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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night
von Kitty am 11.03.2019 20:44Eilig versuchte er noch zu reagieren, als habe er Angst, mich mit einer eigentlich schmeichelnden, unbedachten Aussage verletzt zu haben. Ich schien wohl wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben- wenn auch einen nicht ganz zutreffenden. Andererseits waren wir wohl Beide nicht mehr wirklich im Besitz unserer vollen geistigen Fähigkeiten gewesen, als wir zusammen abgestürzt waren, also woher sollte er auch wissen, dass ich wirklich unkompliziert war. Aber ich hatte ihm weder den Kopf abgerissen, noch eine Hollywoodreife Drama-Szene hingelegt, für seinen wortlosen Abgang in aller früh, das sprach ja wohl für mich. Als er sich zu mir vor lehnte und mir in seiner schönen, dunklen Stimme antwortete, überlief mich ein wohliger Schauer, während Szenen unserer gemeinsam verbrachten Stunden bruchstückhaft vor meinem inneren Auge auf flimmerten. Was wahrscheinlich Sinn und Zweck dieses Kommentars gewesen war. „Oder wir sollten es in einem diskreteren Raum fortsetzen", säuselte ich mit gesenkter Stimme, den Kopf dabei leicht neigend und herausfordernd grinsen. Als sei er der Einzige, der das Spiel beherrschte. Auch jetzt, nüchtern, schien er sich als echter Glücksgriff zu entpuppen. Zumindest unser Gespräch, was deutlich an Gehalt gewonnen hatte, erheiterte mich zunehmend. In wie weit sich dies künftig so fortsetzten würde stand allerdings noch in den Sternen. Vielleicht gingen wir uns ja auch Morgen schon gewaltig auf den Zeiger. Unwahrscheinlich, aber wer wusste es schon so genau.
Seinen brisanten Themenschwung verstand ich ohne mich umzusehen, mir war klar, dass gerade jemand unsere Zweisamkeit gestört hatte. Also nickte ich eifrig, ein perfektes Pokerface zur Schau tragend. Meinen eigentlichen Ärger darüber, dass mir so vorenthalten blieb, was er eigentlich zu sagen hatte, tapfer unterschluckend. Wir waren hier definitiv nicht vor hellhörigen Ohren gefreit. Amüsiert lauschte ich seine weiteren Ausführung, die verriet, dass wir wieder alleine im Korridor waren. „Ganz schön von dir selbst überzeugt, dass du dich automatisch dazu zählst!", schmunzelte ich neckend. Es war ihm wohl ebenso klar wie mir, dass ich diese wahllose Behauptung ausschließlich wegen ihm angebracht hatte. Immerhin sah man an ihm die Bestätigung dieser These. „Skandinavien also?", harkte ich interessiert nach, „Woher genau?". Besah man sich Ragnar genau, waren eben jene Wurzeln noch deutlich zu sehen. Die markanten Gesichtszüge, das starke, kantige Kinn, die blonden Haare, der verwegene Blick aus den stahlblauen Augen. „Na ja, es gibt eben sehr viel leckeres frittiertes Essen bei uns", zuckte ich grinsend die Schultern, was meiner Meinung schon die Erklärung der Theorie war. „Danke, aber ich schätze, mich darf man in einer solchen Wertung nicht berücksichtigen", wieder fanden meine Schultern unbeteiligt den Weg in Richtung meiner Ohren. Ich hatte mir diese Veela-Anteile nicht ausgesucht, auch wenn sie mich im Allgemeinen nicht störten- nur eben wenn meine Mutter sie im Rahmen meiner Bindungsunfähigkeit gegen mich missbrauchte.
Mein Blick folgte seinem auf die nasse, fast menschenleere Gasse vor dem Fenster, als ich seinem Rat folgte. Von No-Majs überlaufene Touri-Attraktionen waren mir von Zuhause nicht fremd, weswegen ich als Zeichen in verstanden zu haben kurz nickte. „Du scheinst es ja wirklich eilig gehabt zu haben, hm?", murmelte ich grinsend, die kleine Neckerei konnte ich nicht lassen- auch wenn ich wieder einen kleinen Stich in meinem Ego spürte. „85 Kensington High Street", antwortete ich dennoch, immer noch lächelnd und es ihm weiterhin gleichtuend aus dem Fenster sehend, „Ich orientier mich immer an einem Nudel-Restaurant!". Ein leises Lachen verließ meine Lippen. Das war wirklich albern, aber der Laden hatte mir in mehr als einer Hinsicht das Leben gerettet. „Wohnst du auch in der Stadt oder eher außerhalb?", ich konnte nicht lange ohne ihn doch wieder interessiert anzusehen. Aber so funktionierte Kennenlernen doch, oder nicht? Und ich wollte ihn kennenlernen. Sehr gerne sogar. Er hatte mein Interesse geweckt. In mehr als einer Hinsicht. „Nachtschichten?", fragte ich überrascht, während des Gehens einen Blick über meine Schulter zu ihm zurückwerfend. Alleine mit ihm in einem leeren Büro... und wieder schossen mir Bilder der letzten Nacht durch den Kopf und dadurch die Röte in die Wangen, weswegen ich schnell wieder gerade aus blickte. Merlin, hoffentlich würde das vergehen.
„Thomas, mein Sohn. Er ist bei seinem Dad in den Staaten geblieben", flunkerte ich, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber keinesfalls um Ragnar zu vertreiben, viel mehr für meinen lästigen Schreibtischkollegen, der mich den ganzen Morgen schon auf diese unangenehme Weise angestarrt hatte. Normalerweise war ich nicht so, aber Walter war wirklich penetrant. Außerdem gruselte es mich, dass er nur stierte, sich darin nicht beirren ließ, aber kaum was sagte. Ich würde es bei meinem gutaussehenden Begleiter später richtig stellen, wenn wir wieder unter uns waren. Ich folgte Ragnars Bewegung und sah zu der Tür, hinter der er seinen Schreibtisch hatte. „Ich dachte, da säße der Abteilungs...", langsam klickten die Rädchen in meinem Kopf zusammen. Schlimm genug, dass ich vor meinem ersten Tag mit einem Kollegen geschlafen hatte, der sich jetzt als mein direkter Vorgesetzter entpuppte. Wenn das rauskam, hätte ich hier ganz schnell den Ruf weg, wie ich mich auf der Karriereleiter fort zu bewegen pflegte. Dann war ich nicht mehr die Neue, dann war ich das Büro-Flittchen, na super. Das hatte er bisher verschwiegen, was mein leicht ärgerliche Blick auch gerade verdeutlichte. Leise seufzend wandte ich mich kurz ab, murmelte ein ‚Ich bin soweit' und sah dann zu meinem Sitznachbar. „Wenn jemand nach mir sucht, ich bin bald zurück, Walter! Ich erzähle Mr.Nott nur von meiner bisherigen Korrespondenz mit Frankreich, wegen eines neuen Projekts!". Ehe ich besagtem schweigend aus dem Büro folgte.

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night
von Kitty am 06.03.2019 21:14Seine Antwort hatte zur Folge, dass ich mich ebenfalls erneut umsah. Ich hatte den Namen des Kollegens vergessen, über den er gerade sprach, aber er war einer derer gewesen, die uns eben ganz genau im Auge behalten hatten. Normalerweise gab ich nichts auf solches Gestarre, vieles davon lag wohl tatsächlich an dem gescheiterten Genexperiment welches mit meinem Blut durch meine Venen floss. Aber die Art wie mein neuer Arbeitskollege uns angesehen hatte, lag wohl eher an dem, was Ragnar gerade andeutete. "Du hast wohl recht. Könnte peinliche Fragen aufwerfen", gab ich zurück, mir selbst vornehmend bei dem bebrillten Mann Vorsicht walten zu lassen. Andererseits war es vermutlich ziemlich naiv, dem attraktiven Mann, den ich in einer Bar aufgegabelt hatte, blind zu vertrauen. Der Kommentar, der als nächstes seine schönen Lippen verließ, ließ mich peinlich berührt grinsend den Boden vor uns musternd. "Man sollte mir nicht zu viel Feuerwhiskey geben", ein ebenso leises Lachen entwich mir, ehe ich wieder selbstbewusst den Blik hob, um den seinen zu suchen, "Vielleicht hat mich aber auch meine Gesellschaft dazu animiert!". Es war wohl eine Kombi aus Beidem gewesen, aber zu behaupten es sei noch nie vorher so abgelaufen, wäre sicher auch gelogen. Aber irgendwie musste ich das Kompliment ja zurückgeben. Außerdem hatte es mich wirklich geärgert, dass er am Morgen nicht mehr neben mir gelegen hatte.
Das Nesteln an seinen Hemdärmeln, ließ meinen Blick fast automatisch zu seinen Unterarmen gleiten, über denen der Stoff bereits spannte. Ich hatte schon immer eine Schwäche für physische Stärke gehabt, was nur einer der vielen Gründe gewesen war, weswegen er gestern Nacht ein leichtes Spiel gehabt hatte. Denn die Konversation war es sicher nicht gewesen. Die hatte mit jedem Glas an Sinn verloren und war mit jedem weiteren immer offensichtlicher geworden. Was mich wieder zu meinem Entschluss brachte, dass nur eine Närrin ihm vertrauen konnte. Und gerade zu dieser schien ich zu mutieren. "Es ist nass", meinte ich schlicht, während ein Munwinkel sanft zuckte und ich weiterhin aus dem Fenster vor uns sah, "Aber ich mag Scones und Tee... und soweit ich weiß, sollen Briten ganz attraktiv sein!". Es blieb nicht mehr ausschließlich beim Zucken meiner Mundwinkel, unwillkürlich verzogen sich meine Lippen zu einem frechen Lächeln. Das war doch verrückt, wir waren fortan Kollegen, ich sollte mich zurück nehmen. Aber wann tat ich schon, was ich sollte... "Irgendwelche schrecklich überfüllten Touri-Sightseeing-Tipps?", fragte ich ihn direkt, mich wieder vom Fenster wegdrehend, mit der Hüfte noch an der Fensterbank lehnend und mein Gegenüber wieder mit einem Lächeln musternd. "Immerhin will ich meine neue Heimat besser kennen lernen und mir nicht jedes Mal eine Karte angucken müssend, um meine Wohnung wieder zu finden!". Der Blick mit dem er mich im Auge behielt war unergründlich. Aber er verunsicherte mich nicht. Nicht im geringsten. Zwei Sickel für deine Gedanken, schoss es mir durch den Sinn, während ich ohne es selbst zu merken den Kopf etwas schräg legte. Er war der Erste, den ich hier kennen gelernt hatte- und das war übertrieben, immerhin kannten wir uns gar nicht. Trotzdem hätte meine Wahl um einiges schlechter ausfallen können. Meinen Kopf wieder aufrichtend, nickte ich zustimmend. "Doch, da hast du recht. Andererseits, was wäre das Leben ohne ein paar Wagnisse und Abenteuer?". Ein Leben wie meine Mutter zu führen, war als kleines Mädchen schon nie eine Option für mich gewesen. Ich respektierte die Art und den Stil, wie sie es führte, aber das hieß nicht, dass ich tauschen wollte. Sie hatte die Staaten nie verlassen, keinen Job erlernt und war immer nur Hausfrau und Mutter gewesen. Und damit war sie zufrieden, was mich für sie freute. Mich in diese Richtung zu drängen, war ein eher gescheitertes Projekt ihrerseits. "Etwas mehr als ein Jahr", erwiderte ich auf seine Frage und sein Lächeln. Ich hatte ebenfalls gleich nach der Uni das Glück gehabt, eine Stelle bei den MACUSA zu bekommen, was mich damals unglaublich stolz gemacht hatte. "Na los Mr. Nott, du schuldest mir noch einen Kaffee" grinste ich, ehe ich an ihm vorbei ging und spitzbübisch anfügte, "Streng genommen ein Abendessen, aber ich werd mich wohl mit dem Kaffee zufrieden geben- vorerst!". Natürlich hätte ich den Weg zu meinem Platz auch alleine gefunden, ich war schließlich nicht auf den Hinterkopf gefallen, aber so machte es eindeutig mehr Spaß. Den Blazer von der Stuhllehne ziehend, warf ich das Bild meines Neffen um, welches ich am Morgen erst dort aufgestellt hatte, was mich leise fluchen ließ; auch weil uns das mehrere Blicke der angrenzenden Schreibtische einbrachte, an denen die normalen Angestellten saßen. Das Bild von Thomas wieder aufrichtend, fragte ich mit gedämpfter Stimme an Ragnar gewandt, bevor wir los konnten: "Wo ist eigentlich dein Schreibtsich?".

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night
von Kitty am 01.03.2019 16:58Seine kecke Antwort ließ mich abermals grinsen, jedoch verbiss ich mir jeden weiteren Kommentar. Natürlich hätte ich ihm noch vor den Bug knallen können, dass er dafür aber ziemlich schnell verschwunden war, aber ich wollte den Bogen nicht überspannen. Mit einer unüberlegten Aussage könnte unsere weitere Zusammenarbeit zum absoluten Alptraum werden, abgesehen davon war ich nicht nachtragend. Mit kraus gezogenen Lippen trank ich den letzten Schluck der lauwarmen Plörre und stellte die leere Tasse auf den Wagen zurück. Noch ein charmantes Lächeln an die Kollegen, die uns argwöhnisch beäugten und ich war mit einem ehrlichen 'Danke' vor Ragnar aus der offen gehaltenen Tür geschlüpft.
Ich atmete hörbar aus, als sei in dem kleinen Besprechungsraum nicht genug Sauerstoff gewesen. Ob ich nun froh darüber war mit ihm alleine zu sein wusste ich noch nicht, was weniger an meiner Verunsicherung oder ähnlichem lag, als viel mehr daran, dass ich ihn immer noch unglaublich anziehend fand und mir daher selbst nicht traute. Das Lächeln welches auf sein Gesicht trat, wirkte sehr angestrengt. Na toll, er hielt mich also wirklich für einen wahnsinnigen Groupie. Schnell wandte ich meinen Blick ab, um seinen Eindruck nicht noch zu bestärken. Das er sich über die Schulter umsah, entging mir nicht dennoch nicht. "Erwartest du noch jemanden?", fragte ich und tat es ihm gleich, in den verlassenen Korridor hinter uns zu gucken. Wahrscheinlich war er verheiratet oder vergeben und nun in Sorge, dass ihm sein Fehltritt nachgewiesen wurde. Wäre nicht das erste Mal, dass ich unfreiwillig und unwissend zu eben jenem Fehltritt in einer eigentlich intakten Ehe geworden wäre. "Oder hast du nur Angst mit mir alleine zu sein?", hing ich mit leicht spöttischem Ton neckend an, ihm meine Aufmerksamkeit doch wieder voll zuwendend. Er zählte definitiv zu der Sorte Mann, vor der meine Mutter mich immer gewarnt hatte- was seiner Attraktivität alles andere als einen Abbruch tat. Er war geheimnisvoll und irgendwie gefährlich. Zu behaupten dies hätte keinerlei Wirkung auf mich wäre gelogen. Bei seiner nächsten Frage schaute ich aus dem Fenster zu meiner linken. Es bot sich ein ähnlicher Anblick wie bereits gestern. Ich zuckte kurz mit den Schultern. "Zu der Entscheidung her zu kommen, trugen wohl mehrere Sachen bei, schätze ich. Das Wetter war wohl keine davon", gab ich lächelnd zurück. Allen voran wohl meine Mum, die es sich in den letzten Monaten zur Aufgabe gemacht hatte, mich unter die Haube zu kriegen, nachdem meine letzte Beziehung katastrophal und schmerzhaft gescheitert war- was ich ihm aber sicher nicht sagen würde. "Der Kollege der eigentlich hier her versetzt werden sollte, hat erst Nachwuchs gekriegt und seine Frau wollte nicht umziehen, da hab' ich mich angeboten! Nicht wirklich spektakuläre Beweggründe, wie du siehst". Ich war mir nicht mal sicher, ob es ihn wirklich interessierte oder ob er mir einfach nur ein bisschen auf den Zahn fühlen wollte. Konnte er ruhig, mein Leben war bisher so spannend wie ein Groschenroman gewesen- sprich, ich hatte bis auf die üblichen Jugendsünden und ein unglückliches Händchen bei der Männerwahl wirklich nichts zu verbergen. "Wie lange arbeitest du schon hier?", fragte ich und wandte ihm wieder meinen Blick zu.

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night
von Kitty am 25.02.2019 21:50Mir waren die verstohlenen Blicke während des restlichen Meetings nicht entgangen, ob sie aber von einem schlechten Gewissen oder aber den neuerlichen Ereignissen her rührten, vermochte ich nicht zu sagen. Bei ersterem stellte sich zudem die Frage, ob er überhaupt sowas wie Gewissensbisse empfand. Immerhin hätte man es unter anderen Umständen als beispielhaften One Night Stand verbuchen können. Wer hatte schon damit rechnen können, dass wir künftig zusammenarbeiten würden. Merlin, das konnte sicher heiter werden.
Als ich allerdings neben ihn an den klapperigen Holzwagen mit der spärlichen Auslage vertrockneter Kaffeestückchen und steinharter Kekse trat, schien er weniger überrascht. Mit gehobener Braue und immer noch deutlich amüsierten Grinsen lauschte ich seiner sehr dürftigen Erklärung, in der er plötzlich stockte und meiner Bewegung folgte. Die Wendung die er dann einschlug, ließ mich abermals grinsen, ebenso die plötzlich so förmliche Anrede. Wir waren schließlich nicht unter uns und es konnte wohl kaum in unserem Interesse sein, wenn gleich jeder Bescheid wusste, dass wir uns eben nicht erst hier kennen gelernt hatten. "Ich schätze, dass ist angemessen", gab ich flötend zurück, bevor ich mir leicht über die Schulter blickte um mich zu versichern, dass uns niemand zuhörte, ihn wieder lächelnd ansah und meine Stimme ein wenig senkte, "Immerhin haben Sie mich schon nackt gesehen, Mr. Nott!". Eventuell machte ich mir auch gerade einen Spaß aus dem Spiel mit dem Feuer. Es hatte einen gewissen Reiz, den ich nicht leugnen würde. Dem nichts weiter hinzufügend nahm ich den letzten Schluck des wirklich dünnen Kaffees, verzog angewidert das Gesicht und suchte wieder grinsend den Blick aus den durchdringend hellblauen Augen, die mich letzte Nacht schon fasziniert hatten, "Du hast recht, der Kaffee hier ist echt zum Kotzen!". Vom Gebäck wollte ich gar nicht erst anfangen. Gerade als ich wieder ansetzen wollte, das Gespräch in vertraulichere Gefilde zu lenken, kamen zwei Kollegen zurück in den Raum. Ich strich mir eine lose Strähne zurück hinter das Ohr, bemüht nicht ertappt zu wirken, und knüpfte wieder an unser Geschäftsgespräch an. "Ich müsste noch meine Jacke holen und dann werde ich Ihnen gerne über die Arbeit mit Frankreich berichten. Begleiten Sie mich zu meinem Platz? Ich kenne mich hier noch nicht wirklich aus, nicht das ich mich noch verlaufe!", fragte ich mit unschuldigem Lächeln an Ragnar gerichtet. Meine Schauspielkunst würde ich noch ausbauen müssen, wenn ich hier nicht mit offenen Karten spielen wollte. Auch wenn die Kollegen es nicht merkwürdig zu finden schienen. Vielleicht musste ich mich auch einfach von diesem krampfhaften Gedanken befreien. Dem Dunkelblonden voran, schritt ich aus dem Saal und entschleunigte meinen Schritt, damit er aufholen konnte. "Ich hatte keine Ahnung, dass du hier arbeitest", begann ich mich zu rechtfertigen, er sollte nicht denken, dass ich eine verrückte Stalkerin war.

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night
von Kitty am 24.02.2019 17:12Ohne jede Frage, ich war nervös. Meine Finger schlossen sich um den kühlen Porzellanrand des Waschbeckens, während ich einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel warf und noch einmal tief durchatmete. "Ganz ruhig Kitty, du schaffst das!", murmelte ich meinem Spiegelbild Mut zu und war mehr als froh darüber, dass man mir die vergangene Nacht nicht im Gesicht ansehen konnte- ein Hoch auf die Gene. Die Tatsache, dass ich gerade das Gefühl hatte, mein Magen würde sich überstülpen konnte ich auch ganz getrost auf die kommende Stunde schieben, nicht etwa auf die etlichen Gläser Feuerwhiskey die mir gestern brennend durch den Rachen gelaufen waren. Ich hatte noch nie mit den Folgen eines Katers zu kämpfen gehabt, ganz gleich wie viel ich auch getrunken hatte. Hingegen hatte ich die Aufregung das erste Mal vor einer Gruppe von Menschen zu sprechen, die ich nie zuvor gesehen hatte, nie in den Griff gekriegt. Dies verlor sich meistens mit der Zeit, wenn ich mich wohl fühlte und Fuß gefasst hatte. Aber eben das war hier noch nicht der Fall. Es war mein erster Tag im Ministerium. Ich war die Neue. Neu in der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit, neu in London. Und was war meine erste brilliante Amtshandlung gewesen? Ich hatte mich hemmungslos mit einer Barbekanntschaft betrunken und diese mit nach Hause genommen, und das in der Nacht vor meinem ersten Tag auf meiner neuen Dienststelle. Großartig. Einfach großartig. Das war wohl eine dieser Situationen die meine Mutter wohl damit meinte, wenn sie mir an den Kopf knallte, dass ich wohl nie erwachsen würde. Kaum merklich schüttelte ich den Kopf, während sich ein zartes Lächeln auf meine Züge stahl, als mir klar wurde, dass ich es dennoch nicht bereute und jederzeit wieder tun würde. Er hatte gut ausgesehen. Groß, muskulös und mit diesem leicht gefährlichen Blitzen in den unfassbar blauen Augen. Als ich allerdings wach geworden war, war der Platz neben mir im Bett bereits leer gewesen; nur der Abdruck auf dem Kissen und der schwache Duft des Aftershaves darauf gaben aufschluss darüber, dass ich das alles nicht nur geträumt hatte. Ein wenig enttäuscht hatte mich das schon, auch wenn es die Peinlichkeiten, mit denen der Morgen danach manchmal verbunden war, ersparte. Erneut schüttelte ich den Kopf, dieses mal stärker um die Gedanken los zu werden, zog den grauen Bleistiftrock zurecht und verließ ein letztes Mal tief Einatmend den Waschraum, um mich zu dem morgendlichen Meeting zu begeben.
Meine Vorstellung war kurz und schmerzlos verlaufen und ehe ich mich versehen hatte, war es auch schon vorbei gewesen und ich nahm wieder auf meinem Stuhl am Kopfende neben meinem Vorgesetzten platz, der das Wort wieder an sich nahm. Kaum das er angesetzt hatte wurde die Tür schwungvoll aufgeschoben und erneut wallte das Gefühl in mir auf, als sei ich gerade aus einer Achterbahngondel geklettert. Der Mann, der sich heute Morgen aus meiner Wohnung gestohlen hatte, setzte sich wie selbstverständlich auf den letzten freien Stuhl. Ich wusste nicht, welches meiner Gefühle überwog. Überraschung? Belustigung? Oder doch eher Wut über die Schmach, dass er mich wie einen faden Nachtisch ohne ein Wort zu sagen einfach hatte stehen, oder besser gesagt, liegen lassen? Sein Blick traf den meinen. Wenn es ihm gerade ähnlich erging war er definitiv ein besserer Schauspieler als ich, der man wohl gerade verschiedene Gedanken von der Stirn ablesen konnte. Ein wenig aus dem Konzept gebracht hatte ihn unser überraschend schnelles Wiedersehen offensichtlich aber auch, da er die an ihn gerichtete Frage erst beim zweiten Mal zu regestrieren schien. "Ms. Goldstein, Sie haben noch Kontakte zu Ihrem Mittelsmann in Paris?", richtete der ältere, zurückgesetzte Mann das Wort an mich, nachdem der Neuankömmling seine Frage beantwortet hatte. "Ja, Sir", nickte ich und wandte endlich den Blick von dem Blonden ab, meinem Chef zu. Offensichtlich war das genau das, was er hatte hören wollen und ehe ich mich versah sollte ich meine Bekanntschaft unterstützen. Mir ein Seufzen gerade so verkneifen könnend, lauschte ich der restlichen Versammlung nur noch mit halbem Ohr, viel zu sehr war ich mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt. Die am Morgen ersparte Peinlichkeit schien wohl doch ihren Tribut zollen zu wollen. Als der Chef die Zusammenkunft beendete, hatte ich mir bereits zehn verschiedene Strategien überlegt, von Szene bis das Gekonnte so zu tun als sei nie etwas gewesen war alles dabel. Betont lässig trat ich neben ihn an den Servierwagen, auf dem diverse Kannen standen und griff nach einer Tasse. "Danke für den Kaffee heute Morgen", grinste ich herausfordernd, die zuckersüße Ironie beflügelnd, ehe ich den Blick hob und meine Tasse immer noch lächelnd zu meinen Lippen führte. Ich hatte mich für die lockere Variante entschieden, immerhin mussten wir jetzt zusammenarbeiten und, wie bereits erwähnt, ich bereute absolut nichts von dem was wir gemacht hatten.

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