Besenkammer
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Gwenog
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Re: Besenkammer
from Gwenog on 05/31/2017 03:23 AMWyatt schien genauso überrascht zu sein, mich zu sehen, wie ich überrascht darüber war, ihn zu sehen. Wobei es ja eigentlich keine Seltenheit war. Wir sahen uns ja schließlich ständig beim Training. Aber das war etwas anderes. Da waren wir nicht gezwungen miteinander zu sprechen, mussten uns auch nicht direkt ansehen. Wir spielten einfach Quidditch und gut war es, wechselten mal ein paar Worte über den Trainingsplan oder Spielzüge, aber sonst... Sonst redeten wir seit Sommer kaum noch richtig miteinander. Manchmal vermisste ich das. Wyatt war immer einer der wenigen gewesen, mit denen ich mich wirklich gut verstanden hatte und den ich nicht ständig angezickt hatte. Und dann hatte ich es irgendwie geschafft zu vermasseln, nur weil ich Quidditchkapitän im Team wurde.
Ich seufzte leise. "Schon.", murmelte ich zustimmend. Das war immer der Ort gewesen, an dem wir uns zusammen gesetzt hatten und über ernstere Themen gesprochen hatten. Jetzt sprach ich mit niemandem mehr über meine Gefühle. Ich saß dann nur hier und kaute sie allein in meinem Kopf durch.
Als Wyatt mich jedoch fragte, was mich bedrückte, sah ich ihn überrascht an. Einfach nur, weil wir seit einer gefühlten Ewigkeit keine solcher Gespräche mehr geführt hatten. Schließlich jedoch trat ich in die kleine Besenkammer. Da er mir gerade Platz gemacht hatte, ging ich davon aus, dass ihn das nicht störte und tat mal wieder eine meiner unüberlegten Aktionen. Ich umarmte Wyatt einfach und vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. Ich hatte bisher nie darüber nachgedacht, auch etwas, das ich erfolgreich hatte verdrängen wollen, aber jetzt, wo ich in seinen Armen lag, merkte ich erst, wie sehr er mir in vielerlei Hinsicht fehlte. Seine Nähe weckte dieses Gefühl der Vertrautheit in mir, das ich seit fast einem Jahr nicht mehr bei mir trug und der Gedanke daran, dass ich auch ihn irgendwie verloren hatte, brachte mich erneut zum weinen. Ein Schluchzen trat über meine Lippen, doch gleichzeitig genoss ich den Moment, in dem ich mich einfach kurz fallen lassen konnte, wenn ich auch nicht wusste, wie lange er andauern würde.
"Ich hab mich in einen Jungen verliebt, der mich nur rum kriegen wollte... für eine Wette.", schniefte ich schließlich, als ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte.
Wyatt
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Re: Besenkammer
from Wyatt on 05/31/2017 02:47 AMIch war gerade drauf und dran den Brief endlich zu öffnen, als stattdessen die Besenkammer geöffnet wurde und Gwen plötzlich vor mir stand. Ich starrte sie überrascht an und musste dann schwer schlucken, als ich ihre Tränen sah, die sie gerade wegwischen wollte. "Gwen.." murmelte ich leise und trat schnell zurück um ihr Platz zu machen, wobei ich in einen Eimer mit dreckigem Wischwasser trat. Ich fluchte leise und verspannte mich erneut. Langsam kam auch wieder Wut in mir hochgekocht. Ich ballte die Hände zu Fäusten und schloss die Augen. Ich war in keiner guten Verfassung und erst recht nicht für ein Gespräch mit Gwen. Ich hatte einen sauberen Schnitt gemacht, als wir uns zu nahe gekommen waren. Ich hatte ihr so viel von meinem Leben erzählt, was ich eigentlich nicht wollte. Ich wusste nicht, was mich in dem Moment dazu verleitet hatte. Jedenfalls hatte ich es für das Beste gehalten mich von ihr zu trennen. Auf allen möglichen Wegen.
Auf ihre Frage hin zuckte ich nur leicht mit den Schultern. "Ich denke wir wissen beide was wir hier machen.." antwortete ich leise und sah Gwen an. Ich war ihr ewig nicht mehr so nah gewesen und ihr jetzt so dicht gegenüberzustehen löste eine Menge Flashbacks in mir aus. "Was bedrückt dich?" flüsterte ich instintiv und ließ den Blick nicht von ihr ab. Sie kam mir schon beim Training ein wenig zu aggressiv und abgelenkt vor. Ihr Duft stieg mir auf dieser kurzen Distanz entgegen und löste sämtliche vergangene Gefühle in mir aus, welche mirzum Teil wirklich angst machten.
Gwenog
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Re: Besenkammer
from Gwenog on 05/31/2017 02:04 AMIch mochte Zauberkunst eigentlich. Ich mochte den Unterricht und die Zauber, die wir dort lernten, weil sie in Situationen nützlich wurden, in denen man es manchmal gar nicht erwartete. Ich mochte es, weil ich in Zauberkunst am Fenster saß und ich im Winter den Sonnenaufgang beobachten konnte und im Sommer den wolkenfreien Himmel und die Sonne sah. Was ich allerdings aktuell nicht an Zauberkunst mochte war, dass Hufflepuff dieses Fach zusammen mit Gryffindor hatte. Was für mich bedeutete, in einem Klassenzimmer zusammen mit Sirius Black, James Potter und Remus Lupin zu sitzen. Black war mir da vergleichweise noch egal, auch wenn er mit an der Wette um mich beteiligt war. Remus konnte ich schon seit Tagen nicht ansehen. Mir verdrehte sich dabei immer noch der Magen. Die erste Zeit hatte ich es ganz gut überstanden. Ich hatte es einfach überspielt, wie ich alles überspielte und meine neutrale Miene aufgesetzt. Aber heute nicht. Heute spürte ich den Blick von Potter auf mir. Ich sah immer noch die Verletzung an seiner Nase, was wohl auch der Grund dafür war, dass er mich nun so böse anstarrte. Und die gebrochene Nase erinnerte mich wieder an Remus und plötzlich schien es, als würde alles überkochen. Ich spürte wieder, wie meine Augen anfingen zu brennen und meine Hände zitterten. Ich versuchte tief ein und aus zu atmen, um mich zu beruhigen, doch am Ende wurde mir davon nur schwindelig und besser machte es nichts.
Schließlich gab ich mir Mühe mich noch einmal zusammen zu reißen, um den Professor darum zu bitten, gehen zu dürfen. Ich nannte ihn als Vorwand dafür, dass mir übel sei. Und irgendwie stimmte das ja auch. Beim Anblick von James und Remus wurde mir übel.
Schließlich ging ich an den einzigen Ort, der für mich noch etwas Ruhe dar stellte. Die Besenkammer dritten Stock, die ich seit meinem ersten Jahr ständig auf suchte. Hier war das Alleinsein ziemlich einfach, weil einfach kaum jemand diese Kammer kannte und keiner sich hier gern zurück zog. Sie war klein und gar nicht mal so gemütlich, aber hier lagen Besen und Quidditch hatte schon immer etwas an sich, das mich einfach glücklicher stimmte.
Ich hatte eigentlich nicht weinen wollen, bevor ich in der Kammer war. Ich hatte das Gefühl, diese Kammer würde meine Geheimnisse fressen, aber nach außen wollte ich nicht das schwache, weinerliche Mädchen sein. Doch irgendwie wollte mir heute so gar nichts gelingen und zwei drei Tränen schafften doch ihren Weg nach draußen. So viel Drama, nur wegen eines Jungen. Das war neu für mich. Aber bisher wurde auch noch nie mit mir auf diese Art und Weise gespielt. Das fühlte sich so schrecklich an. Ich dachte immer, dass die Mädchen doch unmöglich so blöd sein konnten, auf solche Jungen rein zu fallen und dass sie dann keinen Grund zum Heulen hatten, wenn sie dumm genug waren, jegliche Anzeichen zu übersehen. Tja... jetzt war ich eine von diesen Mädchen. Ich nahm jegliche Anschuldigungen zurück.
Ich lief zu der Besenkammer, die man hier im Gang leicht übersehen konnte, weil sie sich direkt hinter einem Wandbehang befand, öffnete die Tür und... blieb abrupt stehen.
"Wyatt?", fragte ich überrascht, als ich den Jungen dort an der Wand lehnen sah. Schnell wischte ich mir die Tränen vom Gesicht. Das musste ja nun nicht jeder sehen. Schon schlimm genug, das ich vor Potter geheult hatte.
"Was machst du hier? Hast du keinen Unterricht?", fragte ich ihn, weil ich keine Ahnung hatte, was ich sonst sagen sollte.
Wyatt
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Re: Besenkammer
from Wyatt on 05/31/2017 01:39 AMAndere Schüler waren ganz aus dem Häuschen wenn ihre Eltern ihnen schrieben oder sogar Pakete schickten. Diese landeten dann meistens in den Mslischlafen oder auf den Toasts der Schüler und waren verschmiert von Marmelade. Aber darum scherte sich dann meist keiner. Sie rissen die Päckchen und Briefe gierig auf und ich konnte das Funklen in ihren Augen erkennen. Jedes geschriebene Wort saugten sie sehnsüchtig in sich auf, selbst noch die Älteren unter uns. Ich andererseits betete, keine Post zu bekommen. Denn jeder Brief konnte eine Ankündigung enthalten, die mein Leben mehr einengte und mich hier gefangen hielt. Aber wer auch immer meine Gebete bekam, er tat nicht das geringste. Heute morgen durfte ich selbst mal wieder einen Brief aus meinem Kaffee fischen. Ich hatte keine Eile ihn zu öffnen und starrte eine weile an ihm vorbei, als wäre es nur eine Serviette. Ich hatte tatsächlich mit dem Gedanken gespielt mir damit den Mund abzuwischen, doch ich ließ es besser bleiben. Vielleicht war das Karma ja auf meiner Seite und es war zur Abwechslung mal eine erfreuliche Botschaft. Mein Blick glitt automatisch immer wieder zum Haustisch der Slytherins und suchte Gabriella. Wenn sie auch einen Brief bekommen hatte, standen die Chance groß, dass es unsere baldige Hochzeit betraf. Denn so oft bekam sie auch keine Post. Und ich musste es wissen, ich warf ihr öfter Blicke zu. Es widerstrebte mir, aber ich wollte sie kennenlernen ohne, dass sie mich kennenlernte. Ich wollte wissen was sie zum Frühstück aß, denn das würde in Zukunft sicher eine Rolle spielen. In unserer beider Zukunft. Mein Magen verkrampfte sich, als auch sie einen Brief auffing. Anders als sich, machte sie ihn rasch auf. Ich sah wie ihre Miene sich verhärtete und hatte plötzlich einen kurzen Blickkontakt mit ihr, als sie hoch sah. Ich sah weg, nahm meinen Brief und verschwand aus der großen Halle. Meine Schritte beschleunigten sich und es dauerte nicht lange bis ich mich im dritten Stock wiederfand, direkt vor der Besenkammer. Keine gewöhnliche Besenkammer. Mittlerweile war es eine Art Rückzugsort für mich geworden. Ich öffnete die Tür und schloss sie wieder hinter mir. Es war nicht sehr viel Platz hier drin, sie bot gerade noch Platz für zwei Menschen. Mit meinem Kopf lehnte ich mich an die kalte Mauer, den Brief immer noch mit einer Hand umschlossen.
Ich besaß bereits die Gewissheit darüber was drin stand, aber es zu lesen, würde es nur realer machen. Am liebsten würde ich ihn sofort verbrennen und nie die Zeilen lesen. Doch das würde es nicht ungeschehen machen, das wusste ich.
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