf jeden offen zu ging. Er distanzierte sich und beobachtete lieber. 

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Dante
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Dante am 15.10.2017 12:45

Lange hatte ich mich zurück gehalten, was Umarmungen bezüglich Athena betraf. Ich konnte mir durchaus vorstellen, dass sie unmittelbar danach viel zu schreckhaft war, dass sie sich verschlossen hatte und niemanden an sich heran lassen wollte. Zudem plagte sich ihre schrecklichen Albträume.
Diese Umarmung, die ich ihr gerade angeboten hatte, hatte sie erwidert. Sie hatte sich an mich gelehnt und es schien, dass sie ruhiger wurde.
Sie konnte meinen Herzschlag hören, es schlug ziemlich schnell. Dieses Mal hatte ich nicht das Gefühl, dass sich meine Brust zuschnürte und ich keine Luft bekam. Dieses Mal war dieses unangenehme Gefühl nicht allzu stark ausgeprägt.
Als sie sich von mir löste, blieb sie direkt vor mir stehen. Bei anderen Menschen wäre ich sofort einen Schritt zurück gegangen, mein Fluchtinstinkt hätte sich in voller Lautstärke bei mir gemeldet.
Aber jetzt, in diesem Augenblick nicht.
Von kleinauf war die Beziehung zu Athena eine ganz intensive gewesen. Sie hatte schnell gelernt, wo die Grenzen waren, wie weit sie gehen konnte. Und wie ich reagirte, wenn sie zu weit gegangen war.
Es hatte für die eine oder andere Unterhaltung gesorgt, weil gewisse Dinge und Grenzen geklärt werden mussten. Aber diese Art von Gespräch  war dann wieder schnell vom Tisch gewesen. Sie hatte schnell gelernt, dass ich meine eigene Art und Weise hatte, wie ich ihr meine Loyalität zeigen konnte. Wie ich ihr mitteilen konnte, dass sie mir wichtig war.
Sie kam wieder auf die Hausaufgaben zu sprechen und ich grinste kurz. "Wenn es dir hilft, warum nicht. Dann muss ich sie nicht machen und bekomme dennoch gute Noten." Ich würde mich eher schlecht als recht durch die Prüfungen quälen. Aber vielleicht würde ich tatsächlich bald mal auf die Idee kommen, für die Schule zu lernen. Das wäre doch mal ein guter Fortschritt.

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Athena
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Athena am 15.10.2017 15:40

Während ein großer Teil von mir sich einfach in meinem Bett verkriechen und den Tag Tag lassen wollte, gab es noch den vernünftigen Teil, der dafür sorgte, dass ich jeden Morgen aufstand und versuchte die Stunden zu überstehen. Ich wusste, dass es richtig war, denn jetzt waren es nur noch zwei Jahre bis zu meinem Abschluss und danach konnte ich endlich auf eigenen Füßen stehen. Selbstverständlich hatte ich auch die Möglichkeit die Schule abzubrechen, doch das stand nicht zur Debatte, denn damit würde ich mir viele Zukunftswege verbauen, die ich mir mit meinen guten Noten erst möglich gemacht hatte und ich würde nicht zulassen, dass die letzten Ereignisse über mich siegten. Ich war stark genug um das zu überstehen, selbst wenn ich doch demnächst nachgeben würde und mich an die Heilerin im Krankenflügel wandte. Für einen besseren Schlaf würde doch irgendwie gesorgt werden, egal mit welchen Mitteln.
Die Umarmung, die mir Dante gab, tat wirklich sehr gut und obwohl ich merkte, dass sich sein Herzschlag verschnellerte, blieben wir dicht voreinander stehen, ohne dass einer von uns beiden wich. Es war mehr als nur ein gutes Zeichen und ich war glücklich darüber wie es gerade zwischen uns lief. Als wir noch Kinder waren war es noch deutlich schwieriger gewesen, denn ich hatte ständig Grenzen überschritten, einfach weil ich viel offener war. Doch als die Grenzen einmal geklärt waren wusste ich wie ich mich ihm gegenüber verhalten musste und schon war das alles nicht mehr wichtig gewesen. Vielleicht war das auch der Grund weshalb wir einander so sehr vertrauten und ich auch gleichzeitig kein Problem damit hatte, dass ich häufig schief angesehen wurde, nur weil ich viel Zeit mit ihm verbrachte. Was andere dachten war nebensächlich, solange man mit dem glücklich war was man hatte und dann zählte es auch nicht mehr, wenn die eigenen Freundinnen nicht gerade begeistert darüber waren, dass ich mit ihm befreundet war. Solange sie weiter in meiner Nähe bleiben wollten mussten sie akzeptieren, dass er ebenfalls zu meinem Leben gehörte. 
"Sehr gut! Du weißt einfach immer was ich hören will", sofort legte sich ein Lächeln auf meine Lippen und hoben meine Mundwinkel an. Zwar erreichte es noch nicht meine Augen, doch daran würde ich arbeiten und irgendwann war ich dann auch mal wieder die Alte. Früher wäre ich bei einer solchen Nachricht einem Menschen vor Freude um den Hals gefallen, mit Ausnahme von ihm, denn ich war einfach manchmal etwas stürmisch. 
"Wenn wir sie zusammen machen, dann lernst du auch was dabei und schon werden die Prüfungen etwas leichter für dich", versprach ich ihm. Ich wusste, dass er die Prüfungsphasen nicht mochte, während ich sie relativ relaxt erwartete und gut durchkam. Doch das lag nur daran, dass ich vom Anfang bis zum Ende des Jahres lernte und somit am Schluss alles gut drauf hatte. "Wenn du willst kann ich dir bei der Prüfungsvorbereitung dieses Jahr auch helfen. Dann hast du weniger Stress", bot ich ihm im Anschluss an. "Lernen kann auch Spaß machen, vor allem wenn man nicht alleine stur auf ein Pergament oder in ein Buch starrt um es auswendig zu lernen", für ihn war es der Abschluss und ich wünschte ihm, dass er diese Prüfungen möglichst gut bestehen konnte, denn dann hatte er bessere Chancen für einen Beruf.

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Dante
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Dante am 15.10.2017 20:01

Ich schüttelte nur lächelnd den Kopf. "Du bist meine beste Freundin, Athena. Da sollte ich wissen, was dir gut tun würde und was nicht." Und wenn es die Tatsache war, dass sie gerne für mich Hausaufgaben anfertigen wollte, dann würde ich sie das auch machen lassen. "Und ganz nebenbei hab ich auch etwas davon." Ich wusste gar nicht, wie ich es bisher durch all die Jahre geschafft hatte. Eigentlich hätte ich jedes Jahr sitzen bleiben müssen, so schlecht waren meine Noten. Ganz oft musste ich auch nachsitzen bis in die Nacht und meine Hausaufgaben vor den Augen der Lehrer anfertigen. Manchmal taten sie eowas schon vorsorglich. Oft bei Themen, die prüfungsrelevant waren. Wohl oder übel ließ ich sowas mit mir machen. Denn Athena hatte recht, wenn ich nur schlechte Noten nach Hause brachte, dann würde das mir so gar nichts bringen. Und ich lernte, wenn ich es denn mal dann tat, immer nur alleine. nie mit jemanden zusammen. So konnte ich mich am besten konzentrieren.
Ich wusste nicht, ob ich mit meiner besten Freundin zusammen lernen konnte. Sie war wirklich gut in der Schule. Es war nicht so, dass ich auf den Kopf gefallen war. Ich hatte schon eine gewisse Intelligenz. Aber ich nuzte sie nie. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, einfach unterfordert zu sein.
"Wir können es probieren." Ich schaute ihre blonden Haare an. Kurz hob ich meine Hand an, ich wollte ihr Haar berühren. Doch wäre das alles andere als passend gerade. Sie fühlte sich im Moment genauso unwohl bei Berührungen wie ich mich immer fühlte. Die umarmung gerade war eine Ausnahme gewesen. Ich hatte es nur geschafft, sie zu umarmen, weil ich wusste, dass sie es gerade brauchte. Sie brauchte jemanden, der ihr Halt gab, der bedingslos für sie da war. Und der für sie durchs Feuer gehen würde.
Ich ließ meine Hand wieder sinken und schaute ihr wieder in die Augen. "Aber sei mir nicht böse, wenn ich irgendwann blockiere." Irgendwann wurde mir das ganze Bücherwelzen nämlich zu viel. Es wäre unangebracht, wenn ich sie nicht vorher schon vorwarnen würde. Aber so wie ich Athena einschäzte, wusste sie schon, dass ich so drauf war. Wir kannten uns schon lange und verdammt gut.

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Athena
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Athena am 15.10.2017 22:30

"Da hast du auch wieder recht", stimmte ich ihm zu und mein Lächeln wurde etwas breiter. Irgendwann würde ich sicher auch wieder voller Freude lachen können, darauf musste ich einfach hoffen, denn woran sollte ich mich auch sonst festhalten? Wie könnte ich diese Zeit überstehen, wenn ich nicht Ziele hatte, die es zu erreichen lohnte. Es tat gut wieder zu planen jemandem unter die Arme zu greifen, denn genau das war die Normalität, die ich im Moment am dringensten brauchte. Sämtliche Leute fassten mich mit Samthandschuhen an oder überrumpelten mich mit Angeboten über das Geschehene doch einfach mit ihnen zu sprechen, doch kaum jemand wollte verstehen, dass ich eigentlich nur gebraucht werden wollte. Denn genau das hatte ich meine gesamte bisherige Schulzeit verspürt. Erst hatte ich nur meinen Wissensdurst gekannt und später war mir aufgefallen wie vielen Menschen ich helfen konnte mit dem was ich wusste und genau das bereitete mir ein schönes Gefühl. Natürlich war ich auch des öfteren nach Strich und Faden ausgenutzt worden, doch ich schrieb das als Lebenserfahrung ab, die jeder mal machen musste. Gut, manche nicht, die sowieso niemandem halfen und kalt wie Eis oder hart wie Stein waren. Doch diese Menschen hatten mein tiefstes Mitgefühl, denn so würde ich niemals werden wollen, egal was noch in der Zukunft passierte. Ich mochte die Freude und das Glück in den Augen meiner Mitmenschen, wenn sie etwas erreicht hatten und ich dazu beigetragen hatte. Es gab nichts schöneres auf der Welt als andere glücklich zu machen, denn das machte mich selbst glücklich. Also wollte ich meinem besten Freund natürlich auch helfen, nur damit er mal ein paar mehr Erfolgserlebnisse hatte und sich darüber freuen konnte. Noten bestimmten nicht das gesamte Leben, aber einen großen Teil unserer Zukunft. 
Auch wenn er vollkommen anders gestrickt war, konnte und wollte ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Mein Leben wäre vielleicht ganz anders verlaufen, wenn wir nicht in der Nachbarschaft groß geworden wären und ich damals zu neugierig gewesen wäre. Damals hatte ich ihn einfach kennen lernen wollen und daraus hatte sich so viel mehr entwickelt, was ich vorher gar nicht geahnt hatte. Seine Eltern waren auch immer viel netter gewesen als meine eigenen, die es nicht interessiert hatte mit wem ihre kleine Tochter mal wieder spielte. Noch direkt am Anfang der Schulzeit hatte ich mir vorgestellt, dass sie vielleicht stolz auf mich werden würden und mich anerkannten, wenn ich Bestnoten nach Hause brachte. Fehlanzeige. Es war als wäre ich Luft für sie und genau das hatte ich irgendwann schweren Herzens akzeptiert und lernte, dass meine Freunde zu meiner Ersatzfamilie wurden. 
"Perfekt, dann sollten wir uns nach dem Frühstück mal zum Lernen treffen. Am Wochenende ist die Bibliothek auch erst gegen Mittag etwas voller, sodass wir uns einen ruhigen Platz suchen können, wenn wir früh genug anfangen", es war immer noch sehr früh am Morgen, sodass wir dabei wohl kein großes Problem haben würden. Ich hatte jedenfalls nicht mehr vor ins Bett zu gehen und meine Freunde wussten wo sie mich antrafen, sodass ich ihnen nicht einmal Bescheid geben musste. Ich sah im Augenwinkel seine Handbewegung und auch wie sie in der Luft anhielt. Zwar zuckte ich nicht zurück, doch ich war gleichzeitig auch froh darüber, als er sie wieder sinken ließ. Ich war es nicht gewöhnt viel Körperkontakt mit ihm zu haben und gerade war er auch der einzige, dem ich eine Umarmung überhaupt erlaubte. Nicht einmal meine Freundinnen konnten meine Hände berühren, ohne dass ich sie schnell genug wegzog. Es war nicht so, dass ich ihnen nicht vertraute, aber vielleicht lag es daran, dass ich Dante einfach schon deutlich länger kannte und er derjenige gewesen war, der als erstes zur Stelle gestanden hatte. 
"Keine Sorge, ich werde es dir nicht übel nehmen. Das hab ich doch sonst auch nie getan, also werde ich damit auch jetzt nicht damit anfangen. Du musst mir nur versprechen, dass du mir gleich Bescheid gibst, wenn es dir zu viel wird, okay?", mein Lächeln nahm eine sanfte und einfühlsame Art an. Für ihn hatte ich immer Verständnis gezeigt, selbst als ich zu klein gewesen war um es wirklich zu verstehen.

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Dante
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Dante am 16.10.2017 11:06

Ich wollte nicht jetzt gleich in die Bibliothek gehen, ich hatte keine Lust dazu und zudem tat mir diese eisige Kälte hier oben einfach nur gut.
Meine Hände spürte ich schon nicht mehr. Mein Wunsch, gewisse Teile zu betäuben war in Erfüllung gegangen. Ich genoss den Schmerz. Wenn ich gleich in das viel wärmere Schloss gehen würde, würde es wieder schmerzen, wenn meine Hände wieder durchblutet wurden und die Wärme wieder in meinen Körper floss.
Diese Art von Schmerz zeigten mir deutlich, dass ich immer noch am Leben war. Dass ich tief in mir nicht ganz so leer war, wie ich oft von mir selber dachte.
Ich war nicht unfähig, Emotionen wahr zu nehmen oder angemessen darauf zu reagieren. Ich spürte meine eigenen ja auch deutlich. Aber dennoch war da eine Leere in mir, die ich irgendwie füllen musste. Bisher war Schmerz der beste Weg gewesen. "Lass uns das am Wochenende machen.", schlug ich vor. Am Wochenende würden die meisten Schüler ausschlafen wollen oder Zeit mit ihren Freunden verbringen wollen. Das hieß, dass die Bibliothek noch frei bleiben würde und sich nur die Streber darin erirren würden. Je weniger an einem Ort waren desto besser war es für mich.
Manchmal dachte ich, dass ich egoistisch war. Ich ließ meine Umgebung nicht an dem teil werden, was in mir vorging. Ich ließ Menschen die näher als einen Meter an mich heran und oft hatte ich das Gefühl, dass ich Athena, meine beste Freundin, nicht gerecht werden konnte. Viel zu oft hielt ich sie einfach auf Abstand weil ich mit all dem Zwischenmenschlichem Kram nicht wirklich zurecht kam.
Manchmal beobachtete ich andere Leute in meiner Umgebung und beobachtete, wie locker und entspannt sie miteinander umgehen konnten. Wie sie Freundlichkeiten austauschten, sich ab und zu berührten oder ähnliches. Und dann fragte ich mich, warum ich nicht dazu in der Lage war, so mit anderen umzuegehen.
Bis heute war ich nicht auf eine Lösung gekommen. Wahrscheinlich wollte ich sie selber nicht einmal hören, geschweige denn wahr haben wollen.
"Ich verspreche es.", gab ich Arhena mein Wort. Sie würde es früh genug mitbekommen, wenn mir alles zu viel werden würde. Oft fing ich an, nervös zu werden. Aber dennoch: Athena hatte gerade so viel mit sich selber zu tun und war mit sich selber beschäftigt, da konnte ich ihr diesen kleinen Gefallen tun.

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Athena
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Athena am 16.10.2017 12:08

Am liebsten wäre ich sofort in die Bibliothek gegangen und doch hielt ich mich zurück. Nichts lag mir ferner als ihn zu drängen, denn das konnte ganz schnell nach hinten losgehen. So war ich schon immer, aber gerade in dieser Zeit verstand ich wieso man andere nicht drängen sollte. Ich machte immer zwei Schritte rückwärts, wenn jemand zu schnell auf mich zukam und das tat ich nicht einmal weil ich es wollte und es für richtig hielt, sondern es war eine Reaktion, die so schnell passierte, sodass ich erst viel später realisierte was ich getan hatte. Es machte mir ja selbst keinen Spaß, dass meine Freundinnen mich nicht mehr umarmen durften und ich merkte wie die Luft zwischen uns oft zum Stehen kam, weil sie wussten, dass ich gewissen Themen aus dem Weg ging. Ich wurde den Verdacht nicht los, dass wir uns entfremdeten und ich nur hilflos dabei zusehen konnte. Zu meinem großen Blick waren die beiden schon von Anfang an sehr loyal mir gegenüber gewesen, sodass die Angst die beiden verlieren zu können, nicht zu groß wurde. Noch nicht. Wir versuchten alle drei diese Situation so gut es ging zu meistern, auch wenn es uns schwer fiel.
"In Ordnung, dann ist das abgemacht", stimmte ich seiner Bitte zu. Wenn er mich schon helfen ließ, dass sollte er sich dabei auch wohl fühlen. Ich liebte die Ordnung und Struktur am Tag. Doch gerade schienen plötzliche Ereignisse alles wieder in ein Chaos zu verwandeln, sobald ich etwas Ordnung in mein Leben gebracht hatte. Oft wusste ich nicht wo mir der Kopf stand und gleichzeitig wünschte ich mir nichts sehntlicher als ein wenig Ruhe vor diesen chaotischen Zeiten. Stark zu bleiben war sehr anstrengend, weshalb ich diese Seite nur in der Öffentlichkeit zeigte und wenn ich dann für mich ganz alleine war, dann ließ ich los, nur um mich in mein Bett zu verkriechen und zu weinen. Es tat gut, dass ich pflichtbewusst und häufig genug unter Menschen war, denn so rappelte ich mich immer wieder auf und es gelang mir den Boden unter den Füßen für einen Moment zurück zu gewinnen. Die Sekunden, in denen ich das Gefühl hatte zu fallen, waren die schlimmsten, denn die Hilflosigkeit, die ich im Verließ gespürt hatte, war wieder vorhanden und hinterließ ein großes Loch in mir drin.
Mich in Dantes Nähe aufzuhalten war auch dahin gehend angenehm, weil wir auch mal schweigen konnten. Ich hatte bei ihm nicht das Gefühl, dass ich ständig etwas sagen musste oder zu einer Antwort gezwungen war. Es war auch keine erdrückende Stille zwischen uns, sondern eher eine, die wie Balsam für meine Seele war. Dadurch hatte ich die Möglichkeit für einen Moment in meine eigene Gedankenwelt zu versinken, ohne dass ich das Gefühl hatte irgendwas zu verpassen oder strafende Blicke zu bekommen, nur weil ich gerade unaufmerksam gewesen war. Gelegentlich wurde ich gefragt wieso ich mit ihm genau befreundet war. Das war eine sehr gute Frage, zu der ich die Antwort nicht genau wusste. Seine Nähe ließ mich ruhiger werden, egal wie es mir ging. Er hatte mir, ohne es zu wissen, schon früh gelehrt wie ich mit meinen Mitmenschen umzugehen hatte und dass ich auf die entsprechenden Reaktionen achten musste. Durch ihn war ich aufmerksamer geworden und beobachtete viel genauer, was mich auch jetzt weiter brachte. 
"Sehr gut", damit war dieses Gespräch abgehakt. Ich drehte mich wieder zum Geländer und stützte meine Unterarme darauf ab. Hier ging es etwas runter, doch das störte mich nicht. Höhenangst hatte ich nicht, weshalb ich mich auch ohne Furcht hätte weiter runter lehnen können, was ich jedoch nicht tat. 
"Danke nochmal, dass du gerade jetzt für mich da bist", sagte ich leise. Wie dankbar ich ihm war konnte ich leider nicht wirklich zeigen, weshalb Worte einfach ausreichen mussten. "Im Moment lass ich lediglich deine Nähe zu, vielleicht liegt es daran, dass wir uns schon so lange kennen wie ich denken kann", während ich weiter redete sah ich nach unten um seinem Blick ausweichen zu können. 

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Dante
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Dante am 16.10.2017 21:03

Athena wandte sich wieder dem Gelände zu und ich tat es ihr gleich. Ein wenig darauf bedacht, dass ein kleiner Abstand zwischen uns herrschte. Ich hätte sie tatsächlich ein wenig näher an mich heran gelassen. Aber meine Gewohnheit machte mir ein Strich durch die Rechnung.
Ich mochte diese ruhe die zwischen uns so oft einfach existierte. Wir mussten nicht vie miteinander reden um uns zu verstädnigen. Dafür kannten wir uns zu lange schon. Dieses Schweigen war fantatsisch, es war diese angenehme Ruhe. Nicht so wie bei anderen. Bei anderen wurde ich schnell nervös und wollte fliehen.
Hier bei ihr nicht.
Wir kannten uns so gut, dass wir nur den anderen zu sehen brauchten und wir wussten, wie es dem anderen ging. Das war recht einfach mittlerweile.
Ich ließ mein Blick zu meiner besten Freundin wandern. "Hör auf dich zu bedanken.", meinte ich. "Ich habe nur das getan, was du auch für mich tun würdest." Ich konnte auf Athena zählen, wenn es mir nicht gut ging, war sie die erste, die zu mir kam und versuchte herauszufinden, was los war. Sie brauchte nie lange zu fragen oder zu warten. Bei ihr fühlte ich mich sicher, ihr konnte ich sowas anvertrauen. Bei ihr wusste ich , dass sie damit vertraulich umgehen würde und dass sie niemand anderes etwas sagen würde.
Ich drehte mich nun komplett zu meiner besten Freundin um, den Arm lehnte ich auf das Gelände. Ich musterte sie eingehend. "Vielleicht liegt es auch daran, dass ich einfach abwarte. So wie du mich immer auf dich zukommen lässt, so lasse ich dich jetzt auf mich zukommen." Diese Methode erschien mir richtig zu sein, als ich sie gefunden hatte und sie wieder realisiert hatte wo sie war. Und mit der Methode lag ich richtig. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich bei mir komplett wohl fühlte.

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Athena
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Athena am 16.10.2017 21:35

In letzter Zeit war ich bei jedem Gespräch am Ende ziemlich aufgewühlt und brauchte meine Zeit um die Dinge zu verarbeiten. Es war ganz so als würde ich alles nur in Zeitlupe mitbekommen, weshalb ich auch länger brauchte um zu realisieren welche Situation ungefährlich war. Potenziell reagierte mein Körper gerade auf alles, was auf mich zukam, als wäre es eine Gefahr, weshalb ich diese Abwehrhaltung an den Tag legte. Ich stieß jedem vor den Kopf und es tat mir ja selbst leid das mitanzusehen. Diese Art, dass ich mich am liebsten in die hinterste Ecke eines Raum verziehen wollte, wenn ich mit jemandem redete, gefiel mir nicht und ich wollte sie so schnell wie möglich wieder loswerden. Doch konnte ich mich auch nicht gewaltsam dazu zwingen, denn das verschlimmerte die Situation nur noch mehr. Ich erinnerte mich noch an die Wochen im Krankenflügel. Tagelang hatte ich nur im Bett gesessen und vor mich hin gestarrt. Besuch war selten gekommen, weil ich ohnehin nur geschwiegen hatte und selbst das Essen schien mir so sinnlos vorgekommen zu sein. Alles machte keinen Sinn mehr, obwohl ich tief in meinem Verstand wusste was mir eigentlich gut tat und wie ich mich zu verhalten hatte. Erst nach einigen Wochen hatte ich wieder geredet und mich mit dem Lernstoff beschäftigt. Mich an Bücher zu klammern half mir noch immer, sobald mir alles zu fiel wurde, denn die Bücher kamen nicht auf einen zu, sondern blieben ruhig in der Hand liegen. Sie hatten Geduld. 
Ja, ich bedankte mich zu häufig, aber besser einmal zu viel als einmal zu wenig. Und ich verdankte ihm nunmal mein Leben, oder eher den Rest meines Verstandes, der in diesem Verließ fast verloren gegangen wäre. Die Kälte, die Isolation, die Dunkelheit. Das waren drei Dinge, die den Anfang der Zermürbung meines Kopfes gemacht hatten. Ich schlief noch immer mit einem kleinen Licht, welches die anderen Mädchen im Schlafsaal zum Glück nicht allzu sehr störte, doch ohne würde die Panik sofort wieder hochkommen und mir die Kehle zuschneiden.
"Das kann gut möglich sein. Diesen Abstand brauche ich leider immer noch. Ich versuche mich zu ändern, doch jedes Mal, wenn ich einen Schritt zu viel mache finde ich mich am anderen Ende des Raumes wieder. Es fällt mir so unheimlich schwer zurück in den Alltag zu finden, egal wie sehr ich mir wünsche, dass alles anders ist", zu Beginn sprach ich noch in normaler Lautstärke, doch wurde ich immer leise bis mein letzter Halbsatz nicht mehr als ein Flüstern war. Wir standen uns nah genug, dass er mich dennoch verstehen konnte. Ohne dass ich es wollte rollten wieder Tränen meine Wangen herunter. Sofort wischte ich sie mit dem Handrücken fort. Immer wenn ich weinte fühlte ich mich zurück versetzt in die schlimmste Zeit meines Lebens. Noch nie hatte ich mich so hilflos und panisch gefühlt wie zu dieser Zeit und ich wollte sie einfach nur noch auslöschen. Noch immer konnte ich meinen Freund nicht ansehen. Es lag nicht daran, dass ich mich vor ihm schämte, sondern eher, weil ich nicht wollte, dass er womöglich daran zurück dachte wie er mich vorgefunden hatte. 

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Dante
Gelöschter Benutzer

Re: Astronomieturm

von Dante am 17.10.2017 08:45

Ich konnte nicht mit ansehen, wie Athena hier vor mir stand und sie versuchte, das weinen zu unterdrücken. Jedes Mal, wenn sie das tat, zerbrach ein kleiner Teil in mir. Auch wenn sie gerade nicht mit Nähe in irgendeiner Form umgehen konnte, so hatte ich das Gefühl, dass sie wieder kurz davor stand, in eine Panikattacke zu geraten. Gerade eben hatte es sie getröstet, wenn ich umarmte. Jetzt wollte ich es wieder probieren.
Ich zog sie wieder in meine Arme und hielt sie einfach. Ich gab ihr die Möglichkeit, sich bei mir auszuwweinen, sich von all dem zu befreien, was in ihr vorging. Im Schutz fiel das doch jedem einfacher als wenn sie hier so frei herum stand und ich nichts dagegen tat. Ich hätte auch keinen guten Freund abgegeben, wenn ich das jetzt einfach so ignoriert hätte. "Lass es ruhig raus.", flüsterte ich ihr zu. Ich lehnte meinen Kopf gegen den ihren und seufzte einmal.
Ich erinnerte mich haargenau, wie sie ausgesehen hatte, als ich sie endlich gefunden hatte. Zerzaustes Haar, total fertig und ausgelaugt. Dieses Bild hatte sich in mein Gehirn gebrannt und ich würde es nie in meinem Leben vergessen können. Doch ließ ich das Bild nur selten hochkommen. Ich versuchte sogar, es ganz zu vermeiden. Aber ab und zu kam es so einfach hoch. Es hatte mich fix und fertig gemacht, sie so zu sehen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie es in ihr selber aussah. Sie hatte etwas so schreckliches erlebt, ich wollte und konnte mir gar nicht ausmalen, was mit ihr passiert war.
Mit mir geredet hatte sie damals auch nicht. Ich wusste nur, dass der Typ sie festgehalen hatte. Mehr nicht.
Als sie im Krankenbett war, hatte ich versucht, sie so oft wie es nur ging zu besuchen. Aber oft hatte ich das Gefühl, dass sie mich gar nicht mitbekommen hatte. Ich hatte sie versucht, in ein Gespräch zu ziehen. Doch sie hatte einfach nur in ihrem Bett gesessen und vor sich hingestarrt. Dieser leere Ausdruck in ihrem Gesicht zeigte genau das, wie es mir all die Jahre gegangen war. Ich war ein Gefäß. Außen fest und stabil und hübsch anzusehen. Doch darin befand sich nichts. Keine Regung in irgendeiner Form. Nur Panik ab und an, wenn mir mal wieder alles zu viel wurde.
Ich seufte wieder und schloss die Augen. "Wenn du diese Erinnerungen immer wieder in dir hoch kommen lässt, dann hat dieses Schwein doch gewonnen. Er wollte doch, dass du daran zerbrichst.", meinte ich leise. Ich wollte ihr damit nicht weh tun. Aber so wie sie jetzt drauf war, so konnte sie doch nicht leben!

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