Kitty & Ragnar ~ about last night

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Nott

33, Männlich

Main Character Hogwarts Nicholas Flamel University [ehem.] Slytherin Abgeschlossen Reinblut Böse Todesser Ministeriumsangestellter Abteilungsleiter Legilimentik Okklumentik Wortlose Magie Badboy Frei

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Nott am 12.07.2019 14:45

Als sich jemand neben mich gesellte, erkannte ich sie erst an der Stimme, bevor ich ihr einen Seitenblick zuwarf. „Wilkommen in England“, erwiderte ich und sah mir die fast alle ausnahmslos gelangweilten und vor allem geheuchelten Gesichter an. Ich zwinkerte ihr zu und lächelte wissend. Ich achtete allerdings darauf, dass wir beide nicht zu vertraut wirkten, sondern so, wie wir es in der Öffentlichkeit immer handhabten. Bisher war es wirklich ein Wunder, dass unsere Affäre noch immer keine großen Kreise gezogen hatte, was bei einem Arbeitsplatz wie diesem nahezu unmöglich war. Doch bis auf ein paar Andeutungen und schiefe Blicke, schien keiner einen wirklichen Beweis für unsere Liaison zu haben. Selbst meinen Geschwistern hatte ich es nicht erzählt, auch wenn ich fürchtete, dass Ray bereits eins und eins zusammengezählt hatte. Aber um ihn machte ich mir keine Gedanken. Ich hatte eher den Eindruck, dass Nyx mehr von den Gerüchten zu Ohren bekommen hatte, als sie erscheinen ließ und ihr beinahe übertrieben nichts ahnendes Gehabe machte mich eher misstrauisch als dass es mich entspannte. Was hatte ich mir überhaupt bei der Sache gedacht? In wenigen Monaten würde ich heiraten und anstatt mehr in unsere schwierige Beziehung zu stecken, fing ich etwas mit einer Kollegin an? Und dass nur, weil ich so wütend über ihre Affäre mit meinem ehemals besten Freund gewesen war? Das war dumm gewesen. Dumm und kindisch. Und vielleicht wäre es alles nur halb so schlimm gewesen, wenn ich es einfach bei der kurzen Affäre belassen hätte, aber wer hätte gedacht, dass einem die Zügel so schnell entgleiten konnten? Ich hatte immer gedacht, dass ich die Sache unter Kontrolle hatte. Bisher hatte ich das immer getan, aber in dieser Sache hier steckte ich bereits viel zu tief drin. Ja, ich mochte Catrina. Und ständig musste ich an sie denken und unsere ganze gemeinsame Geschichte hatte etwas Verbotenes, Aufregendes, weil sie eigentlich nie hätte sein dürfen. Und im nächsten Moment kam ich nach Hause und versöhnte mich mit Nyx und jedesmal musste ich wieder erkennen, wie glücklich ich mich schätzen konnte, dass ich trotz unserer Differenzen, die Möglichkeit bekam, mit dieser Frau mein Leben zu führen. Und im nächsten Moment war ich nah dran, sie umzubringen. Als ich merkte, dass ich wieder zu lange in Nyx Richtung gestarrt hatte, sah ich schnell wieder woanders hin und nahm einen großen Schluck Champagner. Auf Kittys fragenden Blick hin, musste ich mich entscheiden: Ließ ich die Bombe einfach gleich hier platzen, oder spielte ich das Spiel weiter? Eigentlich war es ohnehin verwunderlich genug, dass Kitty bisher von noch keinem anderen im Ministerium gesteckt bekommen hatte, dass Nyx und ich verlobt waren. Aber leider siegte in meinem Inneren der Weg des Einfachen. „Das ist Nyx Lestrange, Leitung der Abteilung für Rauschmittel und Cygnus Black III. ist ein hohes Tier beim Zaubergamot“, erzählte ich also und nahm den Zorn der Hölle einfach schonmal auf mich. „Ihr Bruder ist mit einer seiner Töchter verheiratet. Mr. Black ist ein sehr alter Freund meines Vaters.“ Dann sah ich mich weiter um, um nicht zu sehr den Fokus auf die beiden zu lenken, sondern schnell lieber auf jemand anderen. „Das da ist Corban Yaxley“, deutete ich auf den blonden Mann, der sich gerade am Buffet bediente. „Angestellter bei der Strafverfolgung, und das da“, ich deutete auf einen Mann ein paar Leute hinter ihm in der Schlange. „Ist Mr. Chamberlaine-Thorne, der Leiter eben jener Abteilung.“ Wir hatten meistens mit anderen Abteilungen nichts am Hut, unsere eigene war ziemlich groß, sodass wir uns die Etage mit keiner anderen teilten und so auch an normalen Arbeitstagen kaum jemand aus anderen Bereichen über den Weg liefen. Ein nicht unwesentlicher Aspekt, weshalb wir bisher noch nicht aufgeflogen waren.

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Kitty

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Kitty am 12.07.2019 09:37

Tage vergingen, wurden zu Wochen und letztlich zu Monaten. Ich war bereits eine ganze Weile in London und hatte schneller Fuß gefasst als erwartet. Sowohl auf der Arbeit als auch im Privaten konnte ich mich nicht über mangelnde Sozialkontakte beschweren, was mein Heimweh die meiste Zeit auch erstaunlich klein hielt. Wie genau es sich ergeben hatte, dass ich Ragnars persönliche Assistentin wurde ließ sich für mich nicht mehr genau rekonstruieren. Die erste Delegation meines Abteilungsleiters, die mich zwangsläufig zu dem attraktiven Blonden geführt hatte, war gewinnbringend und zufriedenstellend gelaufen und so hatte sich das Ganze wohl ohne großes Zutun entwickelt. Wie es allerdings dazu gekommen war, dass besagter blonder Mann und ich eine Affäre begonnen hatten, war mir hingegen immer noch völlig ersichtlich. Zwangsläufig hatten wir mehr Zeit miteinander verbringen müssen, wie wir es wahrscheinlich getan hätten wären wir einfach nur Kollegen gewesen. Hinzu kam wohl diese nicht zu leugnende sexuelle Spannung, die wir seit meinem ersten Tag nicht in den Griff bekommen hatten, also hatten wir ihr irgendwann den Raum gegeben nachdem sie verlangte. Es war nicht meine Absicht gewesen, dass was zwischen Ragnar und mir außerhalb von Statistiken und Treffen mit internationalen Handelsvertretern lief aus zu plaudern, dafür war ich dann doch zu sehr darüber besorgt, was man mir auf der Arbeit nachsagen könnte. Immerhin war er immer noch sowas wie mein Vorgesetzter. Ragnar hingegen schien es wichtig gewesen, nachdem er den zweiten Morgen in Folge neben mir aufgewacht war, dass wir uns darüber einig waren keinem ein Sterbenswörtchen davon zu erzählen. Es störte mich nicht, im Gegenteil, es hatte sogar einen gewissen Reiz. Der war zwischen uns nicht zwangsläufig nötig, aber einen Abbruch tat es unseren privaten Stunden sicher auch nicht.
Dementsprechend unausgesprochen klar war es auch gewesen, dass wir getrennt voneinander auf der Betriebsfeier auftauchten. Wie nicht anders zu erwarten hatte ich die Treppen genutzt, die mein Partner mir gezeigt hatte, da ich um die Aufzüge und die Kamine immer noch einen großen Bogen machte. Im Eingangsbereich tummelten sich ein Haufen Hexen und Zauberer, von denen die Rang und Namen hatten bis hin zu den normalen Angestellten. Ich überblickte die Menge nach einem bekannten Gesicht und fand wie zu erwarten das einzig, nach dem ich wirklich gesucht hatte. Mein enges, schwarzes Etuikleid ein wenig zurecht zupfend setzte ich mich in Bewegung und bahnte mir einen Weg durch die Feiernden, unterwegs vom Tablett eines Kellners noch ein Glas Champagner schnappend. Ragnar sah sich ebenfalls suchend in dem großen Saal um, bemerkte mich jedoch nicht, bis ich neben ihm zum Stehen kam. „Also wie man richtig feiert müsstet ihr aber noch lernen. Hier wird ja nicht mal getanzt!", grinste ich ohne ihn anzusehen, meinen Blick weiter über die einzelnen Köpfe gleiten lassend, während ich an meinem Glas nippte.


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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Nott am 09.07.2019 20:15

Wenig später erreichten wir das Café und ich sah zu, wie Kitty die Auslage in Augenschein nahm. „Die Scones hier sind nicht schlecht“, gab ich meine Empfehlung kund. „Ich glaube die letzten Brownies, die ich gegessen habe, waren während meines Studiums“, erinnerte ich mich amüsiert. „Je später es wurde, desto leckerer fand ich sie.“ Nur am nächsten Morgen war mir ziemlich schlecht gewesen und mein Kopf hatte sich angefühlt, als wäre eine Horde Zentauren darauf herumgetrampelt. Ich nickte nur erzwungen lächelnd, als sie von ihrem Sohn erzählte. Sie und der Vater schienen wohl getrennt zu sein, aber ich konnte mich trotzdem noch nicht an den Gedanken gewöhnen, dass sie offenbar schon Mutter war. Schlimm fand ich es keineswegs, ich hatte sie nur nicht so eingeschätzt. „Wie alt ist dein Junge denn?“, fragte ich schließlich, um wenigstens ein wenig interessiert zu wirken. Während sie erzählte bestellte und bezahlte ich und lotste uns in Richtung eines kleinen Tisches am Fenster. „Zwei jüngere“, erzählte ich, als die Blondine mich nach Geschwistern fragte. „Einen neunzehnjährigen Bruder, Raymond, und eine siebzehnjährige Schwester namens Vitani. Gehen beide noch nach Hogwarts.“ Als ich das sagte, musste ich ein wenig schmunzeln. „Ray hat in der ersten Klasse eine Ehrenrunde gedreht.“ Ich wusste, dass er es hasste, wenn ich das erzählte, aber wegen seines Alters war es ohnehin jedem klar. Dass es streng genommen noch einen von uns gab, verschwieg ich. Das tat ich immer, denn ich selbst verdrängte es genauso wie mein Vater. Und vor allem meine Mutter. Ray und Vitani wussten nichtmal, dass er existierte und auch ich hatte keine Ahnung, ob der Junge überhaupt noch hier irgendwo lebte und wie er heute aussah. „Kinder habe ich nicht, oder jedenfalls wüsste ich von keinen...“, grinste ich dann. „Und Exfurien gibt es. Aber seit dem Studium ist mir keine mehr davon begegnet.“ Außer die, die bei mir zuhause saß. Allerdings war die eher eine Todesfee. Ich war froh, dass in diesem Moment unsere Getränke kamen, sodass ich den Fragen in diese Richtung erstmal entkommen konnte.

~~~Zeitsprung~~~

Der Fahrstuhl öffnete sich und ich betrat die große Halle, in der die Betriebsfeier stattfand. Es war irgendein Jubiläumstag des Ministeriums und dafür hatte man die große Eingangshalle in einen gigantischen Festsaal umgestaltet, um allen Mitarbeitern Platz zu schaffen. Nyx lief neben mir her, als wir aus dem Fahrstuhl traten und gleich von einem Kellner zwei Gläser Champagner gereicht bekamen. Kurz standen wir einfach nur dort, um uns einen Überblick zu verschaffen, da stolzierte sie auch schon weg und direkt auf Cygnus Black zu, den engsten Freund ihres Vaters. Ich nahm einen Schluck Champagner und hoffte wirklich, dass es heute mit ihr kein Drama gab.

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Kitty

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Kitty am 14.04.2019 17:00

Mit erhobener Braue grinste ich ihn zynisch an. „Du brauchst mich nicht davon zu überzeugen, dass du ein kluges Köpfchen bist!", rezitierte ich ihn teilweise, in Anlehnung an seinen Kommentar bevor wir das Treppenhaus betreten hatten. Ich hatte auf seine Worte hin schmunzeln müssen, in Erinnerung an die gemeinsame Nacht. Meine Fahrstuhl-Szene schien dieses Bild offensichtlich nicht getrübt zu haben. „Mindestens genau so lange ist hier drin auch nicht mehr gewischt worden", murmelte ich, mich in dem hohen Raum umsehend ohne meinen Kopf dabei zu drehen. Seine kleine neckische Geschichtsstunde ließ mich verhalten Grinsen. Es war kein Geheimnis, dass unsere Geschichte nicht einmal im Ansatz so altehrwürdig war, wie die der Briten. Meiner Meinung nach nichts, wofür es sich zu verstecken galt. Wir hatten uns immerhin nie von einem blaublütigen Schnösel auf einem opulenten Thron etwas sagen lassen müssen, hatten selbst berühmte Erfinder, Entdecker und Künstler hervorgebracht und auch architektonisch in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Außerdem hatten wir die bessere Musik, die Beatles waren ja ganz nett und lustig anzusehen, mit ihren identisch schlechten Frisuren, aber sie waren nicht die Doors und ganz sicher kein Hendrix. Und nach uns hatte man ein chemisches Element benannt, wir waren also definitiv nicht unbedeutender als die unterkühlten Briten. Aber ich wollte hier sicher keine Grundsatzdiskussion zum Besten geben. „Hier wäre es auch zu einfach auf dich zurück zu führen! Aber der Tower vielleicht? Das würde sich ja anbieten, wenn du es so mit der Geschichte hast", neckte ich ihn grinsend. Soweit ich wusste hatte sich da ein ehemaliger König zwei seiner Ehefrauen entledigt, „Ich setz ihn mir mal auf meine Touri-Tour-Liste!".
Auf dem Treppenabsatz stehend, blickte ich zu dem Blonden hinab. „Ich versuche den Abstand gering zu halten", gestand ich trocken. Es war nicht so, dass ich mich fürchtete, aber ohne Begleitung hätte ich das Treppenhaus sicher gemieden. „Vielleicht will ich dir auch nur noch eine Chance einräumen, dich als Retter im der Not zu erweisen- mal wieder!", konterte ich dann schließlich ebenso schmunzelnd mit einem deutlichen Hauch Ironie in der Stimmme, während ich mich bereits wieder umdrehte und die nächsten Stufen in Angriff nahm. Mit einem knappen Blick über die Schulter versicherte ich mich, dass der gutaussehende Brite mir folgte. „Wie weit unter der Erde sind wir denn?", seufzte ich mehr zu mir selbst, als ich bereits aufgehört hatte die Stufen mitzuzählen. Da war das MACUSA deutlich besser angelegt. Als ich mich erneut beschweren wollte, in einem deutlich lauteren Ton, als ich endlich eine weitere Tür am Ende der Treppe sehen konnte. Ohne zu zögern zog ich diese auf und wartete in dem belebteren Gang davor auf meinen Anhang. Wenn ich mich richtig lokalisierte, musste hier gleich ein Besuchereingang sein. Eben jenen passierten wir auch wenig später und befanden uns in einer kleinen Seitenstraße. Der Regen hatte nachgelassen und es nieselte nur noch schwach, was mich mein von unserer kleinen Bewegungstour noch ganz warmes Gesicht mit geschlossenen Augen in Richtung Wolken richten ließ. „An den permanenten Regen werd' ich mich echt noch gewöhnen müssen", murmelte ich, als ich planlos neben Ragnar herlief, auch wenn die feinen kühlen Tröpfchen sich gerade wirklich gut auf meiner Haut anfühlten. Das Cafè war glücklicherweise nicht sehr weit entfernt und auch der aktuelle Betrieb hielt sich in Grenzen. Ich schlüpfte aus meinem nassen Blazer und hängte ihn über die Stuhllehne, als wir uns an einen kleinen Ecktisch im hinteren Teil nieder ließen. Es roch herrlich nach Kaffee und kleinen Naschereien, die ich beim Reinkommen schon in der Auslage bewundert hatte. In einem Kamin in der Nähe flackerte ein munteres Feuer, was die Atmosphäre noch gemütlicher machte. „Irgendwelche Empfehlungen?", fragte ich mein Gegenüber, während ich mit meinem Blick die kleine Karte überflog. „Alles außer Brownies", fügte ich gleich an, ohne aufzusehen, „Thomas liebt die Dinger. Letzten Sommer hatte ich ihn übers Wochenende und wir haben uns rund um meine Wohnung durch sämtliche Cafès getestet, um die besten zu finden. Er feiert sie immer noch, mir ist der Appetit darauf etwas vergangen!", lachte ich, in Gedanken an die heißen Sommertage und mein quengelndes schokoladensüchtiges Patenkind. „Als ich ihn Sonntagsabends wieder zu seinem Dad brachte, hatte er eine Zuckerüberdosis und hielt das ganze Haus bis nachts auf Trab!". Ich wusste gar nicht, wieso ich ihm diese Geschichte gerade erzählte, es interessierte ihn wahrscheinlich eher weniger. Aber der Gedanke an den fünfjährigen, hellblonden Jungen war mir gerade wieder in den Sinn gekommen, als ich die kleinen Schokokuchen in der Karte gesehen hatte. Den kleinen Knirps vermisste ich bereits schmerzlich. „Wie sieht's mit dir aus? Nervige Geschwister? Alimente für zuckersüße uneheliche Kinder? Wütende Exfurien?", fragte ich ironisch, die Karte zu klappend und wieder den Blick aus den tiefblauen Augen suchend. Es war wohl von Anfang an klar gewesen, dass dieser „Dienstgang" nichts mit der Arbeit zu tun haben würde. Denn ich wollte den geheimnisvollen Mann, mit dem ich wohl künftig mehr Zeit verbringen würde, wirklich gerne näher kennen lernen.


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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Nott am 11.04.2019 23:05

„Ich werde mich hüten“, versicherte ich ihr mit einem Zwinkern. Obwohl es mich gleichwohl ein kleines bisschen reizte zu sehen, wie sie wütend wurde. Wut konnten wunderbar in Leidenschaft umschlagen und die war dann meistens umso intensiver, mit diesen passiv aggressiven Wandlungen. „Hmm, durchschaut“, gab ich zurück und tat so, als hätte sie mich ertappt. Tatsächlich war es meistens nicht so, dass ich Frauen zu mir nach Hause einlud. Zum einen war es viel einfacher morgens zu verschwinden, als jemanden aus dem eigenen Haus zu werfen. Zum anderen hatte es bei meiner lange vergangenen Flamme Millicent Marceaux einen Gedächtniszauber benötigt, weil sie ständig vor meiner Wohnung gelauert hatte, als das mit uns längst vorbei war. Und bei anderen war die Chance wesentlich geringer, dass meine Verlobte plötzlich auftauchte. Aber wenn Kitty bei mir zuhause auf jemanden traf, sei es nun mein Bruder, wenn er in den Ferien oder an langen Wochenende mich besuchte, oder im schlimmsten Fall Nyx, hatte ich immer noch die plausible Ausrede, dass wir ja zusammen arbeiteten. Der Blick, den sie mir über die Schulter zuwarf hatte etwas zutiefst laszives und beschwor sofort Bruchteile des gestrigen Abends in meinem Kopf herauf. Ich ließ sie erst wieder los, als ich das Gefühl hatte, dass sie nicht mehr Gefahr lief ohnmächtig zu werden. Und irgendetwas hatte ihr panischer Blick vorhin bei mir ausgelöst. Ich hatte bisher immer angenommen und war darin bestätigt worden, dass ich tat was getan werden musste, um dem dunklen Lord zu dienen. Ich hatte bisher nie Reue gezeigt oder Mitleid mit meinen Opfern gehabt, weil ich gewusst hatte, wofür ich es tat und weil es von mir verlangt wurde. Wer das nicht konnte war schwach und nicht würdig, sich selbst zu den Todessern zählen zu können. Doch ihr Blick vorhin hatte in mir den Zweifel ausgelöst, ob ich sie würde umbringen können, wenn man es von mir verlangen würde. Als sie mich eben so angsterfüllt angesehen hatte, hatte ich eher den Instinkt gehabt, mich vor sie zu stellen, damit nichts auf dieser Welt sie je verletzen könnte. Ich schüttelte innerlich den Kopf. Was war denn los mit mir?! Ich klang wie einer dieser verweichlichten Romantiker, die weiße Pfauen züchteten, wie Lucius Malfoy. „Glaub mir, du brauchst mich nicht mehr zu überzeugen, dass du kein kleines Schulmädchen bist.“ Ich sah sie schief an und lächelte vielsagend. Das hatte sie mir letzte Nacht mehr als bewiesen. „Dann nach dir“, schmunzelte ich ihr die Tür aufhaltend, als sie mir versicherte, wieder festen Stand zu haben. Als sie an mir vorbeilief, sah ich zu ihr hinunter ohne sie und ihren kecken Blick aus den Augen zu lassen. Ja, ich hatte gestern eindeutig einen Volltreffer gelandet. Drinnen war ihre Reaktion wie erwartet und ich musste mir ein Lachen verkneifen. Das Treppenhaus war sogar noch staubiger, als ich es das letzte Mal betreten hatte. Und die Art, wie sie mich entgeistert ansah war irgendwie süß. „Ich glaube das Treppenhaus gibt’s schon seit dem Elisabethanischen Zeitalter“, stellte ich fest und sah nach oben. „Du weißt schon, kurz nach der Zeit, als ihr entdeckt wurdet.“ Mit einem Augenzwinkern warf ich ihr einen Blick zu, während unsere Gesichtszüge nur von dem Flackern der spärlichen Beleuchtung erhellt wurden. Amerikaner waren nicht gerade für ihre weit zurückreichende Geschichte bekannt, geschweige denn dafür, dass sie sich gut mit der Geschichte des Rests der Welt auskannten, also konnte ich es mir gerade nicht nehmen lassen, sie ein wenig mit Klischees aufzuziehen. „Keine Sorge, es gibt hier schönere Orte als dieses Gemäuer, um Leute loszuwerden“, schmunzelte ich und ließ es so klingen, als würde ich scherzen. Auch, wenn ich es ernst meinte. Aber es war besser, ihr gegenüber keinen falschen Anschein zu erwecken. Als ich keine Anstalten machte, die Treppe hinaufzugehen, Mit einem Grinsen, das sie jetzt nicht mehr sehen konnte, folgte ich ihr, nun mit wesentlich besserer Aussicht als den Staub um uns herum. Doch ehe ich die ersten Treppenstufen erklimmen konnte, blieb sie stehen. Sie war nun ein kleines bisschen größer als ich, sodass sie zu mir hinuntersah.. „Haben wir uns etwa jetzt schon verlaufen?“, fragte ich schmunzelnd und sah zu ihr hinauf, während ich mich mit einer Hand ans Geländer stützte.

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Kitty

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Kitty am 04.04.2019 07:34

Sein Schmunzeln entging mir ebenso wenig, wie ihm meine vorherige Verlegenheit, worauf seine Reaktion eindeutig zurück zu führen war. Die Tatsache, dass ich ihn noch genauso anziehend fand, wie am Abend zuvor in der verrauchten, kleinen Bar, lag wohl offen auf dem Tisch. Und es störte mich weniger, als es vielleicht sollte. Dementsprechend schlich sich auch auf mein Gesicht wieder ein zufriedenes Grinsen, als er bei der Zusage zu unserem Dinner blieb. Das ich nicht meine Hände rieb, wie der Bösewicht in einem alten Film war wirklich reine Selbstbeherrschung. Als ich meinen Satz ausgesprochen hatte, waren mir wirklich keinerlei Hintergedanken im Kopf umgegangen. Erst im zweiten Anlauf hatte ich diese selbst herauf beschworen, als mir klar wurde, wie der Satz wohl im Anbetracht unserer verzwickten Sachlage geklungen haben musste. Für die Herleitung, woher diese kognitiven Anstöße kamen während ich neben Ragnar durch den hallenden Korridor schritt, brauchte man weder ein Diplom noch Klemmbrett und die obligatorische Ledercouch.
„Oder einfach keine Dummheiten machen- jedenfalls keine die mich verärgern könnten", erwiderte ich keck ohne mir ein Schmunzeln zu verkneifen oder seinen Blick dabei zu suchen. Ich stierte immer noch geradewegs in den Gang vor uns, an dessen Ende sich langsam das Großraumbüro auftat. Bis auf die Gabel, welche beinahe die Hand meines Onkels gelöchert hätte, hatte ich noch nie einer Fliege was zu Leide getan. In unschönen Trennungsszenen hatte ich bisher keine Ohrfeigen verteilt, Drinks ins Gesicht gekippt oder mit Gegenständen geworfen, ich hatte mich in Kindertagen nie mit meinem Bruder geprügelt oder sonstiges. Die Wahrscheinlichkeit, dass es etwas gab, dass der gutaussehende Blonde tun konnte, an diesem Zustand etwas zu ändern, belief sich gegen null. Aber das behielt ich für mich, so töricht mich ganz schutzlos auszuliefern, war ich immerhin auch nicht. „Du würdest den Heimvorteil doch nur nutzen, weil du wüsstest, dass ich mich mit meinem noch fehlenden Orientierungssinn nicht einfach aus dem Staub machen könnte. Aber gerne- Deal!", meine Stimme hatte ich bereits gedämpft, da wir gerade mit dem Verklingen meines Satzes das Büro betreten hatten. Dennoch war in meinen Worten die gewollte Provokation mitgeschwungen, welche ich mit einem vielsagenden Blick über meine Schulter zu Ragnar, der hinter mir eingetreten war, und einem abermals süffisanten Grinsen bedachte. Vielleicht waren doch nicht alle Veelagene spurlos verschwunden, ich wusste definitiv wie man spielt.
Leider verflogen meine Künste mit dem Betreten des goldenen Aufzuges. Ragnars Fürsorge dabei machte es zwar besser, aber nur unwesentlich. Erst als er meine mit sanften Druck umfassten Oberarme los ließ, nachdem er sicher war, dass ich mich nicht der Länge nach hinstreckte, wenn ich meine eigenen Beine wieder belastete, verließ die Anspannung meinen Körper. Sie wurde allerdings von einer anderen abgelöst, als ich realisiert hatte, wie er mir fast zärtlich die Strähne aus dem Gesicht schob. Es war nur eine Momentaufnahme, eine Millisekunde und es war vorbei, der erwartungsvolle Blick, mit dem ich in dieser Zeit zu ihm aufsah, war ebenfalls in eben jenem Tempo gewichen. Ich nickte über seine aufmunternden Worte, die ich wirklich süß fand. „Es stellen sich nur nicht alle dran wie kleine Schulmädchen nach einer Gruselgeschichte im Dunklen", gab ich trocken grinsend zurück, ehe ich ein aufrichtiges ‚Danke' hinzufügte. Diese fürsorgliche Seite war irgendwie befremdlich. Keinesfalls abschreckend und alles andere als unattraktiv, aber es ließ sich nicht gleich mit dem Mann in Verbindung bringen, der es mit einer erschreckenden Leichtigkeit in der Nacht zuvor geschafft hatte, mich klar zu machen. Aber diese Facette an ihm gefiel mir, ebenso gut wie die gefährliche Ausstrahlung, die ihm definitiv in die Karten gespielt hatte. Ich nickte erneut. „Ja, wirklich. Ich geh einfach vor, sollte ich geblufft haben kannst du mich notfalls auffangen", witzelte ich auf seinen misstrauischen Blick hin und schritt ihn grinsend ansehend durch dir Tür, welche er aufhielt. Erst als ich die stickige, staubversetzte Luft roch, wandte ich den Blick von meinem Begleiter ab und sah mich, abrupt stehen bleibend, in dem heruntergekommenen Treppenhaus um. Jegliches Szenenbild aus Horrorfilmen war ein Kinkerlitzchen dagegen. „Ähm...", setzte ich an, meinen Blick den schier endlosen Treppenaufgang hoch werfend, bis die Tür geräuschvoll ins Schloss fiel und mich kurz zusammenfahren ließ. Hier waren wir definitiv ungestört und fernab jeglicher neugieriger Blicke, außer vielleicht wir würden hier seit Jahren verschollen geglaubte Praktikanten finden, die sich einfach nur verlaufen hatten. „Eventuell hab ich meine Meinung geändert und lasse dir den Vortritt. Solltest du allerdings vorhaben dich meiner zu entledigen, versichere ich dir, dass das auch einfacher geht als hier", meinte ich ironisch grinsend, seinen Blick wieder suchend, während das unruhig flackernde Deckenlicht tanzende Schatten auf unsere Züge warf. Meine Stimme war automatisch gedämpft, wie es sich für einen schaurigen Ort wie diesen gehörte, außerdem standen wir unmittelbar voreinander, lauter musste ich tatsächlich nicht reden. Außer dem Knistern der Lampe war es still um uns, während wir uns einen viel zu langen Moment einfach nur ansahen. Mir offensichtlich auf die Unterlippe beißend, schüttelte ich kaum merklich den Kopf, um die Ideen welche sich dort einnisten wollten zu vertreiben. Ich schob mich an ihm vorbei zu den ersten Stufen, welche ich erklomm, bevor ich noch irgendwelche Dummheiten tat- wonach mir eigentlich gerade der Sinn gestanden hatte. „Schon gut, ich geh vor", kommentierte ich mein Tun, während sich das Klackern meiner Absätze mit dem elektrischen Knacken mischte. Ein Zauber und es wäre dunkel um uns herum. Auf der zweiten Stufe blieb ich stehen und sah ihn bedeutungsvoll an, ausnahmsweise leicht größer als mein Gegenüber. Zu viel Abstand wollte ich hier drin dann doch nicht.


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Antworten Zuletzt bearbeitet am 04.04.2019 07:44.

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Nott am 02.04.2019 22:50

Ich lachte, als sie von ihrem Onkel erzählte. Jede Familie hatte so ihre Paradiesvögel in ihren Reihen und ich fand es schön, dass sie die Geschichte meines Onkels einfach so stehen ließ und nicht weiter nachbohrte. Stattdessen lenkte sie das Thema auf ihre eigenen schrägen Verwandten, was mir gefiel. So kam ich gar nicht erst in die unangenehme Situation die Geschichte um meinen Onkel weiter auszubauen und dann unweigerlich weiter von der traurigen Wahrheit abzurücken. Ich nickte schmunzelnd, als sie versuchte die Situation zu retten, um zu verhindern dass sie sich unwohl fühlte. „Ja“, bestätigte ich dann nochmal meine Zusage, zu ihrem Treffen unter dem Vorwand mir etwas kochen zu wollen. Vielleicht war das Ganze auch gar kein schlechter Anlass, bei einem ruhigen Essen die Fronten zu klären. Oder eben zu sehen, was der Abend zu bieten hatte und auf die Fronten zu verzichten. Ich zog die Schultern mich meiner Schuld bewusst hoch, während wir den Weg zum Büro fortsetzten. „Dann sollte ich mich besser vorsehen, hm?“ Ich schenkte ihr ein breites Lächeln in einem Seitenblick, welchen ich kaum merklich dazu nutzte, sie nochmal kurz von oben bis unten auszuchecken. Sie hatte Veelagene, das war nicht zu verkennen. Ihr Haar fiel über ihren Rücken wie Fäden aus purem Gold. Und auch der Rest gab mir die Bestätigung, dass ich auch im betrunkenen Zustand noch alle Sinne beisammen haben musste, um eine Frau wie diese erobert zu haben. Was sie als nächstes sagte mit diesem süffisanten Blick machte es mir schwer mich zu konzentrieren. „Vielleicht wäre es auch nur fair, wenn ich stattdessen den Gastgeber spiele“, gab ich zurück. Ich hatte Glück, dass ih der Einzige war, der das Haus in London nutzte, sodass ich dort ungestört Gäste empfangen konnte wann immer ich wollte. Raymond ging noch zur Schule und meine Eltern lebten meistens auf dem Anwesen oder reisten zu unseren Verwandten. Nyx hatte ihr eigene Bleibe, wobei sie die Angewohnheit hatte, in einer ihrer seltenen Launen plötzlich halbnackt in meiner Wohnung aufzutauchen, weil sie gerade mal beschlossen hatte, mich doch nicht so schlimm zu finden. Aber das kam so selten vor, dass ich mich davon nicht stören lassen konnte. Viel weiter vertiefen ließ sich unser gerade interessant werdendes Gespräch leider nicht, denn wir hatten den Fahrstuhl erreicht und es dauerte einen Moment, bis ich die Situation begriff. Kitty war offensichtlich klaustrophobisch, denn die Art wie sie sich in die Ecke drängte und mich panisch aus ihren strahlend blauen Engelsaugen ansah ließ keine Zweifel offen. Wie oft hatte ich solche Gesichtsausdrücke schon gesehen? Ich hatte aufgehört zu zählen. Kein Augenpaar war so schön gewesen, wie das der Blondine neben mir, aber der Ausdruck war immer derselbe. Todesangst. Doch dieses Mal war ich nicht der Grund dafür. Also ließ ich es zu, dass sie meine Hand ergriff und sich daran klammerte. Ich ließ es sogar zu, dass sie die Hand auf meine Brust legte und mich langsam, aber bestimmt auf dem Aufzug schob, als dieser seine Türen öffnete. Ich hielt sie draußen angekommen kurz an den Oberarmen sanft fest, bis ich das Gefühlt hatte, dass ihre Knie sie wieder hielten. Kurz war ich gewillt, sie in den Arm zu nehmen, damit sie nicht umfiel, aber ich hielt mich zurück. Wenn das jemand hier sah hatten wir beide ein verdammt großes Problem. Was ich mir jedoch nicht nehmen lassen konnte war, ihr eine kleine Locke hinters Ohr zu streichen, die ihr ins Gesicht gefallen war. Ich machte es schnell und unauffällig und ließ es fast beiläufig wirken. „Schon gut“, lächelte ich, als sie sich auch noch entschuldigte. „Viele Menschen fürchten enge Räume.“ Mit Furcht anderer kannte ich mich aus. Zu gut, aber das durfte sie nicht wissen. Wie oft hatten mir solche Informationen vor Verhören genutzt. Die Ängste aus Menschen herauszulocken war manchmal nicht leicht. Aber wenn man sie gefunden hatte, war kaum noch eine Information vor einem sicher. „Wirklich?“ Ich sah sie wenig überzeugt an, als sie schnell ihren Rücken straffte und versuchte, das eben Geschehene zu überspielen. Ich hob die Augenbrauen und sah sie noch immer misstrauisch an, nickte dann aber in Richtung einer Tür neben mir. „Hier entlang“, antwortete ich und hielt ihr die Tür zum Treppenhaus auf. Drinnen war es staubig und ein wenig düster. Niemand benutzte die Treppe und dementsprechend waren die Putzarbeiten hier schon vor langer Zeit eingestellt worden. Und auch die Beleuchtung war dürftig. Nur jede zweite von den Lampen schien überhaupt zu funktionieren.

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Kitty am 20.03.2019 22:13

"In New York haben wir auch zwischenzeitlich stramme Winter", schmunzelte ich leicht. Wahrscheinlich reichten wir dennoch nicht mal im Ansatz an die Temperaturen ran, von denen mein Kollege neben mir gerade sprach. Sein Lachen war ansteckend und nachdem er mir bestätigte, dass ich mit der Mutmaßung über seinen Onkel recht hatte, ließ auch mich eben jener absurde Gedanke wieder glucksen. Mir eine Strähne zurück hinters Ohr schiebend, zuckte ich sanft die Schultern. "Jeder hat wohl diesen einen leicht sonderlichen Onkel!", meinte ich grinsend, dem inneren Bedürfnis nachkommend, ihn zu beschwichtigen, ganz gleich, dass ich mir nicht mal sicher war, ob er sich seines Onkels schämte. "Meiner trinkt an Weihnachten immer zu viel Eierlikör und wir dann obszön, sodass man gut daran tut sich mit den Kindern und den minderjährigen Mädels in ein anderes Zimmer zu begeben!", das war nicht mal erfunden, er war wirklich anstrengend und furchtbar aufdringlich. Ich hatte ihn vor einigen Jahren fast mal die Gabel in die Hand gerammt, seitdem hatte jedenfalls ich meine Ruhe. Und wenn ich noch ansatzweise nüchtern war, übernahm ich auch gerne die Verteidigung meiner Cousinnen. Das Thema hatte den Dunkelblonden zum Grübeln gebracht, jedenfalls kam es mir so vor. Ich konnte mich allerdings auch irren, dafür kannte ich ihn nicht gut genug. Aber jeder hatte doch schwarze Schafe in der Familie- die einen eben mehr, die anderen weniger. Familie konnte man sich eben nicht aussuchen.
Ich bemerkte, wie er mich süffisant musterte. Er hatte es also genauso aufgefasst, wie vermutet. Warum war ich dämliche Kuh auch zurück gerudert? "Das ist gut zu wissen!", lächelte ich und warf ihm einen grinsenden Seitenblick zu, "Ich sehe das dann als Zusage!". Und darüber freute ich mich ungemein. Dieses Mal würde ich auch nicht so viel trinken und die Kontrolle behalten. Es sei denn natürlich, ich wollte sie abgeben. Von meinen eigenen Gedanken leicht irritiert, spürte ich eine sanfte Hitze in meinen Wangen aufflammen. Weswegen ich während des Gehens, Interesse heuchelnd die Portraits der verschiedenen Zaubereiminister an der Wand begutachtete, um meine erröteten Wangen zu verbergen. Ich lachte glockenhell auf, die Haare dabei in einer fließenden Bewegung über die Schultern werfend. "Du solltest mich nicht auf die Probe stellen. Ich reiß dir auch ohne Gen-Booster deinen Hintern bis zum Stehgreif auf, wenn du es verdient hast", säuselte ich kontrovers zu meinen Worten in zuckersüßer Stimme, ihn dabei mit süffisant gehobener Braue  mit meinem Blick fixierend. Ich bluffte. Natürlich tat ich das. Meine physische Stärke war kaum der Rede wert und was das Zaubern betraf, war ich mir ziemlich sicher, dass mein Gegenüber mindestens auf dem gleichen Level war- wenn nicht sogar besser.
"Sehr gut. Dann kannst du ja an dem Abend, an dem ich koche Heim fallen", lächelte ich, während mir ein 'oder einfach bleiben' durch die Windungen schoss. Was war aus meinem guten, kaum eine halbe Stunde alten, Vorsatz geworden, mich ein weig zurück zu halten, jetzt da wir wohl oder übel miteinander arbeiten mussten. Es endete doch nie gut, wenn man am Arbeitsplatz was laufen hatte. Das lehrte uns die Historie eines jeden Firmendramas. Und dennoch, konnte ich nicht von dem Gedanken ablassen. Dafür war mir die berauschende Nacht noch zu present.
Ich nickte, mir innerlich bereits vornehmend, in den nächsten Wochen auf Ahnenforschung zu gehen. Auf weitere Überraschungen konnte ich wirklich verzichten. Nachher entdeckte ich wirklich noch was wie eine blaue Blutlinie, was die Sache für mich wohl kaum einfacher machen würde. Oder aber doch, in dem es den Rückzug meinerseits begünstigen würde.
Ich hörte ihm schon nur noch mit halbem Ohr zu, weswegen mir auch die Entschuldigung entging, bereits in panischer Wallung vor dem stählernen Käfig. Meine Reaktion deutete er völlig richtig und ich war mehr als froh, als wir alleine in dem beengten Raum standen. Seine Frage konnte ich nicht beantworten, ich nickte nur. Meine Kehle war wie ausgetrocknet und ich hatte kaum noch Spucke im Mund. Schon länger war mir klar, dass der Aufzug nur ein Sinnbild meiner eigentlichen Angst war- eingesperrt zu sein. Nicht mehr frei. Aber das war sicher kein Thema für einen unverfänglichen Smalltalk. Sein Verhalten hätte ich in jedem anderen Moment mehr als süß gefunden, aber aktuell versuchte ich nur, mich nicht wimmermd in die Ecke zu kauern. Dankbar hielt ich trotzdem seine große, warme Hand in meiner und fand auch letztlich seinen Blick als er unmittelbar, dicht vor mir stand und der meine aufhörte unruhig durch den beengten Raum zu huschen. Es half tatsächlich und ich wurde ein wenig ruhiger, mich in diesen unfassbar blauen Augen verlierend. Es war schon fast unfair, dass er mein Vorgesetzter war und ich diesem Anblick ab nun an Tag für Tag trotzen musste. Ohne ihm zu antworten, legte ich meine freie Hand auf seine muskulöse Brust und schob ihn, mit allem Druck den ich aufbringen konnte, aus meiner personifizierten Hölle. Tief Luft einziehend und seine Hand immer noch nicht loslassend, taumelte ich auf wackligen Knien auf den glücklicherweise leeren Flur, laut die angestaute Luft ausatmend. Super peinlich. Wo waren die verdammten Löcher im Boden, wenn man sie mal brauchte? Ungerne meine Hand aus seiner lösend, die sich dort wirklich gut angefühlt hatte, rieb ich mir mit meinen kühlen Händen durch das immer noch angespannte Gesicht. "Sorry", nuschelte ich peinlich berührt zwischen meinen Fingern hindurch, kurz an einer Wand anlehnend, um meine Beine wieder unter Kontrolle zu bringen. "Ich hasse Aufzüge... wirklich!". Meinen Rücken wieder straffend, stieß ich mich wieder von meiner Stütze ab und nickte wieder mit alter Selbstsicherheit, als sei nie was gewesen, nur meine blasse Nase verriet mich noch, "Wir können weiter! Wo geht's hier raus?". 


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Nott

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Nott am 18.03.2019 23:01

Ich legte den Kopf leicht schief und lachte, weil ich das öfter hörte. „Die Gene scheinen recht dominant zu sein“, stimmte ich zu. Es war tatsächlich recht erstaunlich, dass die Notts sich nach so vielen Jahrhunderten alle recht ähnlich sahen. Ich zuckte mit den Schultern und schob meine Hände in die Hosentaschen. „Die Arbeit lässt es nicht allzu oft zu“, gestand ich. „Aber wenn ich Urlaub habe fahre ich schon länger mal hin.“ Auf ihre Frage, wie es dort war, musste ich lächeln. „Genauso wie hier. Nur schöner.“ Ich fuhr gerne dorthin. Ich mochte die Wildheit, die der Norden noch immer versprühte. Meilenweit unbediedeltes Land und viel klarere Jahreszeiten als in Mitteleuropa. „Und kälter“, fügte ich noch mit einem Zwinkern hinzu. Als wir über meinen Onkel sprachen musste ich lachen. „Ja, so ungefähr kann man sich das vorstellen.“ Streng genommen hatte er einen ganzen Mob angestiftet alle Drachen in der Umgebung zu finden und hatte die vielen toten Tiere überall in der Stadt verteilt und angezündet und er hatte Muggel gekidnappt und versucht, das Ministerium zu erpressen und ein Haufen anderer unnützer und übertriebener Schwachsinn. Er war ganz klar einer von den psychopathischten meiner Verwandten, aber ich wollte meine neue Partnerin nicht mit den Totalsausfällen in meiner Familie erschrecken. In meinen Gedanken spielte sich ein Szenario ab, in dem sie herausfand, wer ich wirklich war und was für Dinge ich schon in meinem Leben getan hatte. Ich kannte sie viel zu schlecht, um mir ein Bild von ihrer Reaktion machen zu können, aber es konnte nur zwei Möglichkeiten geben. Entweder sie teilte meine Ansichten oder sie tat es nicht und ich wusste nicht, was mir lieber war. Irgendwie gefiel mir die Vorstellung von ihr, dass sie ein ganz und gar reines Gewissen hatte. Dass sie noch nie einem anderen Menschen Schaden zugefügt hatte und nachts von den Albträumen wachgehalten wurde. Ruckartig riss ich mich zusammen. Was war nur los mit mir?! Ich wurde eindeutig weich und sentimental, das musste hier und jetzt sofort unterbunden werden. Ich hob die Augenbrauen und schmunzelte süffisant. War das eine zweideutige Einladung, oder wie sollte ich das jetzt verstehen? Noch bevor ich etwas erwidern konnte, hatte sie selbst wohl ihr Gesagtes reflektiert und stammelte vor sich hin, was ich irgendwie ziemlich süß fand. Die Frau, die mir gestern Abend den Kopf verdreht hatte, hätte ich mir niemals stammelnd vorstellen können und jetzt wirkte sie nervös und darauf bedacht, bloß nichts Falsches zu sagen. „Schon gut“, schmunzelte ich und musterte sie dabei. Merlin, sie hatte wirklich etwas von einem kleinen Engel. „Ich mag Frittiertes und viel Käse.“ Ich hatte mir den Kommentar nicht verkneifen können, aber mein Gesichtsausdruck sagte ihr, dass ich wusste, wie sie es gemeint hatte. Entweder war sie eine verdammt gute Schauspielerin, dass ich ihr das hier abkaufte, oder mein Verdacht die könne Aurorin sein war wirklich zu voreilig gewesen. Sie war viel zu süß um Aurorin zu sein. Und zu hübsch. Und zu attraktiv. Aurorinnen waren in meinen Augen humorlose und spaßbefreite Workaholics, die ihr Leben damit füllten, bessere Zauberer und Hexen als sich selbst zu jagen. Ich könnte darauf wetten, dass für diese untervögelten Arbeitsbienen jeder Gefangene, der nach Askaban musste besser als ein Orgasmus war. Catrina war definitiv keine Aurorin. Aurorinnen waren einfach nie und nimmer heiß. „Dann muss ich also keine Angst haben, dass du mich zerfetzt, wenn ich dich verärgere?“ Vollblut Veelas waren zwar wunderschöne Wesen, aber ich hatte zurecht auch einen heiden Respekt vor ihnen. Eine wütende Veela konnte einen in Fetzen reißen und da war es egal, wie gut man zaubern konnte. „Das habe ich auch gehört“, grinste ich dann, als sie meine Entschuldigung zwar annahm, aber auch anmerkte, dass der wortlose Abgang am morgen ein One-Night-Stand doch erst perfekt machte. Natürlich war das nicht ernst gemeint, aber ich konnte nicht anders, als das kleine bisschen Würde meines Egoismus zu retten. Ich nickte. „Ja.“ Ich wollte erst anmerken, dass die Kensington High Street nicht weit entfernt davon lag, doch besann mich eines Besseren. Sie hatte mir gerade vergeben und den instabilen Frieden wollte ich nicht gefährden. Sie würde es ohnehin irgendwann bestimmt herausfinden. Als sie mich fragte, ob wir sowas wie der Adel waren musste ich mir ein Lachen verkneifen. „Sowas in der Art. Uns gibt es einfach schon sehr lange.“ Natürlich waren wir sowas wie der Adel! Wir waren Mitglieder, ja sogar Begründer der verdammten Unantastbaren 28, den ältesten, mächtigsten und reinsten Reinblutfamilien überhaupt. Vor allem die Big Five hatten schon seit Jahrhundeten Einfluss auf das Geschehen in Großbritannien und Europa. Black, Lestrange, Nott, Malfoy und früher auch die Gaunts waren die Namen, die jeder Zauberer in Großbritannien kannte und fürchtete. In unseren Reihen hatten es sogar zwei Urahnen auf den Thron der Muggel geschafft, auch wenn das für Zauberer kaum einen bedeutenden Rang darstellte. Doch wie ich wusste hatte das Ministerium Ohren überall und wir mussten aufpassen, was wir preisgaben, um nicht als Hardliner entlarvt zu werden. Auch wenn es nir noch eine Frage der Zeit war, bis der Dunkle Lord sich endlich erheben würde. Doch Catrina, oder wie mir noch von gestern einfiel, ‚Kitty‘, würde früher oder später wohl eh über meinen Familiennamen oder Informationen über uns stoßen. Ich würde ihr davon nicht direkt erzählen. Das tat ich nie, wenn ich Leuten begegnete, die mich nicht kannten. Ich bugsierte die hübsche Blondine wieder aus dem Büro, als sie sich offenbar ihrer Situation bewusst ward und ihr Zögern die anderen vielleicht misstrauisch gemacht hätte. Draußen tat sie es wieder. Sie entschuldigte sich auf diese Art, die mich einfach Schmunzeln ließ und die ich jetzt schon an ihr mochte. Egal, was sie sagte oder tat, eigentlich war ich es, der sich den ganzen Tag bei ihr wegen gestern entschuldigen müsste. Doch stattdessen schien es ihr wirklich wichtig zu sein, dass ihr nicht wegen Kleinigkeiten böse war oder sie falsch verstand. Es war eine so willkommene Abwechslung zu meiner Verlobten, die mir bei egal für was die Schuld gab und eigentlich nie gut auf mich zu sprechen war. „Mach dir keinen Kopf“, beruhigte ich sie, während wir auf die Fahrstühle zugingen. „Ich trage mein Namensschild halt auch nicht, wenn ich mir abends die Nacht um die Ohren schlage“, ich zwinkerte ihr zu. „Eigentlich müsste ich es jetzt auch tragen, aber ich habe eine Abneigung gegen diese Aushängeschilder.“ Ich ließ sie vor mir den Aufzug betreten, doch da war sie bereits an mir vorbeigehuscht und drückte sich mit dem Rücken in die hintere Ecke. Ich hob kaum merklich eine Augenbraue, doch beschloss erstmal nichts zu sagen. Vielleicht hatte sie auch jemanden gesehen, den sie nicht mochte, oder den sie nicht sehen wollte. Ich stellte mich neben sie und nickte einem aussteigenden Kollegen zu. Dann schloss sich die Tür und der Aufzug fuhr abwärts. Just in dem Moment krallte sich Cat‘s Hand um mein Handgelenk und als ich sie ansah, konnte ich Panik in ihrem Blick sehen. „Klaustrophobie, huh?“, fragte ich und nahm ihre Hand in meine. „Hey, beruhige dich, es ist alles gut“, sagte ich sanft und stellte mich vor sie, damit sie den Rest des kleines Raumes nicht mehr zu sehr sehen konnte. In dem Moment klingelte es und die Türen öffneten sich wieder. „Willst du lieber die Treppe nehmen?“, fragte ich und sah sie an. Wieso hatte sie denn nichts gesagt?

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Kitty

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Re: Kitty & Ragnar ~ about last night

von Kitty am 14.03.2019 22:28

Seine Antwort ließ das Kopfkino losgehen. Hätte er jetzt einfach nach meiner Hand gegriffen und mich in die nächstbeste Besenkammer gezogen, ich hätte sicher nicht protestiert. Das sollte mir eigentlich zu denken geben und ich würde wirklich versuchen, mich ausschließlich auf die Arbeit zu fokussieren. Was aktuell schier unmöglich schien. Wieder musste ich mir vor Augen führen, dass er ein völlig fremder war. Wir kannten einander nicht, was es mir schwer machte ihn in irgendeiner Weise einzuschätzen. Umso erschreckender, dass ich einfach nicht von dem Gedanken ablassen konnte, mir zu wünschen, dass es anders sei.
Mit seinem Kommentar über die Wände schaute ich mich nochmal kurz um. Das Ministerium unterschied sich in so vielen Dingen vom magischen Kongress Zuhause. Angefangen beim architektonischen Stil, über die altehrwürdige Geschichte bis hin zu unserer Vor- und Rangehensweisen. Dennoch fand ich es hier nicht weniger eindrucksvoll, auch wenn ich mich noch eine Weile einleben müsste. Was uns wohl verband, war aber der Geheimhaltungscodex. „Das ist bei uns nicht anders", bestätigte ich, mit der Andeutung eines Lächelns. Denn so strikt sich jeder außerhalb der Hallen an die Klausel aus dem Arbeitsvertrag hielt, der Flurfunk funktionierte tadellos. Und nichts, wirklich nichts, blieb vor den neugierigen Kollegen geheim. Keine Trennung, kein neuer Diätvorsatz, keine noch nicht ausgesprochene Schwangerschaft, kein zugelegtes Laster. Nur hatte ich da nie etwas zu befürchten gehabt, denn ich hatte mir nie etwas derartiges erlaubt, wie ich es in meinen ersten 24-Stunden hier getan hatte. Und das war auf eine nervenaufreibende Art spannend. Möglicherweise auch, weil ich wusste, dass ich jederzeit einen Versetzungsantrag stellen konnte, um wieder in die Heimat übersiedeln zu können.
„Ganz offensichtlich", ging ich auf seine halbernste Aussage ein, ehe ich ihm wieder interessiert zuhörte. „Bist du noch oft da?", wollte ich wissen, „Wie ist es da?". Ich hatte schon viel über die skandinavischen Länder gehört und gelesen, die Mythen und die Naturphänomene. Es gab noch so vieles, das ich mit eigenen Augen sehen wollte und meine Bucketlist schien stetig zu wachsen. Bei dem Teil über seinen Onkel lachte ich hell auf, was von den kahlen Wänden im Korridor zurück echote. „Ist er etwa immer wieder ins 17. Jahrhundert zurückgereist und hat protestiert, oder wie darf ich mir das vorstellen?". Immer noch grinsend, spielte sich vor meinem inneren Auge ein weiterer Film ab, von einem blonden Mann mittleren Alters, der mit einem dieser in Protesten genutzten Schildern auf einem altertümlichen Dorfplatz steht und die dortigen Bauern zu Tode erschreckt. Leicht schüttelte ich den Kopf, um die albernen Gedanken los zu werden. „Wenn du willst, koch ich mal ein nationales Gericht, frittiert und mit extra viel Käse", grinste ich zu ihm auf, bis mir die Worte im Kopf widerhallten. Merlin, das klang wirklich billig. „Also so war das jetzt nicht gemeint... ich meine, du darfst gerne zum Essen kommen, aber... das sollte jetzt nicht nach einer lahmen Anmache klingen!", stammelte ich wie ein pubertierendes Teengirl, versucht mir mit der flachen Hand gegen die Stirn zu schlagen. Herr je.
Mit einem Nicken bestätigte ich seine Annahme. „Allerdings schon in der dritten Generation, also schon ziemlich verwässert!", erklärte ich, „Meine Großmutter mütterlicherseits war eine Veela!". Kaum verwunderlich, dass sie unsere Lieblingsoma gewesen war, die Frau hatte alles und jeden mit einem simplen Wort bezirzen können. Ganz so leicht fiel mir das nicht mehr, bis auf ein paar äußerliche Merkmale war nicht mehr viel über. Der Einzige den ich noch ohne weiteres um den Finger wickeln konnte, war mein Dad- und das schafften, soweit ich wusste, fast alle Mädchen bei ihren Vätern. Seine wirklich lahme Ausrede ließ mich diese mit einer erhobenen Braue und einem abschätzigen Lächeln quittieren. „Schon okay, ich reiß dir nicht den Kopf ab. Sofern ich weiß, gehört der unbemerkte Abgang am Morgen zu der Vollendung eines perfekten One-Night-Stands", gab ich mich betont lässig, mir meinen eigentlichen Ärger nicht im mindesten anmerken lassend. „Ja da ist auch noch ein Hotel!", glaubte ich jedenfalls. Als hätte ich dafür noch Augen, wenn ich nach einer Portion Nudeln hungerte. „Genau den! Die sind da echt großartig!", schwärmte ich automatisch. Sollte ich es nicht mehr schaffen, nach der Arbeit noch einzukaufen, würde mein Weg mich auch genau dorthin wieder bringen. Es war nur eine Frage derzeit, bis die Mitarbeiter in dem kleinen Laden mich mit Namen und meinem Lieblingsgericht kannten. Mein Hang zu bestellten Essen hatte während des Studiums dramatisch zugenommen, was weniger daran lag, dass ich nicht kochen konnte, sondern an einer sich eingeschlichenen Bequemlichkeit. „Wirklich? Du wohnst auch in Kensington?". Wie viele verrückte Zufälle würden sich wohl noch innerhalb dieser Bekanntschaft zeigen. Seine Adresse konnte ich zwar nicht lokalisieren oder zuordnen, aber es war wohl nicht allzu weit weg. Theoretisch würden wir morgens zusammen herkommen und nach der Arbeit wieder zurück. Theoretisch. „Ein altes Anwesen?", harkte ich nach, die Braue skeptisch angehoben, „Seid ihr sowas wie Adel?". Und es wurde besser und besser.
Ich war dankbar dafür, dass Ragnar meinen Kollegen anhielt, seinen Blick endlich abzuwenden. Als er nach Thommy fragte, glaubte ich für einen kurzen Moment Überraschung in seinem Gesicht aufblitzen zu sehen. Nicht weiter verwunderlich, hatte ich mir in der Nacht noch mit ihm das Bett geteilt. Ich konnte nur hoffen, dass mein Nebenmann diese gefälschte Information genauso schockiert und im besten Fall sogar abgeschreckt hatte. Die Reaktion des gutaussehenden Blonden konnte mir allerdings auch den Aufschluss geben, dass er selbst ungebunden war. Wieso genau mir dieser wirklich nicht bestätigte Gedanke einen Höhenflug verschaffte, wusste ich auch nicht ganz genau. Seine große, warme Hand auf meinem Rücken trübte diesen allerdings nicht im geringsten, sondern hatte eher das Gegenteil zur Folge. Wusste er eigentlich, wie gut ihm dieses verhaltene Grinsen stand? Mit Sicherheit. Gehorsam ließ ich mich aus dem Großraumbüro schieben, an seiner Bürotür allerdings noch einen schnellen Blick auf das Namenschild werfend. Ohne Zweifel, er war Abteilungsleiter. Leise seufzte ich, zum zweiten Mal in einer halben Stunde das Bedürfnis unterdrückend, mir an den Kopf zu schlagen. „Woher hatte ich das denn wissen sollen?", murmelte ich, während wir uns den Ausgangsmöglichkeiten näherten. Zu spät merkte ich, dass wir auf die Aufzüge zu pilgerten. Kaum merklich drosselte ich mein Tempo, mir selbst die Frage stellend, ob ich was sagen oder die Zähne zusammenbeißen sollte. Die Zeit eine Entscheidung zu treffen wurde knapp und ehe ich mich versah, trat ich vor ihm in den beengten Raum. Mich ganz in die Ecke drückend, hielt ich mich an den Handläufen fest, mit einem gewissen Druck, der meine Fingerknöchel weiß hervortreten ließ. Schweigend ließ ich den Kopf in den Winkel sinkend und starrte stur an die mit verschnörkelten Eisenverläufen verzierte Decke. Ich hasste Aufzüge. Als das Ding sich in Bewegung setzte, schoss meine eine Hand unkontrolliert vor und krallte sich um Ragnars Handgelenk, hörbar die Luft einziehend.


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And the truth is, I was wrong when I said I was bored.
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